Weltautismustag – im Zeichen der Inklusion?

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Ein Kind geht in die Schule. Wie jeden Morgen steht es pünktlich auf dem Schulhof und wartet auf den Einlass. Es ist viel los und daher hat sich das kleine Mädchen in eine der ruhigeren Ecken verzogen, um dort auf den Startschuss zu warten.
Die ruhigeren Ecken gab es dort nicht immer, aber seit sie mehr Personal haben an den Schulen, können sie gewährleisten, dass jemand der Lehrer mit dort stehen kann, um darauf zu achten, dass es an den Stellen ruhiger zugeht. Kein Fangen, höchstens vielleicht was lesen oder einfach dem Treiben der anderen Kinder quer über dem Hof zuschauen. Das Kind wartet entspannt und als die Schulglocke ertönt, hüpft es freudig ins Schulgebäude.

Die Klassen sind nicht allzu groß und wenn es dem Mädchen doch mal zu viel werden sollte, kann es sich wie alle anderen Kinder auch jederzeit in einen der Ruheräume zurückziehen. Dort nehmen sie dann sonderpädagogisch geschulte Lehrkräfte in Empfang, die auch mal mit den Kindern nicht verstandene Inhalte durchgehen können. Gerade Kinder wie das kleine Mädchen, das eher visuell lernt, profitieren davon. Aber eben nicht nur sie. Die Räume werden sehr gern genutzt, von Behinderten, wie auch Nichtbehinderten gleichermaßen und so entsteht niemandem ein Nachteil oder eine Form der Ausgrenzung.

Denn hier ist es Normalität, dass nichtbehinderte und behinderte Kinder gemeinsam lernen, jeder nach seinen individuellen Möglichkeiten.

 

Utopie?

Gar nicht mal so sehr, wie es sich zu Anfang liest. Ich habe vor Jahren mal einen Bericht gesehen, wo es genau um solch eine inklusive Beschulung ging. In Ländern, die sogar wesentlich kleiner sind und weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben, wo aber Inklusion eben nicht nur ein Wort ist, sondern gelebt wird.
So liegt Island mit 96% Inklusionsrate auf dem Spitzenrang, gefolgt von Malta (94%), Litauen (90%), Portugal (87%) oder auch Norwegen (85%). Deutschland hingegen belegt nach wie vor einen der hintersten Ränge.

 

Das kann viele Gründe haben

Zum einem kann man das schön an den Prioritäten sehen, die unsere hiesige Politik setzt. So ist Deutschland seine Bildung gerade mal 4,55% wert. Im Vergleich dazu kann man Dänemark mit 7,75%, Island mit 7,57% oder auch Zypern mit 7,41% nenne.
Am 26. März 2009 trat in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft, wo im Artikel 24 das Recht auf inklusive Bildung fixiert ist.

 

Nur, was hat sich denn seitdem in Deutschland getan?

Noch heute fehlt es massiv an räumlichen, sächlichen und personellen Ressourcen. Juristen des Deutschen Instituts für Menschenrechte haben ermittelt, dass keines der Bundesländer alle im Recht auf inklusive Bildung angelegten Kriterien erfüllt.
Das Bündnis für Inklusion hat ausgerechnet, dass allein in Hamburg 315 neue Lehrer eingestellt werden müssten, damit der Senat seine eigenen Fördervorgaben einhält.

Aber nicht nur das. Das deutsche Schulsystem ist in sich völlig veraltet. Alle Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden, um Deutschland nach vorne zu bringen, haben es zum Teil nur schlimmer und unübersichtlicher gemacht.
Als Beispiel kann man hier die vereinfachte Schreibschrift nehmen, die durch ihre abgehackte Schreibweise Kindern mit feinmotorischen Problemen mehr Schwierigkeiten bereitet als sie vereinfacht.
Ebenso wie diese ist das neue Konzept, Schüler nach Hören schreiben zu lassen und erst dann zu berichtigen, wenn sich Lesen und Schreiben soweit verfestigt haben, völlig nach hinten los gegangen.
Noch nie gab es so viele Kinder mit Rechtschreibschwächen wie heute.

Kinder mit Sprachbehinderungen, Lernbehinderungen, auditiven Wahrnehmungsstörungen oder visuellen Einbußen sollen heute inklusiv in Regelschulen beschult werden, und das ist auch gut so. Aber bis heute hat es das Schulsystem mit seinen starren Lehrmethoden nicht geschafft, sich nur annähernd an alle Begebenheiten anzupassen.
Und es ist lange nicht so, dass diese Schwierigkeiten nur behinderte Kinder betreffen.
Die wenigsten Kinder lernen nach Schema F, aber an deutschen Schulen wird immer noch so unterrichtet.

 

Aber das ist meines Erachtens nur einer der vielen Gründe, warum Inklusion hier nicht funktionieren kann. Nicht in einem Land, in dem Behinderte immer noch als die sabbernden, in der Ecke sitzenden, schwer geistig behinderten Menschen gesehen werden, solange nicht einfach nur eine rein körperliche (sichtbare) Einschränkung vorliegt. Und selbst da gehen viele heute noch davon aus, dass körperliche mit geistigen Behinderungen einhergehen.

Solange Behinderung nur als rein defizitär angesehen wird, als Krankheit, die ausgemerzt werden soll, möglichst mit allen Mitteln geheilt gehört – solange wird es kein Miteinander geben, sondern immer eine Zweiklassengesellschaft, wo wir schon froh sein “sollen”, wenn man uns die Möglichkeit bietet, möglichst angepasst und unauffällig durch die Gesellschaft zu gehen.

Ich erinnere mich an eine Situation bei meinem Sohn, als dieser 5 Jahre alt war. Nie haben wir gegenüber ihm erwähnt, dass er behindert ist, und auch nicht den anderen Kindern gegenüber. Lediglich die Eltern hatten wir bei Bedarf aufgeklärt.
Kurz nach diesem Gespräch musste ich mit ansehen, wie mein Sohn von Kindern umringt “du bist ein Behindi, ein kleiner Behindi” umsungen wurde, und bis heute frage ich mich, woher sie das wohl hatten.

Kinder sind von Natur aus neugierig und unvoreingenommen. Sie fragen nach, wenn etwas anders ist, und legen es dann zu den Akten. Spielen mit einem, ohne es weiter zu hinterfragen. Oft sind es die Eltern, die erste Ängste schüren, wie es ihnen auch ihre Eltern schon beibrachten: “Du, die sind behindert, mit denen solltest du nicht spielen.”

Kinder betrachten bei Neuem immer erst die Reaktion der anderen und vor allem die der Eltern. Wenn diese negativ reagieren, dann ist es auch negativ.
In Ländern, in denen Behinderte völlig inkludiert mit nichtbehinderten Kinder aufwachsen, sieht man solche Berührungsängste gar nicht.
Und das tragen sie auch in die nächste Generation weiter.

In einer Gesellschaft, wo Nachteilsausgleiche immer noch als Übervorteilung wahrgenommen wird, Behinderte als Belastung im Klassengefüge, wo Eltern sich über ein behindertes Kind in der Klasse beschweren, weil dieses die Lernfortschritte ihres Kindes behindern könnte – in solch einer Gesellschaft, wo Anpassung das oberste Gebot ist, und nur angepasste Menschen das Recht haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sind wir weiter weg von Inklusion als vielleicht manche ahnen, und so wundern mich die oben angeführten Zahlen in keinster Weise.

Inklusion betrifft eben nicht nur die Schule

Es betrifft alle, ausnahmslos, und fängt schon beim eigenen Denken an.
Wenn ich dann lese, wie der heutige Weltautismustag im Zeichen der Inklusion stehen soll. Induziert von Vereinen wie Autismus Deutschland. Wo Organisationen wie Aktion Mensch groß verbreiten, dass Inklusion das Thema des Jahres sein soll, dann frage ich mich, wie sie eine Therapie wie ABA/ AVT gutheißen können, die meines Erachtens gegen Inklusion steht.

So geht es doch grundsätzlich bei dieser Therapieform darum, Autisten anzupassen und sie möglichst gesellschaftskonform zu machen.
Das ist nicht der Gedanke einer Inklusion. Das ist höchstens Integration, wenn man das überhaupt so nennen mag. Noch dazu, dass es menschenverachtend ist.

Nehmen wir mal Herrn Sascha Decker (Pressesprecher der Aktion Mensch), der mal in einem Interview verlauten ließ, dass die Zeiten, in denen Behinderte vor die Stadttore gesperrt wurden, lange vorbei wären.
Sind Sie sich da ganz sicher? Vielleicht nicht mehr vor die Stadtgrenzen, sicher. Aber wie würden Sie denn Einrichtungen wie Sonderschulen und Förderschulen aus diesem Blickwinkel sehen – und vor allem, wie bewerten Sie eine Therapie, die Menschen nur dann in die Stadt lässt, wenn sie sich möglichst gesellschaftskonform verhalten?

Natürlich müssen auch behinderte Menschen lernen, dass es gewisse Regeln gibt, sofern sie diese behinderungsbedingt einhalten können.
Es geht hier nicht um grundsätzliche Selbstverständlichkeiten wie nicht zu töten, nicht zu stehlen oder zu verletzen.

Bei ABA geht es auch mitnichten nur um basalste Fähigkeiten, wie Befürworter es gerne anführen, sondern um die möglichst beste Anpassung an das, was Nichtautistische als normal ansehen. Es geht es um Dinge wie beispielsweise Kommunikation, telefonieren können, Blickkontakt und Berührung aushalten können. Das Aushalten äußerer Reize im Allgemeinen.

Entspricht es den Gedanken einer Inklusion, wenn Menschen nur dann das Recht auf ein Miteinander haben, wenn sie möglichst so sind, dass sie gar nicht mehr inkludiert werden müssten? 

ABA ist nicht die Lösung für eine erfolgreiche Inklusion, sondern eher hinderlich.
Genau wie viele andere “gutgemeinte Hilfestellungen”, die bis heute nichts anderes bezwecken, als das Miteinander für Nichtbehinderte angenehmer zu machen.

Inklusion kann, wenn richtig durchgeführt, einer der Wege sein, Autisten oder Behinderte allgemein besser in die Gesellschaft zu inkludieren.
Inklusion ist demnach die Lösung für ein allgemeines gesellschaftliches Problem.

Solange ABA gefördert, propagiert oder angeboten wird, führt man aber den Gedanken an Inklusion an sich ad absurdum.
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Quellenangaben:

http://www.zeit.de/2015/04/inklusion-schule-behinderung-hamburg-wahlkampf/seite-6
http://inklusionsfakten.de/5-jahre-un-behindertenrechtskonvention-keine-eins-plus-fuer-die-bildungspolitik/

http://www.behindertenparkplatz.de/wie-ein-sprecher-der-aktion-mensch-behindertenfeindlichkeit-schuert/

Wichtige Links:

ABA und die Kritik daran – Eine Zusammenfassung.
#FragtWarum
Innenwelt: Bin ich behindert

Wutausbruch vs Meltdown

Leider laviere ich mich immer wieder in Situationen, wo ich es eigentlich gut meine, aber irgendwie in Schwierigkeiten gerate. Ich muss noch lernen, dass Hilfsbereitschaft nur solange gut ist, wie sie auch gewollt ist und sie sollte niemals auf meine Kosten gehen.

Ich weiß, dass ich eine sehr gute Beobachtungsgabe habe und ein gewisses Talent, Situationen zu analysieren. Ich liege selten daneben und durch die Erfahrung mit den Kindern, habe ich einiges an Skills und Möglichkeiten entwickelt, wie ich ihnen in welchen Situationen helfen kann. Sicher lässt sich das ein oder andere übertragen, zumindest kann ich vielleicht die Situation besser einschätzen, wie jemand, der es nicht kennt.

Dadurch, dass ich zu Hause 4 autistische Kinder um mich habe, kenne ich die meisten der Situationen die entstehen können, und ich unterscheide da sehr wohl zwischen Erschöpfung, Wutanfällen, Überforderungen, Meltdowns, Shutdown, etc.

Vielleicht hatte mich die Unterstellung, ich würde pauschal urteilen, deswegen so getroffen.

Mit Nichten sind sie gleichzusetzen und auch nicht alle haben nur die Reizüberforderung als Hintergrund. Ich kenne sie auch alle aus eigener Erfahrung und mir ist oft aufgefallen, dass manche viele dieser Begriffe wild durcheinander wirbeln.

Zum Beispiel unterscheidet sich ein Wutanfall sehr von einem Meltdown. In einem Wutanfall erwartet der Wüterich eine Reaktion, ein Ergebnis oder eine Aktion des anderen und hält durchaus inne, wenn gewünschtes entweder erreicht ist oder zumindest logisch nachvollziehbar erklärt wurde, warum etwas so ist oder warum es so nicht geht.

In einem Meltdown jedoch, wird rein gar nichts mehr erwartet oder abgewartet. Wie ich damals schon beschrieb, stehe ich dabei neben mir, bin ausser mir oder wie man das auch beschreiben mag. Ich habe keinerlei Kontrolle darüber, was ich da tu und man kann es auch nicht mehr stoppen.

In solchen Fällen ist es oft so, wie wenn ich in einem Film feststecke und es ist völlig egal, was mir an der Stelle angeboten wird. Ich komme da nicht mehr anders raus, als es laufen zu lassen.

Das einzige, was man in solchen Situationen noch machen kann ist raus aus der Situation und am besten mich weitläufig umgehen.

Manches Mal können dieselben Dinge entweder einen klassischen Wutanfall oder auch einen Meltdown auslösen. Oft ist es das drumherum, die Erlebnisse der letzten Tage, diverse Gedankenkreisel, die voran gehen und dann ist der Auslöser selber nur das Tröpfchen, der das Wasser zum Überlaufen bringt.

Gerade wenn mich Gefühle überrennen. Das mindert die Heftigkeit der Reaktion weder bei den Kindern, noch bei mir.
Oft fällt es mir sehr schwer, mit der Flut an Gefühl umzugehen. Sei es nun Wut, Trauer, selbst Freude. Völlig unerheblich warum, es überfordert und auch das kann nach einen  Zustand auslösen.
Welchen? Gute Frage und die ist nicht so leicht pauschal zu beantworten.

Es ist nicht zwingend immer eine reine Reizüberflutung und kann auch nicht immer nur dem „grellen Licht“ zugeordnet werden, um ein Beispiel zu nennen.
Somit gibt es auch da keine klare Unterscheidung der Auslöser.
Auch Emotionen können zu viel sein. Können einen sogar in den Melt treiben.

Manche nennen es dann eher emotionalen Melt. Es gibt aber auch gleichermaßen den emotionalen Shut. Gerade bei letzterem beobachte ich da oft an mir selber, dass ich dann gefühlsmässig komplett dicht mache. Ich wirke dann gerade in solchen Situationen komplett Gefühlskalt.
Der Hintergrund ist aber nicht der, dass mir die Person oder die Situation vollständig egal sind, sondern mich eher überfordern.

Ich lese oft Beschreibungen anderer, in denen Meltdowns als Wutausbrüche benannt werden, nur dass der Melt eben nicht als solches bezeichnet werden kann.

Ein Wutausbruch fühlt sich anders an.

Was allerdings auch bei einem Wutausbruch bedacht werden muss, dass eben Autisten mit Gefühlen oftmals anders umgehen als erwartet wird.
Gerade das „zumachen“ passiert bei mir sehr häufig und ist eher eine Schutzfunktion, weil ich gerade in diesem Moment nicht damit zurecht komme.
Genausogut kann es aber auch sein, dass ich zu sehr mitfühle und helfen will, weil ich die Situation sehr gut nachempfinden kann. Gerade wenn ich sie selbst viele Male erlebt habe. Ich muss eben nur lernen, dass gerade diese Hilfe nicht immer erwünscht ist und als Bevormundung missverstanden wird.

Andersherum ist es aber genauso falsch einen klassischen Wutausbruch als Melt zu bezeichnen. Auch autistische Kinder können mal nur wüten und nur weil sie autistisch sind, heisst es noch lange nicht, alles gleich dem Melt zuzuordnen.

 

P.S.:
Ich weiß, an der Stelle wurde jetzt sicher ein Bericht zu Auticon erwartet. Aber, da diese Woche auch Osterwoche war, gibt es nicht wirklich viel zu berichten und daher verschiebe ich den Bericht auf nächste Woche.

Praktikum bei Auticon (fünfte Woche)

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Sorry, eigentlich versuche ich immer pünktlich zum Wochenende meinen Bericht zu schreiben, damit es möglichst zeitnah kommt. Aber dieses WE war es mir einfach nicht möglich.

Am Freitag ging es mir zu schlecht, um damit anzufangen, obwohl ich wesentlich früher daheim war, als ursprünglich geplant.

Oder vielleicht auch deswegen ;).

Da am Donnerstag immer die Deployments durchlaufen (hochladen der gefixten Fehlerbehebungen) und dabei was schief ging, konnten wir nicht wie gewohnt am Freitag mit dem Testen anfangen. Vielmehr hingen wir alle ordentlich in der Luft (Redewendung).
„Bis zum Mittag wird es wahrscheinlich nichts werden“, hieß es und so stürzten wir uns auf liegengebliebene Emails und gingen nochmal alle Defekte durch, wenn wir schon mal Zeit dazu hatten. Gegen Mittag sollten wir dann noch erfahren, dass sich leider weiter nichts an der Situation geändert hatte und so durften wir dann nach Hause gehen.

In mir machte sich die Sorge breit. So war ich jetzt schon im Verzug und langsam wird es richtig eng mit den Testfällen und nun fällt auch noch der Freitag aus. Mittwoch werde ich auch nicht da sein und so begann sich in mir immer mehr Druck aufzubauen.

Als ich das ansprach, konnte mir die Sorge zwar gleich wieder genommen werden. Zumindest laut Aussage. Aber das ist immer leichter gesagt als getan. Mir sind Ziele sehr wichtig und wenn sich schon etwas so massives ändert, brauche ich eine Weile um es zu verarbeiten und mich auf die neue Situation einzustellen. Und so gestaltet sich alles seit Freitag etwas planlos. Aber das soll nächste Woche Thema werden.

So war ich dann Freitag zwar weit vor meiner üblichen Zeit zu Hause, zumindest körperlich, aber nur um völlig fertig mit der Welt direkt in mein Bett zu hüpfen.
Das war zu viel „anders“ auf einmal und so bekam ich Freitag nicht wirklich irgendwas hin. Dadurch kam ich in Verzug, da ich ja wusste, dass ich Samstag erstmal zu putzen hatte und Sonntag der Friseur auf dem Terminzettel stand.
Bis auf den Zwischenfall am Freitag gibt es zur letzten Woche nicht all zuviel zu berichten.
Durch das Angebot, bei einem Hin und Her an die Ansprechpartner weiterleiten zu können, lastet nicht mehr so viel Druck auf mir, wie die Woche zuvor. Ganz weg ist es dennoch nicht.
Da ich einfach nicht genug Einblick in die Vorgaben habe, ist es mir einfach nicht möglich darüber zu urteilen, ob der Fehler nun an anderer Stelle weiter geführt werden sollte, oder nicht.
Ganz so einfach ist es dann dennoch nicht. Immer noch gilt es für mich festzustellen, ob es nun ein Hin und Her ist oder tatsächlich einer der Fehler, die man bedenkenlos schließen kann.
So lasse ich mich doch ab und an auf eine Diskussion ein. Aber nicht weil ich muss, sondern weil ich noch etwas wissen möchte, bevor ich es weiterleite oder schließen kann.

Ein Fehler ist mir dann doch passiert, weil der Testfall an der Stelle falsch beschrieben war und ich vermutlich wegen mangelnder Erfahrung nicht wissen konnte, wie es richtig geht.
Ich kann zwar im zweiten Anlauf mit konstruktiver Kritik umgehen und diese dann auch umsetzen, aber im ersten Moment ist es immer ein kleiner Schock.

Begleitet mit vielen Gedanken, die sich meist darum drehen, das ich nicht perfekt war. Das ich etwas nicht ganz richtig gemacht habe oder etwas wichtiges fehlt.
Genauso, wie ich es nie persönlich meine, wenn ich auf Fehler hinweise, nehme ich solche Dinge auch nicht persönlich. Sehr wohl aber im Hinblick auf die Qualität meiner Arbeit.
Mit ein Grund, wenn ich mich dann furchtbar darüber aufregen kann, wenn Strukturen oder auch Anweisungen für mich nicht klar genug oder stellenweise sogar widersprüchlich waren.
In diesem speziellen Fall habe ich die Kritik annehmen können. Der Fehler passiert mir sicher kein zweites Mal und seither prüfe ich manches lieber auch in der Hinsicht noch einmal, falls vielleicht doch ein ähnlicher Grund dahinter stecken könnte. Auch andere Kritiken konnte ich bisher dazu verwenden mich selber stetig zu verbessern.

So waren meine Defektbeschreibungen am Anfang sicher sehr holprig und vieles hat gefehlt. Inzwischen ist es wesentlich besser geworden und auch mein Englisch ist lange nicht mehr so eingerostet, wie es zu Anfang war.
Jedoch eine Besonderheit gibt es dabei. So ganz will es sich mir nicht erschließen, warum ich zum selben Fehler Bilder verschiedener Geräte einstellen soll. Im Grunde ist es dasselbe Bild wie auf dem Desktop, nur das dann eben der Screenshot entsprechend dem Gerät ein wenig anders aussehen würde. Noch dazu, weil sie ja miteinander verlinkt sind.
Nebenbei ist es wesentlich aufwendiger, die Screenshots der Handys und Tablets auf den Desktop zu bekommen (geht derzeit nur per Email).
An der Stelle vermisse ich schmerzlich meine App, mit der die Übertragung von Bildern und Screens wesentlich einfacher und schneller von statten geht. So man will, auch automatisch.
Aber naja, ich schweife ab.

Auch das mit der Reha hat sich inzwischen in soweit geklärt, dass ich diese im April antreten werde. Der Termin steht jetzt fest und jetzt geht es darum, alle Anträge so schnell als möglich fertig zu bekommen. Lange ist nicht mehr hin.

Da Auticon mich so erst im Mai einstellen kann, heißt es für mich, 2 Monate länger durchhalten. Durch das letzte Jahr, ist es finanziell sehr eng geworden und dann kommt ja noch dazu, dass ich durch das Praktikum extra Ausgaben habe, die ich zumTeil vorstrecken aber auch tragen muss. Dazu eben auch die familiären Verpflichtungen wie Ostern und Geburtstage.

Durch den Wechsel vom Arbeitsamt zum Beschäftigungsverhältnis wird es dazu kommen, dass ich sogar einen Monat vermutlich ganz ohne Geld dastehen werde. Ich weiß nur noch nicht, wie sich eventuell ein Krankengeld auswirken könnte.

Aber im Grunde kann ich nichts daran ändern, aber all das geht mir derzeit sehr im Kopf herum und so war es arbeitstechnisch zwar wesentlich entspannter und auch schon routinierter diese Woche, aber eben mit sehr vielen Gedankenkreiseln bestückt.
Da ich schon in der nächsten Woche stecke, kann ich euch zumindest schon mal verraten, dass sich daran nicht viel ändern wird.
In diesem Sinne, bis die Tage.

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

FragtWarum bekommt viele Gesichter

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Heute (14.03.2016) geht die Aktion #FragtWarum in die dritte Woche. 15 Tage lang Schweigen als Antwort auf unsere Fragen. Mit Autismus und dem Umgang mit uns Autisten fing es an Bei #FragtWarum geht es um Menschlichkeit. Es geht darum Antworten zu bekommen auf Fragen die uns wichtig sind. Und ja, es geht auch um die […]

https://quergedachtes.wordpress.com/2016/03/14/fragtwarum-bekommt-viele-gesichter/

Praktikum bei Auticon (vierte Woche)

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Der Anfang der Woche war anstrengend. Sehr anstrengend.
Ich hatte ein neues Testset bekommen und so meine Schwierigkeiten damit. Gut, es war eine komplexere Aufgabe als die zuvor und vieles muss noch umgangen werden. Dadurch wurde ich recht langsam, was mich zunehmend störte.
So langsam stellten sich bei mir auch meine altbekannten kommunikativen Probleme ein. Empfand mich dadurch vielleicht zu pingelig, wenn man die ein oder andere Reaktion auf Fehler betrachtet.
Wie soll ich auch entscheiden, ob derselbe Fehler an einer Stelle richtig ist und an anderer nicht. Dieselbe Begründung alles auszuhebeln scheint, obwohl es in meinen Augen den Fehler nicht besser macht. Immer mehr wurde es zum Hin und Her zwischen der Fehlerannahmestelle und mir und immer mehr verunsicherte es mich.

Letzte Woche wurde mir gesagt, dass mein sehr schneller Einstieg in das System und der Materie Eindruck hinterlassen hat. Immer schon konnte ich mit meiner sehr schnellen Auffassungsgabe begeistern. Mit meiner Fähigkeit komplizierteste Vorgänge nachzuvollziehen und Systeme rasant so zu beherrschen, dass es den Anschein hat, als hätte ich schon seit Jahren nichts anderes gemacht.
Sehr schnell begreife ich Zusammenhänge und da ich mich schon öfter mit Templates auch auf Programmierebene beschäftigt habe und so auch den Aufbau solcher Websites nachvollziehen kann, bereiten mir solche Dinge weniger Schwierigkeiten.
Dazu bin ich sehr genau. Pingelig und „zu genau“, sagten manchmal andere Arbeitgeber. Zu sehr schwarz-weiß, irgendwo.

Ich bin ein sehr logisch denkender Mensch, der stetig nach Mustern sucht und so scheine ich in vielem wahrscheinlich pingelig. Nicht immer lassen sich Begründungen so für mich nachvollziehen, dass ich sie wirklich einordnen kann. Vor allem, wenn es mal so und mal so ist. Ich suche immer das Muster. Gerade weil ich sonst verunsichert bin. Ohne die fehlt mir der Leitfaden.
An dieser Stelle bin ich sehr mit meinem Sohn zu vergleichen. Wie er, bin ich auf klare Strukturen angewiesen und sind diese für mich nicht greifbar, brauche ich Strukturhilfe.

In den Augen anderer lag ich schon sehr oft falsch mit meiner reinen Logik und da ich inzwischen begriffen habe, dass sich nicht immer alles mit reiner Logik erklären lässt, räume ich oft diese Möglichkeit mit ein.
Steht da z.B. „daneben“, dann prüfe ich jede Seite. Wer sagt denn, dass nur rechts daneben gemeint ist. Wenn dann eine von den 4 Seiten nicht geht, dann ist es so betrachtet ein Fehler.
Mitbewohner meinte, die meisten würden an der Stelle rechts daneben klicken und es als richtig betrachten. Die wenigsten würden alle Seiten überprüfen und selbst wenn, eigentlich geht es ja an 3 Seiten. Warum denkt man eigentlich so?
Nach meiner Logik benutzt nicht jeder automatisch dir rechte Seite. Ein gutes Beispiel ist der Linkshänder. Gerade, wenn er seine Maus auf der linken Seite eingerichtet hat. Hier wäre ein Linksklick daneben durchaus denkbar.
Bei meinen früheren Arbeitgebern hat das immer Probleme bereitet. Vor allem im Hinblick auf die Kommunikation. Nicht, weil ich es fachlich nicht hinbekomme.
Die wenigsten Menschen hören oder lesen gern, dass sie ein Fehler gemacht haben oder haben sich, weil eine Umsetzung an der Stelle sehr schwierig war, einfach für den leichteren Weg entschieden und sich selbst damit arrangiert.
Manche sehen dann auch nur die Arbeit vor sich, die dann zu machen ist und egal welcher Grund nun dazu verleitet, das Grundproblem selbst wird dadurch völlig aus den Augen verloren.
Und dann kommt da jemand her und stößt da genau rein. Das bin dann meist ich.

Die Reaktionen waren in der Vergangenheit nicht immer professionell. Ich bin zwar in der Softwaretesting-Branche neu, aber ich habe schon zuvor in der Qualitätssicherung gearbeitet und dann auch jahrelang in einem Bereich, der sehr klar mit Regeln und Gesetzen definiert ist und auch da war ich schon immer sehr genau in deren Umsetzung.
Zu genau, pingelig, oft zu schwarz und weiß eben.
„Sei mal flexibler“, oder „das haben wir schon immer so gemacht“. „Denk mal an den Kunden“, „sei Kundenfreundlicher“. „Nicht jede Situation lässt sich nach Schema F beurteilen.“ Alles Sätze, die ich immer wieder gehört, aber nie die Logik dahinter verstanden habe.

Ich weiß auch, dass manchmal einfach Bausteine für eine richtige Entscheidung fehlen und ich teilweise nicht wissen oder einsehen kann, wie genau sich die Entscheidung mancher zusammensetzt hat. Oftmals berücksichtigen andere irgendwelche Dinge, die schwer für mich zu greifen sind.
Ingesamt ergibt es für mich ein Wirrwarr und das spiegelt sich auch in meiner Kommunikation wieder.

So war es dann auch ein solches „Hin und Her“ die ersten 3 Tage und es dauerte meist gerade bis zum Mittag, bis alles nur noch sehr zäh und kräftezehrend lief.

Kennt ihr diesen Moment, wenn alles nur noch gedanklich wie durch Watte zu euch durchdringt. Wo es einem schon schwer fällt, die eigenen Gedanken oder gar Informationen von draußen aufzunehmen?

Zum Beispiel sollte ich bei einer Aufgabe Eingaben vornehmen, die auf dem hinterlegten Bild zu finden sind. Fassungslos starrte ich auf den Bildschirm. Wo finde ich diese Eingaben? Ich begann alles zu durchsuchen.
Das mit dem Bild hatte ich zwar gelesen, aber diese Information drang nicht mehr zu mir durch. Noch dazu, dass dort gar kein Bild war.
Völlig am Ende machte ich an der Stelle Schluss und als in am nächsten Morgen genau da anknüpfte, brauchte es nicht einmal eine große Erklärung. Plötzlich war es ganz leicht und eigentlich stand ja alles da. Nur das eben das erwähnte Bild nicht hinterlegt war. Es fehlte.
Stattdessen pflegte ich einfach meine eigene Adresse ein. Bei der weiß ich ja, dass sie valide ist. Aber diesen Umschnitt hatte ich am Vortag nicht mehr hinbekommen und begründet lag es darin, dass meine Verfassung da schon viel schlechter war.
Dieses ständige hin und her hatte sein Tribut gefordert.

Das mir in solchen Fällen eine komplette Pause gut tut weiß ich, und inzwischen habe ich auch begriffen, dass es in Ordnung ist, wenn ich mir eine solche Pause nehme.
Interessant wäre es dennoch, ob es für mich in solch einem Fall möglich wäre, stattdessen einfach was ganz anderes zu machen und dann eben danach wieder an der Stelle anzuknüpfen.
Sodass es an der Stelle nicht zu einem Totalausfall kommt.
Ich weiß jedoch nicht, ob das wirklich umsetzbar ist.

Alles zusammen, die Schwierigkeiten, die ich mit der neuen Aufgabe hatte, die Fehlentscheidungen auf Grund der Kommunikation und das ich immer mehr das Gefühl hatte, mal wieder „zu genau“ zu sein, ließ in mir die Sorge aufkeimen, dass mein sehr guter Start dadurch weggewischt wurde und dann kam noch dazu, dass der Reha-Anbieter mir so langsam Druck machte.
Zeitgleich mit Beginn des Praktikums kam die Genehmigung meines Antrags auf eine ambulanten Reha, die ich bereits letztes Jahr gestellt hatte.
Immer mehr neigte es sich zur Fristgrenze und ich war mir mehr als unsicher, ob es zum jetzigen Zeitpunkt wirklich so gut sei, dass gegenüber Auticon zu erwähnen. Daher hatte ich es so lange nichts gesagt.
Immerhin bin ich noch nichtmal eingestellt und befinde mich gerade in der Praktikumsphase.
Irgendwie hatte ich die Sorge, dass es sich Auticon nun anders überlegen könnte.

Aber ich nahm an der Stelle doch den Rat meines Mitbewohners an, und informierte Anfang der Woche meine JobcoachIn und bat um ein Gespräch.
Und was soll ich sagen, er hatte Recht. Es war richtig so. Sofort setzte sie sich dahinter und begann eine Lösung für mich zu finden und klar stand nicht in Frage, dass ich diese Reha machen soll und auch die Angst davor, dass es sich Auticon anders überlegt haben könnte, stellte sich als unbegründet heraus.
Tatsächlich war am Donnerstag unsere Ansprechpartnerin vom Kunden bei uns und lobte unsere Arbeit. Ihr gegenüber erwähnte ich meine Schwierigkeiten mit der Kommunikation und über mein Gefühl, zu langsam zu sein.

Wie sooft lag ich da wohl mit meiner Einschätzung über mich selbst völlig daneben und logisch ist man langsamer, umso komplexer das wird. Auch das Problem der Kommunikation war sofort gelöst.
Sollte es wieder zu einem Hin und Her kommen, dürfen wir gern die Fälle an unsere Ansprechpartner weiterleiten. Es ist nicht an uns, sich mit den Anbietern zu streiten. Herje war ich erleichtert.

Denn dadurch, dass ich oft verunsichert bin, wann genau denn „zu genau“ ist und ich Diskussionen dazu nicht immer gewachsen bin, kam es bei meinen ehemaligen Arbeitgebern mehr als einmal dazu, dass ich anfing mich davor zu fürchten, Fehler zu finden.
Aktuell noch nicht, aber es hätte dazu kommen können. Denn meist waren es genau diese Kommunikationsschwierigkeiten, die mir das Arbeiten trotz sehr guter Fachkentnisse in der freien Wirtschaft unmöglich machten.
Und auch Auticon bestätigte am Freitag nochmal, dass alles in Ordnung ist. Im April soll ich meine Reha antreten und es ändert sich rein gar nichts daran, dass sie mich haben wollen.

 

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

Konfirmation ja, aber nicht bei Ihnen

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Vielen Dank an alle, die mir dieses Wochenende mit Rat zur Seite standen. 

Ihr habt mir sehr bei meiner Entscheidung geholfen. 

Ich will es noch einmal versuchen, dass der Pfarrer versteht. Ohne gleich die Fronten zu verhärten, was der Fall wäre, wenn ich gleich Beschwerde einreiche.
Ich habe daher vor, ihm diesen Brief zu schicken und dann werde ich sehen, ob ich ihn erreichen konnte. 

Ich habe dort auch einige eurer Aussagen einfließen lassen. Denn sie trafen genau den Kern des ganzen.
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Sehr geehrter Herr Pfarrer,

Sie haben eine Entscheidung von mir verlangt. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und nochmal mit allen Beteiligten darüber gesprochen. Auch mit meinem Sohn, ja. Denn entgegen Ihrer Meinung, dass er sowas nicht entscheiden könne und ich das als Mutter tun sollte, so beziehe ich doch seine Wünsche mit ein.

Er will diese Konfirmation unbedingt und im Grunde ist es sein Leben und sein Glauben.

Wie er in ein paar Jahren darüber denkt, oder was ich davon halte, aber auch was Sie davon halten, ist an der Stelle völlig irrelevant. Vielleicht wird er in ein paar Jahren genau wie ich erkennen, dass Christen auch nur Menschen sind.
Wissen Sie, ich war auch mal gläubig. Sehr sogar. Aber ich habe ich den Glauben an die Kirche und den Menschen völlig verloren und fing irgendwann an, selbst den Glauben in seinen Grundfesten zu hinterfragen.
Vielleicht wird mein Sohn selbiges erkennen. Aber das soll noch nicht das Maß der Dinge sein.

Noch geht es tatsächlich nur darum, dass er sich das wünscht und ich respektiere ihn.
Sie sagten selbst mal, dass wir Eltern unseren Kindern mehr zutrauen und Eigenverantwortung zugestehen sollten. Hört das bei den Wünschen auf?

Mein Großer hat eine ganz eigene Meinung von Kirche, und die Konfirmation gehört für ihn der Richtigkeit halber dazu. Er will damit seinen Glauben bekunden und irgendwo will er das auch, weil es alle in der Kirche so machen.

Ja, mein Sohn hat Schwierigkeiten sich in eine Gesellschaft zu integrieren. Er will es so gern, kann es aber auf Grund seiner Behinderung nicht.
Einem Autisten zu sagen, dass eine Integration in die Gesellschaft Voraussetzung einer Konfirmation ist, wäre dasselbe, wie einem Gehörlosen zu sagen, dass das Hören des Evangeliums Voraussetzung wäre.
Daher entscheide ich entgegen Ihrem Rat, dass mein Junge seine Konfirmation haben soll und ich werde nicht von ihm verlangen, dass er sich dazu in eine Gemeinschaft zu integrieren oder sich dieser anzupassen hat. Schon gar nicht, wenn diese Gemeinschaft ihn ausgrenzt und auslacht.

Sie hätten sein Gesicht sehen sollen, als ich ihm sagte, dass Sie das in seinem Falle für unnötig halten. Ich bringe es nicht fertig, ihm zu sagen, dass er sich zwar konfirmieren kann, aber dadurch dennoch nie dazu gehören wird und ehrlich gesagt, nach vielen Gesprächen dieses Wochenende mit Christen und sogar Pfarrern, ist es auch nicht an uns, dass zu entscheiden.
Im Endeffekt wird das immer noch die Gemeinde entscheiden, ob mein Sohn in ihr je Fuß fassen kann.

Außerdem war eines mehr als deutlich aus den Reaktionen Ihrer Kollegen herauszulesen: Die Konfirmation ist ein nochmaliges Glaubensbekenntnis, die endgültige Einführung in die Gemeinde und damit ist nicht die christliche Gemeinschaft gemeint. Das hat vor allem den Hintergrund, dass die Kinder bei ihrer Taufe ja schlecht ja sagen konnten.

Schon immer hatte er mit Mobbing und Ausgrenzung zu kämpfen. Und ja, gerade Jugendliche in diesem Alter können grausam sein und Ausgrenzung ist an der Tagesordnung.
Was ich allerdings nicht verstehe ist, wie Sie das in Ordnung finden können. Ist es denn nicht Ihre Aufgabe, junge Menschen Werte zu vermitteln, wie Toleranz dem Anderen gegenüber und Nächstenliebe?

In dieser Hinsicht halte ich tatsächlich die meisten Autisten für die besseren “Christen”, denn uns liegt Ausgrenzung, Neid und Missgunst meist fern und auch wenn wir unsere Meinung sagen, so doch immer mit einem gewissen Respekt.
Den meisten Autisten ist ein sehr starker Gerechtigkeitssinn eigen und so auch meinem Sohn und mir.
Uns würde nie in den Sinn kommen, jemanden nur auf Grund seines Aussehens, seiner Art oder seines Daseins auszugrenzen oder gar auszulachen.

Expliziter ausgedrückt, damit Sie es verstehen: Würden Sie es denn auch in Ordnung finden, dass, wenn Großer geistig/
körperlich behindert wäre, er für seine Behinderung ausgegrenzt und ausgelacht wird?
Mein Sohn hat zwar eine seelische Behinderung, aber ist er an der Stelle weniger schützenswert?
Würden Sie hier nicht auch dem Wunsch des Kindes entsprechen wollen?
Wenn es denn wirklich wollte und würden Sie hier eine vollständige Anpassung einfordern?

Mag ja sein, dass Sie den Glauben an solche Menschen wie meinen Sohn verloren haben.
Tatsächlich ist Ihre Meinung über die Jugendlichen erschreckend für eine Person mit Ihrer Funktion.
Es gibt Menschen, die wollen zur Konfirmation und das nicht, weil es cool ist oder weil es die Freunde machen. Oder weil es Geld gibt oder die Eltern sie mehr oder minder dazu nötigen.

Jemand, dessen innigster Wunsch ist zu glauben und dieses zu bekunden.

Es ist nicht an Ihnen, einen solchen Wunsch in Zweifel zu ziehen.

Ich möchte Ihnen mit diesem Brief nicht an den Karren fahren. Ich erwarte auch keine Entschuldigung von Ihnen.


Ich möchte Sie aber zum Nachdenken bewegen.

Versuchen Sie bitte, zu bedenken, dass nicht die Integration in eine kirchliche Gemeinschaft Maß der Dinge sein sollte, sondern Toleranz, Nächstenliebe und die Lehren Jesu Christi.
Als er sagte: “lasset die Kinder zu mir kommen”, hat er sicher nicht erst danach gefragt, ob sie behindert sind.

Versuchen Sie bitte, zu bedenken, dass auch eine Kirche gerade in der heutigen Zeit kaum von der Pflicht zur Inklusion befreit sein kann, wie es allgemein von den Schulen und der Gesellschaft verlangt wird. Der Unterschied von Inklusion und Integration besteht darin, die behinderten Menschen in ihrer Art anzunehmen und sich deren Bedürfnissen anzupassen, nicht umgekehrt.

Versuchen Sie bitte, gerade in der heutigen Zeit Ihre Haltung den Jugendlichen gegenüber zu überprüfen. Ja, Jugendliche heutzutage sind grausam und werden lange nicht mehr mit den Wertemaßstäben erzogen, die früher als normal galten.
Sie aber in dieser ablehnenden Haltung gegenüber anderen als Pfarrer zu bestärken, halte ich für den falschen Weg. Sich irgendwo als Institution (sei es nun Schule oder eben auch Kirche) damit aus dieser Verantwortung zur Integration damit herauszureden, dass die Nicht-Integration von Außenseitern normal und gängig ist, oder rein den Eltern obliegt, kann nur als Ausrede gelten.
Dass ein Behinderter in ihrer Mitte ist, hätte man auch als Chance begreifen können, Jugendlichen die Wichtigkeit dieser Werte aufzuzeigen.

Was Sie mir letztens im Gemeindehaus an den Kopf schmissen, hat mich sehr verletzt und leider meine Sicht auf die Menschen verfestigt.
Ich will es dennoch versuchen, Ihnen die Hand zu reichen. Denn nach wie vor hege ich immer wieder die Hoffnung, mich im Menschen doch mal geirrt zu haben.

Was Ihre geforderte Entscheidung betrifft, so entscheide ich mich für eine Konfirmation meines Sohnes, aber nicht bei Ihnen.
Ich glaube nicht, dass Sie schnell genug Ihre Sichtweise ändern können.

 

 

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Vorgeschichte:

Konfirmation…Träume, Vorstellungen und die Hoffnung

Nur wer sich anpasst darf dabei sein

Praktikum bei Auticon (dritte Woche)

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Die Woche war von viel Neuem geprägt.
Letzte Woche wurde ich ja informiert, dass ich ab März in einem Projekt bei einem Kunden eingesetzt werden soll und Montag sollte da eine kurze Einführung stattfinden.
So wurden wir vor dem geplanten Gespräch ein wenig herumgeführt, damit wir die Wege schonmal kennen. Neben den Örtlichkeiten, steuerten wir auch die Kantine an und ich beschloss gleich, diese zu meiden. So wie die meisten Kantinen, ist auch diese recht groß und hallt recht stark. Meist sehr voll (eigentlich zu fast jeder Tageszeit und damit mit einer sehr lauten Geräuschkulisse ausgestattet. Das schlimmste jedoch ist die Kühltheke. Neben dem typischen Brummen hat sie auch einen sehr unangenehmen hohen Quietschton. Ich kann nichtmal sagen, ob den andere überhaupt wahrnehmen. Aber im Grunde ist das auch egal. Es stört mich und lange halte ich es da unten nicht aus.

Was mich gefreut hatte, war das Angebot eines Ruheraums. Allerdings habe ich da so meine Zweifel, ob ich es schaffe den jemals zu nutzen.
Ich habe die Angewohnheit immer noch ein Stück weiter zu machen. Gerade wenn ich den Ehrgeiz entwickle, etwas noch fertig zu machen zu wollen oder mich gerade so schön im Arbeitsfluss befinde. Ich habe Schwierigkeiten damit aufzuhören und das betrifft auch Pausen.

Gerade wenn ich da so schön drin stecke, muss man mich oftmals von außen erinnern, doch mal Pause zu machen. Ich selber denke dann oft, das noch und dann. Leider denke ich das nach dem nächsten Schritt auch und ganz schnell arbeite ich auf diese Weise Stunden durch, ohne es wirklich zu merken.

Das Problem dabei ist, dass es einen gewissen Punkt gibt. Den merke ich sogar. Es ist der Moment, wo mein Verstand schreit, dass ich weg will. Jetzt. Nach Hause, sofort!
Diesen Moment spüre ich deutlich, aber viel zu oft höre ich da eben nicht auf mich selber.
Das Fenster, um dann zu reagieren, ist nicht all zu groß. Vielleicht etwa 5 min.
Ignoriere ich diesen Moment, dann fange ich an zu fokussieren und dann geht es unweigerlich in eine Abwärtsspirale und überschreite den Punkt, an dem ich mich noch hätte selber in eine sichere Situation retten können. Dann bin ich nicht mehr in der Lage mir selbst zu helfen.
Ich muss einen Weg für mich finden, nur weiß ich noch nicht, wie. Denn keinem, am wenigsten mir, ist mit einem Zusammenbruch geholfen.
Auch wenn solche Pausen einen gewissen Zeitverlust bedeuten.
Das Problem ist aber meist nicht das Arbeitsumfeld. Ich schätze die Leute dort als sehr bemüht darum ein, dass es uns gut geht. Das Problem bin ich und meine eigenen Anforderungen an mich selber und das man von außen meist erst sehr spät sieht, dass etwas nicht stimmt. Meistens ist es dann bereits viel zu spät.

Das zweite Problem beim Ruheraum ist, dass ich den nicht wirklich kenne und ich weiß auch nicht, wie hellhörig der ist. Durch mein jahrelanges Anpassungsverhalten, sind mir manche Dinge einfach peinlich. Will nicht, dass andere es mitbekommen und oftmals setze ich alle Kraft die ich habe daran, dass man es nicht sieht. (Ich weiß, blöd, aber ich arbeite daran)

So geschehen am Dienstag, als ich einen Meltdown hingelegt hatte.
Im Grunde war er ein Ausdruck einer allgemeinen Überforderung. Ich hatte gleich am Anfang einen Fehler gefunden und war nicht sicher im System. Wusste nicht, wo ich was nachschauen soll und was genau die Abläufe sind.
Als Ansprechpartner wurde mir ein Kollege genannt, der aber so sehr im Thema drin war, dass ich als absoluter Neuling nicht mehr mit kam. Vielleicht hätte ich es noch gekonnt, wenn ich nicht so unter Stress gestanden hätte, da eh alles sehr neu war und ich noch angeschlagen von der U-Bahn-Fahrt am Vortag.
In solchen Momenten brauche ich absolut klare Anweisungen um einer Panik auszuweichen und die fehlten in dem Moment.
Und so brach ich irgendwann zusammen.

„Alles OK bei dir?“ fragt noch eine Kollegin und ich bedeute, dass ich jetzt am liebsten den ganzen Krempel nehmen würde und ihn zum Fenster rausschmeißen möchte. Erschrocken schaut sie mich an und bedeutet mir eine Pause zu machen. Aber es war schon zu spät.
Mit aller Kraft wehrte ich mich gegen den Impuls herumzuwüten und zu schreien.
Nochmal an der Stelle. Ich werde in solchen Fällen nie handgreiflich, außer man versucht mich festzuhalten.

Ich ballte meine Hände zu Fäusten und spannte alle Muskeln im Körper an. Zum Glück ist das Büro in dem wir sitzen recht ruhig und nicht allzu hell. Ich glaube, sonst wäre ich da rausgestürmt.
Stattdessen rutschte ich unruhig am Tisch hin und her. Schob mich ein paar mal etwas unsanft vom Tisch weg und ein- oder zweimal knallte ich mit der Faust auf den Tisch.
Immer noch alle Kraft darauf setzend, dass möglichst keiner was mitbekommt.
Übrigens sind Tränen in meinen Augen eine recht sicherer Hinweiß auf eine Überforderung, falls das meiner Kollegin ein hilfreicher Einwand an dieser Stelle ist. Leider ist das nicht immer leicht zu bemerken.

Als der Impuls zu stark wurde, rannte ich dann doch raus. Nur wohin. Auf den Ruhekaum kam ich in der Situation nicht mehr von allein. Also ging ich nach draußen. Leider standen dort auch recht viele und so flüchtete ich wieder nach drinnen.
Aber der kurze Ausflug hatte mir mit seiner Bewegung etwas an Spannung rausgenommen. Wieder im Büro gab es dann einen kurzen Moment wo ich allein war und so konnte ich dann doch ein wenig von dem rauslassen, was mich da überrollt hatte.

Diese ganze Anstrengung hatte allerdings seinen Preis. „Du siehst ja richtig Scheiße aus“ sagte die Kollegin.
Glückwunsch, du hast gerade das erste Mal einen Melt bei mir mitbekommen, dachte ich mir. Allerdings kann ich nicht sagen, wieviel sie mitbekommen hatten und da ich ja alles daran gesetzt hatte, dort nicht offen auszurasten, kann man ihnen das wirklich nicht verübeln.
Das ist danach völlig fertig bin, ja das sieht man mir dann an. Aber eben nicht das Warum.
Zumindest hatte sich zum Nachmittag dann das ein oder andere noch aufgeklärt und die nächsten Tage erlangte ich auch immer mehr Sicherheit in den Abläufen und in den Systemen. Inzwischen hat man uns auch richtige Ansprechpartner zugewiesen, so dass ich da eine Sorge weniger habe. Wobei diese ja von vornherein als Ansprechpartner galten. Ich hatte nur keine Ahnung, in welchen Fällen ich sie rufen soll.
Inzwischen war unsere JobcoachIn nochmal da um nach uns zu schauen und klärte so einiges für uns Neuen.

Momentan gefällt es mir da richtig gut. Die Kollegen sind sehr nett und es ist recht ruhig. Bleibe ich mal hängen, weiß ich wen ich fragen kann, bevor es mich nochmal in eine solche Situation wie am Dienstag bringt. Davor habe ich ein wenig Bammel.
Zum Glück finde ich mich in neuen Systemen recht schnell zurecht und so war eigentlich nur der Dienstag ein Problem.
Seit Dienstag fahre ich auch mit dem Auto. Zum einem geht es so schneller und ich weiche so der doch sehr vollen U-Bahn aus, wo ich teilweise am Montag nur zusammengekrümmt dasitzen konnte (damit mich keiner zufällig berührt) oder ich mich wissentlich mit dem Rücken zur Menge stellte, damit mein Rucksack das meiste abfedern konnte.

So freue ich mich tatsächlich schon auf die nächste Woche.
Bis dann 🙂

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

 

Nur wer sich anpasst darf dabei sein

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– Wie gemein doch diese Welt sein kann

Vor einiger Zeit habe ich hier berichtet, dass mein Großer umbedingt konfirmiert werden möchte. Ich habe ihn darin so gut ich kann unterstützt und inständig gehofft, dass ihm meine Erfahrung mit der Institution Kirche erspart bleibt. Ich hasse Verallgemeinerungen und so hatte ich, auch wenn meine Erfahrung mir anderes lehrt, doch einen winzigen Funken Hoffnung.

Ich habe mich leider nicht getäuscht. Auch die sogenannten Christen sind Menschen und darunter gibt es nunmal viele (nicht alle, aber der größere Teil), die alles was anders ist bekämpfen.

Mein Sohn wurde im Konfi-Kurs ausgelacht und ausgegrenzt. In der Konfi-Freizeit sogar gemobbt (soweit er zumindest erzählt nur da) und das hatte zur Folge, dass er bereits im Dezember jede weitere Teilnahme am Kurs verweigerte.

Der Pfarrer stellte nach einem Gespräch bei uns zu Hause die Möglichkeit in Aussicht, dass mein Sohn nur noch an den wichtigen Terminen teilnehmen muss und die zweite Freizeit, die normal eine Pflichtteilnahme darstellt um überhaupt konfirmiert zu werden, zu erlassen.
Zeitgleich fingen wir an die Pflegestufe zu beantragen, damit er vielleicht doch mit Begleitung teilnehmen kann. Zumindest im Mindestmaß.

Nun, so eine Beantragung dauert nunmal und da unser Jugendamt da jede Verantwortung von sich wies, da eine Teilhabe zu gewährleisten, müssten wir nunmal den langwierigen Weg gehen. Zugegeben, ich habe ein paar mal daran gedacht, es aber immer wieder verworfen, mich beim Pfarrer zu melden. Solange es nichts Neues gibt.
Mittlerweile Anfang März verweigert mein Sohn immer noch die Teilnahme. Wir haben oft und viel mit ihm darüber gesprochen und er will immer noch. Immer noch denkt er, dass er durch die Konfirmation in eine Gemeinschaft aufgenommen wird. Dazugehören darf, so wie er ist.
Irgendwie hat er sich das in den Kopf gesetzt, diese Idealvorstellung.
Irgendwann versuchte auch mein Exmann mit unserem Sohn zu reden und dann auch mit dem Pfarrer. Was dann wiederum zur Folge hatte, dass der Vater meiner Kinder wutentbrannt meinen Sohn vom Konfikurs abmeldete. Das erfuhr ich dann mal so nebenbei heute Abend.

Wir hatten zwar darüber gesprochen, dass er unser Kind da nicht mehr hinschicken will und der Pfarrer wieder seine alte Leier abgespult hat: „Kinder sind halt ein wenig ruppig und laut und gerade unter Jugendlichen geht es eben manchmal so zu. Das gehört dazu und schult seiner Meinung nach die Sozialkompetenz.“ Aber gleich abmelden
Bei diesem Telefonat mit meinem Exmann, war auch nicht mehr die Rede von einem Entgegenkommen des Pfarrers und so wie er sprach, traf eben mein Exgatte seine Entscheidung. Irgendwie an mir vorbei, aber irgendwo auch verständlich.

Dennoch hatte ich inzwischen, nachdem genug Zeit vergangen war, meinen Sohn soweit, dass er eine Entscheidung für die Konfi traf und dafür bereit war, zumindest an den wichtigen Kurstagen zu erscheinen und das was nötig ist zuhause zu lernen.
Die Freizeit lehnt er immer noch ab, aber das Angebot des Einzelunterrichts mit dem Pfarrer nimmt er gerne an.

Ich also ohne das Wissen um die Absage durch meinen Exmann hin zum heutigen letzten Elternabend vor der Konfi.
Geradewegs zulaufend (ohne es zu wissen) auf einen sehr wütenden Pfarrer.
Ich solle endlich eine Entscheidung treffen. Dieses ewige hin und her. Ich solle begreifen, dass die Konfirmation die eigentliche Einführung in die Kirchengemeinschaft ist und die große Feier nur ein Abschluss dieser Zeit. Ja, wir dürfen den Großen auch ohne Kurs dahin bringen, einfach aus seinem Hintergrund heraus und ihn an der Feier (nur an der Feier, denn von Einzelunterricht war keine Rede mehr) teilhaben lassen. Aber zur Gemeinschaft wird er dadurch nicht gehören. In seinen Augen bringt die Konfirmation gar nichts.
Mein Sohn wäre auch ohne Konfirmation jederzeit herzlich in der Kirche willkommen, aber würde er entscheiden, würde er nein sagen.

Wie kann ein Pfarrer so reden. Es kann doch nicht „in Ordnung“ sein, dass Kinder wegen ihrer Andersartigkeit ausgelacht und ausgegrenzt werden.
Ja, die Konfizeit soll auch ein lernen sein. Weniger ein Auswendiglernen, wie er sagt, sondern ein lernen miteinander zu wachsen. Das lernen der Sozialkompetenz. Wie er sich ausdrückte.
Nur was versteht er denn unter Sozialkompetenz? Das man Mobbing ok findet und andere unterdrückt. Das es in Ordnung ist, andere auszugrenzen und auszuschließen?
Sollte ein Pfarrer nicht auch Toleranz lehren und Nächstenliebe?
Sind das nicht Werte eines guten Christen?
Im Grunde heißt das, dass nur diejenigen dazu gehören dürfen, die dem Mainstream entsprechen und der stärkere frisst die Schwächeren?

Inzwischen heulend und völlig überfordert stehe ich vor dem Pfarrer.
Kann mich nicht wehren, all die Dinge, die mir durch den Kopf gingen, kamen nicht über meine Lippen, als er sagte, ich solle jetzt entscheiden.
Denn es darf nicht die Entscheidung meines Sohnes sein. Dazu wäre er nicht in der Lage, nach Meinung des Pfarrers. Es ist ja schön, dass er konfirmiert werden will, aber

„Wenn er dazu gehören will, dann muss er auch dabei sein
Nur die Konfi-Feier reicht nicht aus. Dadurch gehöre er trotzdem nicht dazu, weil er einfach nicht da war“
, waren seine genauen Worte.

„Entweder sie kommen jetzt rein und er ist dabei oder sie gehen“ meinte er noch.

Ich bin gegangen.

Nicht weil ich eine Entscheidung getroffen hatte, sondern weil ich da nicht mehr rein konnte. Aber vermutlich wird er es als Entscheidung werten und ich darf jetzt meinen Sohn erklären, dass er nicht gewollt ist, so wie er ist.

Nur wenn er sich anpasst, hat er das Recht dabei zu sein.

Manchmal kann man diese Welt wirklich hassen.

Von Aktion Mensch, denen der Mensch eigentlich egal ist

Ich kann es einfach nicht lassen. Obwohl ich eigentlich momentan genug um die Ohren habe. Aber was raus muss, muss raus.
Ich rege mich schon den ganzen Tag über die Haltung und Vorgehensweise von Aktion Mensch auf und muss hier ein paar Gedanken dazu los werden.

Das Aktion Mensch die ganze Sache einfach auszusitzen versucht, war mir schon lange klar und die Tatsache, dass wir Autisten bei solchen Dingen äußerst hartnäckig vorgehen, scheint ihnen wiederum nicht klar gewesen zu sein. Dennoch regt mich ihre Vorgehensweise und wie sie damit umgehen extrem auf. Ich bekomme vieles derzeit nur am Rande mit, aber das was ich mitbekomme, reicht schon aus, um mich wirklich sauer zu machen.

Da lese ich Meldungen auf ihrer Seite, bei FB als auch ihrer Timeline bei Twitter, von Umfragen zu Barrierefreiheit, wo sie sich doch keinen Deut darüber geschert haben, wie es mir und Quergedachtes nach dem Treffen ging und bis heute schweigen sie sich zu unseren Statements aus.
Da lese ich Zeilen, wie wichtig ihnen die einzelnen Menschen sind und weiß gleichermaßen, dass sie weiterhin, trotz unserer Bemühen, 250 000 Euro Fördergelder an die IFA Bremen zahlen und damit AVT (ABA) unterstützen.

Und Aktion Mensch schweigt sich weiter dazu aus. Das einzige, was jedes Mal wenn das Thema ABA und der Umgang von Aktion Mensch damit aufkommt, ist ein vorgefertigter Hinweis, auf die Netiquette zu achten inklusive eines Links zur Gesprächsrunde, die sie seinerzeit auf ihren Blog veröffentlichten und wo sie stolz verkündeten, wie toll sie doch in ihrer Rolle als neutrale Vermittler, eine Plattform für ein Gespräch bieten konnten.

Nachdem ich das wiederholt lesen musste, wie gesagt jedesmal wenn irgendjemand etwas zum Thema schrieb und Aktion Mensch sich weiter ausschweigt, platzte mir sinnbildlich der Kragen.

Zum einem war für mich kein einziges Mal ein Verstoß gegen eine Netiquette zu sehen. Selbst wenn Andere die ABA Therapie als Foltertherapie bezeichnen, ist das kein beleidigender Angriff auf Aktion Mensch.
Und auch wenn wir auf den Umstand immer wieder hinweisen,was Aktion Mensch da treibt, ist es keine Unsachlichkeit. In keinem Punkt haben wir Unwahrheiten geschrieben. Lediglich Tatsachen und wie wir sie interpretieren. Das nennt man freie Meinungsäußerung und dazu haben wir alles Recht der Welt. Auch wenn sie negativ ist.
Das was Aktion Mensch da treibt, nennt man „Androhen von Zensur“ und damit machen sie sich mehr als lächerlich.

Aber nicht nur damit

Die Tatsache, dass sie jedesmal ihren Bericht zur Gesprächsrunde verlinken und zu gar nichts Stellung beziehen. Dazu teilweise angefangen haben, hintenrum DMs auf Twitter mit selbigen Verweis zu verschicken (so gelesen auf Twitter bei Quergedachtes) macht mich stinkwütend. Denn ungeachtet dessen, dass sie niemals wieder auf unsere Einwände eingegangen sind, ignorieren sie hier auch völlig unsere Seite der Geschichte und so werde ich immer wieder diese beiden Artikel dazu verlinken, sobald ich ihre Standardmeldung sehe, und ich hoffe, ihr helft mir alle dabei. Denn wenn sie schon ihren Bericht und ihre Sicht der Dinge verlinken, dann sollte auch die Sicht von Quergedachtes und mir von diesem Treffen nicht fehlen:
https://innerwelt.wordpress.com/2015/11/22/treffen-bei-aktion-mensch/
https://quergedachtes.wordpress.com/2015/12/02/werden-wir-schweigen-nein/

Was mir so richtig sauer aufstößt, ist das ständige Berufen von Aktion Mensch auf ihre angebliche Neutralität.
Aktion Mensch hat die Pflicht, sich „für“ Behinderte einzusetzen. Allein schon, weil sie sich immer darauf berufen, dass Behinderte und ihre Bedürfnisse das Anliegen der Aktion Mensch ist.

Das was ihr als Aktion Mensch aber tatsächlich tut, ist wie, wenn ein Arzt dem Lungenkrebspatienten lediglich ein Spray und die Hand drückt und vielleicht noch zu einer Schmerztherapie (natürlich abends ambulant) schickt, nur damit sie weiter arbeiten können und der Gesellschaft noch so lange ihren Dienst erweisen können, bis sie endgültig tot umfallen.

Aktion Mensch darf sich nicht auf eine angebliche Neutralität ausruhen, die allein schon dadurch nicht mehr gegeben ist, dass sie ABA mit solch hohen Summen finanzieren.

Das macht sie als Organisation, die angeblich für behinderte Menschen agiert, unglaubwürdig!

Aktion hat immer noch nicht begriffen, dass ABA/AVT keine Hilfe für Betroffene darstellt, sondern lediglich Hilfe für das Umfeld, die im Gegenteil sogar die Betroffenen, also explizit ihr eigenes Klientel, schaden!
Denn ja, um ganz bei euren Worten zu bleiben, wann gewinnt für euch denn das WIR und nicht nur für Tanja, für die tatsächlich der Mensch an erster Stelle steht.
Denn bei Aktion Mensch ist das offensichtlich nicht der Fall.

Denn mit euer Haltung schadet ihr den Autisten und gerade diejenigen unter uns, die unseren besonderen Schutz brauchen, unseren Kindern, deren Rechte ihr buchstäblich zu Boden tretet.

Kriegt das endlich mal in eure Köpfe, Aktion Mensch!

Noch abstruser wird es, wenn ihr auf eurer Seite auf die UN-BRK verweist und dabei eine Therapieform fördert, die genau gegen diese Rechte verstößt. Und ihr redet weiter von „Neutralität“ und „Inhalte einer Therapie gehen euch nichts an“.

Merkt ihr selber nicht, wie lächerlich ihr euch damit macht?

Und noch etwas, in aller Sachlichkeit, die ich aufbringen kann an dieser Stelle:
Euer immer währender Verweis an die Netiquette, etc. und Diskussionsrunde, macht das ganze nur noch schlimmer.
Euer Kommentar, dass ihr eine neutrale Plattform geboten habt und auch noch stolz darauf seid, ist wie ein Schlag mitten ins Gesicht.

Ich war dabei und, dass was ihr da geboten habt war keine neutrale Plattform, sondern der Creme dela Creme einer ABA Lobby eine Gelegenheit zu bieten, um uns Mundtot machen zu können.

Wenn ihr wirklich den Schneid hättet, dann würdet ihr dazu Stellung beziehen und eine Diskussion dazu zulassen. Und nicht mit Zensieren drohen für einen angeblichen Verstoß der Netiquette und vor allem würdet ihr euch nicht mehr hinter einer Veranstaltung verstecken, die ihr mehr als verbockt habt.

Habt ihr den gar nichts dazu zu sagen?

Aber was erwarte ich auch von einer überforderten PR-Abteilung!

Praktikum bei Auticon (zweite Woche)

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Ich kann nicht genau sagen woran das bei mir liegt. Meist kommt bei mir die Reaktion zeitversetzt. In der ersten Woche war alles genauso neu wie jetzt in der zweiten, aber erst jetzt merke ich die enorme Anspannung, die dies mit sich bringt.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in der ersten Woche zu sehr auf das Funktionieren fokussiert war. Ich hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, wie es mir damit geht. Denn meine Gedanken kreisten eher um die nächsten Schritte und Abläufe, wie ich was und wann mache und wie ich alles so hinbekomme, damit es funktioniert. Nach einer Woche haben sich die Zeiten in soweit etabliert, dass ich weiß, das es klappt. Ich weiß jetzt den optimalen Ablauf, um es morgens reibungslos verlaufen zu lassen. Mit Puffer.
Auch wenn es nach wie vor reine Denkleistung von mir erfordert und noch nichts automatisiert ist, ist hier die Anspannung gewichen. Wenn alles normal und geplant verläuft, bekomme ich es hin.
Der grobe Ablauf steht. Aufstehen, alles richten, Kinder wecken, Frühstück, Zähne putzen, anziehen und los. Das ganze natürlich mal 4. Denn bei uns leben 4 Kinder im Haus.

Gleichsam wie die Anspannung ob des morgendlichen Ablaufs wich, wurde die Anspannung an anderer Stelle präsenter. Die Zugfahrt, die doch sehr schlaucht. Es ist sehr laut da drin und oft extrem eng. Berührungen lassen sich manchmal einfach nicht vermeiden und am meisten habe ich die Menschen zu hassen gelernt, die sich noch breiter machen und gefühlt am liebsten auch noch auf mich drauf setzen würden, wenn ich schon so schön Platz mache, indem ich mich immer mehr zusammenkrümme um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
Was ist das nur für eine Eigenart mancher Leute, immer auf Tuchfühlung gehen zu müssen. So in etwa wie ein Extrakuscheln am Morgen im Zug. So kommt es einem zumindest vor. Ich warte auf den Tag, wo die Person, die neben mir einschläft, irgendwann auch den Kopf an meine Schulter lehnt. Aber lassen wir das. Grausiges Bild.

Schlimm wird es nur dann, wenn ich sichtbar wegzucke, wofür ich schon den ein oder anderen bösen Blick geerntet habe.
Aber leider kann ich dagegen nun wirklich nichts tun. Denn es ist ein Reflex von mir, den ich kaum unter Kontrolle habe.
Je nach Stresslevel, nach Person und Berührungsart schmerzen mich Berührungen und natürlich ist das für viele nicht nachvollziehbar.
Selbst wenn ich ein Schild um mich tragen würde, wo  „nicht Anfassen“ draufstünde, würden es die meisten nicht verstehen. Ich wüsste nicht, wie ich dieses Problem lösen soll.
Also sitze ich weiter sehr angespannt in der Bahn und harre der Dinge. Es ist ja nicht immer so voll und nicht immer sitzen solche Menschen neben mir. Die meisten sind tatsächlich selbst darin bedacht, Berührungen zu vermeiden. Das freut mich dann natürlich. Wobei mich ja schon die Nähe an sich unter Stress setzt. Aber ich habe nunmal kein Geld für ein erste Klasse Ticket und somit muss ich lernen damit klar zu kommen.

Bin ich erstmal in der Großstadt angekommen, gilt es den inzwischen gewohnten Weg so schnell als möglich Richtung Praktikum fortzusetzen, wo ich mich dann nach 1,5 Stunden Fahrt dem lernen für die Prüfung widme. Manchmal etwas gestört durch die Kollegen, aber das ist soweit ok. Solange alles sich im Rahmen befindet und strukturiert ist, bekomme ich das ganz gut hin.

Problematisch wird es dann, wenn sich etwas schlagartig ereignet. Oder irgendwas gesagt wird, was bei mir einen Gedankenkreisel auslöst. Normalerweise kann ich solche Dinge ganz gut kompensieren. Zumindest zunächst, außer es passiert öfter und je nach Intensität. Momentan bin ich da etwas empfindlicher.

So war es Anfang der Woche schon so, dass ich sehr schlecht schlief. Gerade mal 2-3 Stunden. Meine Gedanken kreisten sich um die Aussage, dass ich in ein Projekt soll. Ansich eine sehr gute Nachricht und genau das was ich mir erhoffe, denn darum geht es ja.
So kann ich im Praktikum Erfahrungen sammeln und wenn ich richtig einem Projekt zugeteilt werde, steht einer Festeinstellung nichts mehr im Wege.
Allerdings hatte mich der Gedanke aus dem Konzept gebracht, dass ich ja immer noch für die Prüfung lernen muss. Irgendwie hatte ich angenommen, dass ich diese möglichst schnell ablegen sollte, damit ich an Projekten richtig mitarbeiten kann. Da es einfach von Kunden oft verlangt wird, dass man dieses Zertifikat vorweisen kann.
Der Gedanke, voll an einem Projekt mitzuarbeiten schloss ja das Lernen für die Prüfung aus. Dadurch, dass ich 4 Kinder zu Hause habe, ist ein effektives Lernen zu Hause, wenn sie alle da sind, unmöglich. Das kann ich machen, wenn sie alle in der Schule oder im Kindi sind. Aber sicher nicht abends und dann erst dann, wenn sie alle im Bett sind. Das wäre allerdings erst gegen 9 der Fall und da sollte ich mich eigentlich auf den nächsten Tag vorbereiten, damit ich rechtzeitig ins Bett komme.

Denn ordentlich Schlaf ist bei mir enorm wichtig.
An Tagen, wo ich unausgeschlafen starte, sind meine Toleranzen gegenüber Reizen wesentlich geringer als so schon und mich wirft vieles viel schneller aus der Bahn. Hohe Denkleistungen, die ich aber brauche, sind da oftmals nicht mehr möglich und dadurch bin ich weniger leistungsfähig und schneller am Rande der totalen Erschöpfung.

All diese Gedanken schossen mir den Tag über durch den Kopf und als ich dann im Bett war und endlich die Entscheidung traf, mein Problem gegenüber Auticon auszusprechen, verbrachte ich die halbe Nacht damit, alle möglichen Variationen durchzuspielen, wie ich es sagen soll, ohne dass ich missverstanden werden könnte und wie möglicherweise Reaktionen ausfallen könnten.

Im Endeffekt entschied ich mich doch für die schriftliche Form und schrieb eine Email. War ich erleichtert, als meine Besorgnis sehr ernst genommen wurde und mir insofern gleich genommen werden konnte, dass von mir gar nicht erwartet wurde beides gleichzeitig hinzubekommen. Das Projekt geht vor und zuerst sollte ich mich darauf konzentrieren. Die Prüfung kann ich auch später ablegen. Sie hatten eigentlich mehr die Sorge, wie ich darauf reagieren könnte, wenn man mich einfach aus dem Lernmodus rausreißt. Daher die Vorabinformation und die subtile Fragen zu meinem Lernprozess.
An der Stelle wäre vielleicht eine klarere Benennung der Beweggründe besser gewesen. Nur so als Tipp für die Zukunft. Dann stürzt mich sowas auch nicht in ein derartiges Gedankenkarusell und für mich habe ich gelernt, solche Bedenken lieber gleich auszusprechen, insofern ich das gleich kann.

War gerade das eine Problem aufgelöst bahnte sich das nächste an. In der nächsten Nacht schlief ich wieder schlecht. Diesmal habe ich keine wirkliche Ahnung warum. Vielleicht lag es am Vollmond oder eben auch an der Tatsache, dass es eben so viel ist, was sich gerade bei mir ändert und all das gerade die Woche in mir hochkommt.
Die Tatsache, dass meine gewohnten Abläufe dahin sind. Das ich nach Hause komme und keine ruhige Minute für mich habe. Früher ins Bett muss als sonst und sich so auch wieder Gewohnheiten ändern oder die Zeit abends einfach nicht ausreicht, um ordentlich runterzufahren. Alles Dinge, an die ich mich sicher mit der Zeit gewöhnen werde, aber ich brauch für solche Dinge einfach etwas länger als andere.

So schlief ich eben diesmal nur etwa 3-4 Stunden und zusammen mit dem Vortag war das gar nicht gut. So brachte ich viele Abläufe morgens durcheinander und startete schon wie im Nebel in den Tag. Ließ sogar mein Handy im Auto liegen, was mir normalerweise nie passieren würde, denn mein Handy ist das wichtigste Hilfsmittel was ich habe. Ich schaffte es zwar noch rechtzeitig dieses zu holen, bevor der Zug losfuhr, aber der Schockmoment war schon inklusive.

Dann kam die erste Pause und ich zog mir erstmal meine Jacke an, um eine rauchen zu gehen. Merkte dann, dass ich die Zigaretten ja noch gar nicht eingesteckt hatte und die wohl noch im Rucksack sind (aus Angst sie im morgendlichen Wahn zu vergessen, stecke ich sie normal schon da rein, bevor ich die Kinder wecke). Ich also zurück, und bedeute noch den Kollegen während ich im Rucksack krame, dass ich meine Zigaretten vergessen habe.
Und halte inne.
„Ich habe sie so richtig vergessen :O“ … und rufe es laut aus.
Quittiert durch ein „oh…OH“ durch den Kollegen.

Schnell überlege ich meine Möglichkeiten. Normalerweise ist das nicht OK einfach während der Arbeitszeit einkaufen zu gehen. Wenn ich allerdings schnell mache. Ich gehe schnell die Bilder durch. Ja, da war ein Tabakladen an der Ecke. Ich sehe ihn deutlich vor mir. Eigentlich muss das in der Pause zu schaffen sein.
Als ich dann oben Bescheid sage, dass ich kurz einkaufen gehe, werde ich gebeten Zucker mitzubringen. (da gäbe es auch einen Supermarkt).
Ich wurde nervös. Ich kenne den Laden nicht und normal gehe ich nie allein in einen Laden den ich nicht kenne und schon gar nicht, wenn ich so gar kein Bild davon im Kopf habe. Tabakläden sind da das höchste der Gefühle. Aber ich hatte mich nicht getraut entsprechendes zu sagen und so machte ich mich auf den Weg in den Supermarkt.

Schon am Eingang war ich mehr als irritiert. Denn es stand sowohl Eingang als auch Ausgang darauf (es waren zwei Türen). Ich brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren, dass Ausgang verkehrt herum geschrieben stand, war mir dennoch unsicher und trat vorsichtig an die Türe. Erleichtert ging ich hinein, nachdem sie aufschwang und befand mich mitten im Laden. Schnell suchte ich den Zucker und beschloss gleich auch noch Milch mitzunehmen und nicht zu vergessen, meine Zigaretten.

Als ich an die Kasse wollte, standen da schon eine Frau und ein Mann. Ich reihte mich hinter ihnen ein, als plötzlich die Frau irgendwas davon murmelte, dass sie was aus welchen Gründen auch immer irgendwas vergessen habe und wir ruhig vorgehen sollten. Und weg war sie. Meine Sachen immer noch auf dem Arm, schaute ich ihr ratlos hinterher als just eine Frau hinter mir begann das Band zu beladen.
Nun hatte ich keine Möglichkeit mehr, meine Sachen irgendwo abzulegen und so stand ich immer noch mit meinen Sachen auf dem Arm direkt vor der Kasse, als die Kassiererin den Mann vor mir abkassierte.
Dann fing sie an routiniert weiter zu kassieren und ich rufe noch: „das ist aber nicht meins“, als sie mich anschaut und mich um Entschuldigung bat. Mir blieb dann nichts anderes übrig, als auf die Frau zu warten, die vorhin einfach weglief und so stand ich immer noch mit meinen Sachen auf dem Arm da, als auch diese abkassiert wurde. Und wieder kassiert sie routiniert die nächste ab, während sich die Frau vor mir noch ausgiebig bei mir entschuldigt.
Diesmal reagiert die Person hinter mir, die ja schon ihre Sachen auf das Band gelegt hatte, sodass ich ja meine nicht mehr hinlegen könnte.
Aber zu spät.
Die Kassiererin entschuldigt sich breit bei mir, dass ich nun auch noch diese Kundin abwarten sollte.
Das war dann der Moment an dem ich völlig überfordert meine Sachen einfach denen aufs Band schmeißen und nur noch rausrennen wollte.

Stattdessen bleib ich wie angewurzelt stehen und zum Schluss nahm mir die Kassiererin die Sachen aus der Hand. Ich bezahlte noch irgendwie. Zum Glück mit Bargeld, denn ich glaube, mit Karte hätte ich nicht mehr hinbekommen und machte mich dann schleunigst auf dem Weg zurück.

Nicht mehr in der Lage zu reagieren oder irgendwas zu sagen kam ich bei Auticon an und zeigte der Sekretärin nur die Tüte. Diese nahm erfreut zur Kenntnis, dass ich doch den Zucker geholt hätte und bot mir sofort an, das Geld dafür zurückzuzahlen. Allerdings lief ich dann einfach nach unten und reagierte nicht auf ihre Aussagen. Unten nahm sie mir erstmal den Zucker ab und bedeutete mir nochmals, dass sie oben eine Kasse hätten.
Ich machte nur eine abwehrende Haltung und verschwand im Kellerraum.
Erst etwas später konnte ich diese Situation auflösen und hoffe, sie hat es nicht negativ aufgefasst.
Aber in dem Moment hätte ich nichts sagen oder erklären können, ohne sie anzuschreien und daher war es besser, erstmal den Rückzug anzutreten. Sie kann ja nun nicht wirklich was dafür.

Anscheinend war es tatsächlich Thema, denn meine JobcoachIN wusste am nächsten Tag von welcher Situation ich redete und meinte, dass es nicht negativ aufgefasst wurde.
So wurden beide Situationen, sowohl meine Sorge mit der Prüfung als auch meine schroffe Reaktion auf die Sekretärin recht einfach aufgelöst, indem wir einfach darüber redeten. Zugegeben etwas, was mir ad hoc in der Situation oftmals schwer fällt.
Aber ich arbeite daran. Vor allem auch daran, wieder Vertrauen zu fassen, mich auch an Menschen wenden zu können, ohne, dass sie alles gleich wieder missverstehen „wollen“.

In diesem Sinne war es diese Woche eine sehr anstrengende, aber auch lehrreiche Woche. Mal wieder etwas über mich gelernt.

Sehr positiv war diese Woche übrigens die Meldung, das Auticon dabei ist, trotz geplanten Umzug, jetzt schon etwas an den Lichtverhältnissen im Keller zu ändern. Dazu wurden wir sogar befragt, wie es für uns am angenehmsten wäre.

Auch sehr gut fand ich die Tatsache, dass auf meine Ängste bezüglich der neuen Wege und neuer Situation am ersten Projekttag eingegangen wird. Am ersten Tag begleitet mich die JobcoachIn, sodass ich da ein wenig Rückhalt habe. Sie hatte sowieso ein Termin dort und so treffen wir uns unterwegs um gemeinsam dahin zu fahren. Sie half mir auch sehr, die richtigen Zugverbindungen zu suchen. Das nimmt mir viel Druck weg. Denn, dass ich ein neues Projekt beginne, ist erstmal egal. Neues Projekt ist neues Projekt. Auch wenn ich natürlich darüber nachdenke, was mich da alles erwarten wird. Was mir aber wirklich Sorgen bereitet, sind die neuen Wege, da mich sowas schnell überfordern kann.

Genauso ist meine Sorge, gleich am ersten Tag eventuell ganz allein da zu stehen, weil ich ja auch ganz neu in dem Bereich bin, unbegründet gewesen. Ich werde dort auf bereits eingearbeitete Kollegen treffen.

So harre ich dem, was nächste Woche ansteht. Vor allem auch in Hinblick darauf, dass meine Tochter Samstag wieder mal mit Fieber aufwachte und sie nun nach 2 Runden Scharlach noch eine Grippe ihr eigen nennt.
So kann es sein, das Montag alles ganz anders kommen wird, als wir es geplant hatten.

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)