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Die Woche war von viel Neuem geprägt.
Letzte Woche wurde ich ja informiert, dass ich ab März in einem Projekt bei einem Kunden eingesetzt werden soll und Montag sollte da eine kurze Einführung stattfinden.
So wurden wir vor dem geplanten Gespräch ein wenig herumgeführt, damit wir die Wege schonmal kennen. Neben den Örtlichkeiten, steuerten wir auch die Kantine an und ich beschloss gleich, diese zu meiden. So wie die meisten Kantinen, ist auch diese recht groß und hallt recht stark. Meist sehr voll (eigentlich zu fast jeder Tageszeit und damit mit einer sehr lauten Geräuschkulisse ausgestattet. Das schlimmste jedoch ist die Kühltheke. Neben dem typischen Brummen hat sie auch einen sehr unangenehmen hohen Quietschton. Ich kann nichtmal sagen, ob den andere überhaupt wahrnehmen. Aber im Grunde ist das auch egal. Es stört mich und lange halte ich es da unten nicht aus.

Was mich gefreut hatte, war das Angebot eines Ruheraums. Allerdings habe ich da so meine Zweifel, ob ich es schaffe den jemals zu nutzen.
Ich habe die Angewohnheit immer noch ein Stück weiter zu machen. Gerade wenn ich den Ehrgeiz entwickle, etwas noch fertig zu machen zu wollen oder mich gerade so schön im Arbeitsfluss befinde. Ich habe Schwierigkeiten damit aufzuhören und das betrifft auch Pausen.

Gerade wenn ich da so schön drin stecke, muss man mich oftmals von außen erinnern, doch mal Pause zu machen. Ich selber denke dann oft, das noch und dann. Leider denke ich das nach dem nächsten Schritt auch und ganz schnell arbeite ich auf diese Weise Stunden durch, ohne es wirklich zu merken.

Das Problem dabei ist, dass es einen gewissen Punkt gibt. Den merke ich sogar. Es ist der Moment, wo mein Verstand schreit, dass ich weg will. Jetzt. Nach Hause, sofort!
Diesen Moment spüre ich deutlich, aber viel zu oft höre ich da eben nicht auf mich selber.
Das Fenster, um dann zu reagieren, ist nicht all zu groß. Vielleicht etwa 5 min.
Ignoriere ich diesen Moment, dann fange ich an zu fokussieren und dann geht es unweigerlich in eine Abwärtsspirale und überschreite den Punkt, an dem ich mich noch hätte selber in eine sichere Situation retten können. Dann bin ich nicht mehr in der Lage mir selbst zu helfen.
Ich muss einen Weg für mich finden, nur weiß ich noch nicht, wie. Denn keinem, am wenigsten mir, ist mit einem Zusammenbruch geholfen.
Auch wenn solche Pausen einen gewissen Zeitverlust bedeuten.
Das Problem ist aber meist nicht das Arbeitsumfeld. Ich schätze die Leute dort als sehr bemüht darum ein, dass es uns gut geht. Das Problem bin ich und meine eigenen Anforderungen an mich selber und das man von außen meist erst sehr spät sieht, dass etwas nicht stimmt. Meistens ist es dann bereits viel zu spät.

Das zweite Problem beim Ruheraum ist, dass ich den nicht wirklich kenne und ich weiß auch nicht, wie hellhörig der ist. Durch mein jahrelanges Anpassungsverhalten, sind mir manche Dinge einfach peinlich. Will nicht, dass andere es mitbekommen und oftmals setze ich alle Kraft die ich habe daran, dass man es nicht sieht. (Ich weiß, blöd, aber ich arbeite daran)

So geschehen am Dienstag, als ich einen Meltdown hingelegt hatte.
Im Grunde war er ein Ausdruck einer allgemeinen Überforderung. Ich hatte gleich am Anfang einen Fehler gefunden und war nicht sicher im System. Wusste nicht, wo ich was nachschauen soll und was genau die Abläufe sind.
Als Ansprechpartner wurde mir ein Kollege genannt, der aber so sehr im Thema drin war, dass ich als absoluter Neuling nicht mehr mit kam. Vielleicht hätte ich es noch gekonnt, wenn ich nicht so unter Stress gestanden hätte, da eh alles sehr neu war und ich noch angeschlagen von der U-Bahn-Fahrt am Vortag.
In solchen Momenten brauche ich absolut klare Anweisungen um einer Panik auszuweichen und die fehlten in dem Moment.
Und so brach ich irgendwann zusammen.

„Alles OK bei dir?“ fragt noch eine Kollegin und ich bedeute, dass ich jetzt am liebsten den ganzen Krempel nehmen würde und ihn zum Fenster rausschmeißen möchte. Erschrocken schaut sie mich an und bedeutet mir eine Pause zu machen. Aber es war schon zu spät.
Mit aller Kraft wehrte ich mich gegen den Impuls herumzuwüten und zu schreien.
Nochmal an der Stelle. Ich werde in solchen Fällen nie handgreiflich, außer man versucht mich festzuhalten.

Ich ballte meine Hände zu Fäusten und spannte alle Muskeln im Körper an. Zum Glück ist das Büro in dem wir sitzen recht ruhig und nicht allzu hell. Ich glaube, sonst wäre ich da rausgestürmt.
Stattdessen rutschte ich unruhig am Tisch hin und her. Schob mich ein paar mal etwas unsanft vom Tisch weg und ein- oder zweimal knallte ich mit der Faust auf den Tisch.
Immer noch alle Kraft darauf setzend, dass möglichst keiner was mitbekommt.
Übrigens sind Tränen in meinen Augen eine recht sicherer Hinweiß auf eine Überforderung, falls das meiner Kollegin ein hilfreicher Einwand an dieser Stelle ist. Leider ist das nicht immer leicht zu bemerken.

Als der Impuls zu stark wurde, rannte ich dann doch raus. Nur wohin. Auf den Ruhekaum kam ich in der Situation nicht mehr von allein. Also ging ich nach draußen. Leider standen dort auch recht viele und so flüchtete ich wieder nach drinnen.
Aber der kurze Ausflug hatte mir mit seiner Bewegung etwas an Spannung rausgenommen. Wieder im Büro gab es dann einen kurzen Moment wo ich allein war und so konnte ich dann doch ein wenig von dem rauslassen, was mich da überrollt hatte.

Diese ganze Anstrengung hatte allerdings seinen Preis. „Du siehst ja richtig Scheiße aus“ sagte die Kollegin.
Glückwunsch, du hast gerade das erste Mal einen Melt bei mir mitbekommen, dachte ich mir. Allerdings kann ich nicht sagen, wieviel sie mitbekommen hatten und da ich ja alles daran gesetzt hatte, dort nicht offen auszurasten, kann man ihnen das wirklich nicht verübeln.
Das ist danach völlig fertig bin, ja das sieht man mir dann an. Aber eben nicht das Warum.
Zumindest hatte sich zum Nachmittag dann das ein oder andere noch aufgeklärt und die nächsten Tage erlangte ich auch immer mehr Sicherheit in den Abläufen und in den Systemen. Inzwischen hat man uns auch richtige Ansprechpartner zugewiesen, so dass ich da eine Sorge weniger habe. Wobei diese ja von vornherein als Ansprechpartner galten. Ich hatte nur keine Ahnung, in welchen Fällen ich sie rufen soll.
Inzwischen war unsere JobcoachIn nochmal da um nach uns zu schauen und klärte so einiges für uns Neuen.

Momentan gefällt es mir da richtig gut. Die Kollegen sind sehr nett und es ist recht ruhig. Bleibe ich mal hängen, weiß ich wen ich fragen kann, bevor es mich nochmal in eine solche Situation wie am Dienstag bringt. Davor habe ich ein wenig Bammel.
Zum Glück finde ich mich in neuen Systemen recht schnell zurecht und so war eigentlich nur der Dienstag ein Problem.
Seit Dienstag fahre ich auch mit dem Auto. Zum einem geht es so schneller und ich weiche so der doch sehr vollen U-Bahn aus, wo ich teilweise am Montag nur zusammengekrümmt dasitzen konnte (damit mich keiner zufällig berührt) oder ich mich wissentlich mit dem Rücken zur Menge stellte, damit mein Rucksack das meiste abfedern konnte.

So freue ich mich tatsächlich schon auf die nächste Woche.
Bis dann 🙂

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

 

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