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Der Anfang der Woche war anstrengend. Sehr anstrengend.
Ich hatte ein neues Testset bekommen und so meine Schwierigkeiten damit. Gut, es war eine komplexere Aufgabe als die zuvor und vieles muss noch umgangen werden. Dadurch wurde ich recht langsam, was mich zunehmend störte.
So langsam stellten sich bei mir auch meine altbekannten kommunikativen Probleme ein. Empfand mich dadurch vielleicht zu pingelig, wenn man die ein oder andere Reaktion auf Fehler betrachtet.
Wie soll ich auch entscheiden, ob derselbe Fehler an einer Stelle richtig ist und an anderer nicht. Dieselbe Begründung alles auszuhebeln scheint, obwohl es in meinen Augen den Fehler nicht besser macht. Immer mehr wurde es zum Hin und Her zwischen der Fehlerannahmestelle und mir und immer mehr verunsicherte es mich.

Letzte Woche wurde mir gesagt, dass mein sehr schneller Einstieg in das System und der Materie Eindruck hinterlassen hat. Immer schon konnte ich mit meiner sehr schnellen Auffassungsgabe begeistern. Mit meiner Fähigkeit komplizierteste Vorgänge nachzuvollziehen und Systeme rasant so zu beherrschen, dass es den Anschein hat, als hätte ich schon seit Jahren nichts anderes gemacht.
Sehr schnell begreife ich Zusammenhänge und da ich mich schon öfter mit Templates auch auf Programmierebene beschäftigt habe und so auch den Aufbau solcher Websites nachvollziehen kann, bereiten mir solche Dinge weniger Schwierigkeiten.
Dazu bin ich sehr genau. Pingelig und „zu genau“, sagten manchmal andere Arbeitgeber. Zu sehr schwarz-weiß, irgendwo.

Ich bin ein sehr logisch denkender Mensch, der stetig nach Mustern sucht und so scheine ich in vielem wahrscheinlich pingelig. Nicht immer lassen sich Begründungen so für mich nachvollziehen, dass ich sie wirklich einordnen kann. Vor allem, wenn es mal so und mal so ist. Ich suche immer das Muster. Gerade weil ich sonst verunsichert bin. Ohne die fehlt mir der Leitfaden.
An dieser Stelle bin ich sehr mit meinem Sohn zu vergleichen. Wie er, bin ich auf klare Strukturen angewiesen und sind diese für mich nicht greifbar, brauche ich Strukturhilfe.

In den Augen anderer lag ich schon sehr oft falsch mit meiner reinen Logik und da ich inzwischen begriffen habe, dass sich nicht immer alles mit reiner Logik erklären lässt, räume ich oft diese Möglichkeit mit ein.
Steht da z.B. „daneben“, dann prüfe ich jede Seite. Wer sagt denn, dass nur rechts daneben gemeint ist. Wenn dann eine von den 4 Seiten nicht geht, dann ist es so betrachtet ein Fehler.
Mitbewohner meinte, die meisten würden an der Stelle rechts daneben klicken und es als richtig betrachten. Die wenigsten würden alle Seiten überprüfen und selbst wenn, eigentlich geht es ja an 3 Seiten. Warum denkt man eigentlich so?
Nach meiner Logik benutzt nicht jeder automatisch dir rechte Seite. Ein gutes Beispiel ist der Linkshänder. Gerade, wenn er seine Maus auf der linken Seite eingerichtet hat. Hier wäre ein Linksklick daneben durchaus denkbar.
Bei meinen früheren Arbeitgebern hat das immer Probleme bereitet. Vor allem im Hinblick auf die Kommunikation. Nicht, weil ich es fachlich nicht hinbekomme.
Die wenigsten Menschen hören oder lesen gern, dass sie ein Fehler gemacht haben oder haben sich, weil eine Umsetzung an der Stelle sehr schwierig war, einfach für den leichteren Weg entschieden und sich selbst damit arrangiert.
Manche sehen dann auch nur die Arbeit vor sich, die dann zu machen ist und egal welcher Grund nun dazu verleitet, das Grundproblem selbst wird dadurch völlig aus den Augen verloren.
Und dann kommt da jemand her und stößt da genau rein. Das bin dann meist ich.

Die Reaktionen waren in der Vergangenheit nicht immer professionell. Ich bin zwar in der Softwaretesting-Branche neu, aber ich habe schon zuvor in der Qualitätssicherung gearbeitet und dann auch jahrelang in einem Bereich, der sehr klar mit Regeln und Gesetzen definiert ist und auch da war ich schon immer sehr genau in deren Umsetzung.
Zu genau, pingelig, oft zu schwarz und weiß eben.
„Sei mal flexibler“, oder „das haben wir schon immer so gemacht“. „Denk mal an den Kunden“, „sei Kundenfreundlicher“. „Nicht jede Situation lässt sich nach Schema F beurteilen.“ Alles Sätze, die ich immer wieder gehört, aber nie die Logik dahinter verstanden habe.

Ich weiß auch, dass manchmal einfach Bausteine für eine richtige Entscheidung fehlen und ich teilweise nicht wissen oder einsehen kann, wie genau sich die Entscheidung mancher zusammensetzt hat. Oftmals berücksichtigen andere irgendwelche Dinge, die schwer für mich zu greifen sind.
Ingesamt ergibt es für mich ein Wirrwarr und das spiegelt sich auch in meiner Kommunikation wieder.

So war es dann auch ein solches „Hin und Her“ die ersten 3 Tage und es dauerte meist gerade bis zum Mittag, bis alles nur noch sehr zäh und kräftezehrend lief.

Kennt ihr diesen Moment, wenn alles nur noch gedanklich wie durch Watte zu euch durchdringt. Wo es einem schon schwer fällt, die eigenen Gedanken oder gar Informationen von draußen aufzunehmen?

Zum Beispiel sollte ich bei einer Aufgabe Eingaben vornehmen, die auf dem hinterlegten Bild zu finden sind. Fassungslos starrte ich auf den Bildschirm. Wo finde ich diese Eingaben? Ich begann alles zu durchsuchen.
Das mit dem Bild hatte ich zwar gelesen, aber diese Information drang nicht mehr zu mir durch. Noch dazu, dass dort gar kein Bild war.
Völlig am Ende machte ich an der Stelle Schluss und als in am nächsten Morgen genau da anknüpfte, brauchte es nicht einmal eine große Erklärung. Plötzlich war es ganz leicht und eigentlich stand ja alles da. Nur das eben das erwähnte Bild nicht hinterlegt war. Es fehlte.
Stattdessen pflegte ich einfach meine eigene Adresse ein. Bei der weiß ich ja, dass sie valide ist. Aber diesen Umschnitt hatte ich am Vortag nicht mehr hinbekommen und begründet lag es darin, dass meine Verfassung da schon viel schlechter war.
Dieses ständige hin und her hatte sein Tribut gefordert.

Das mir in solchen Fällen eine komplette Pause gut tut weiß ich, und inzwischen habe ich auch begriffen, dass es in Ordnung ist, wenn ich mir eine solche Pause nehme.
Interessant wäre es dennoch, ob es für mich in solch einem Fall möglich wäre, stattdessen einfach was ganz anderes zu machen und dann eben danach wieder an der Stelle anzuknüpfen.
Sodass es an der Stelle nicht zu einem Totalausfall kommt.
Ich weiß jedoch nicht, ob das wirklich umsetzbar ist.

Alles zusammen, die Schwierigkeiten, die ich mit der neuen Aufgabe hatte, die Fehlentscheidungen auf Grund der Kommunikation und das ich immer mehr das Gefühl hatte, mal wieder „zu genau“ zu sein, ließ in mir die Sorge aufkeimen, dass mein sehr guter Start dadurch weggewischt wurde und dann kam noch dazu, dass der Reha-Anbieter mir so langsam Druck machte.
Zeitgleich mit Beginn des Praktikums kam die Genehmigung meines Antrags auf eine ambulanten Reha, die ich bereits letztes Jahr gestellt hatte.
Immer mehr neigte es sich zur Fristgrenze und ich war mir mehr als unsicher, ob es zum jetzigen Zeitpunkt wirklich so gut sei, dass gegenüber Auticon zu erwähnen. Daher hatte ich es so lange nichts gesagt.
Immerhin bin ich noch nichtmal eingestellt und befinde mich gerade in der Praktikumsphase.
Irgendwie hatte ich die Sorge, dass es sich Auticon nun anders überlegen könnte.

Aber ich nahm an der Stelle doch den Rat meines Mitbewohners an, und informierte Anfang der Woche meine JobcoachIn und bat um ein Gespräch.
Und was soll ich sagen, er hatte Recht. Es war richtig so. Sofort setzte sie sich dahinter und begann eine Lösung für mich zu finden und klar stand nicht in Frage, dass ich diese Reha machen soll und auch die Angst davor, dass es sich Auticon anders überlegt haben könnte, stellte sich als unbegründet heraus.
Tatsächlich war am Donnerstag unsere Ansprechpartnerin vom Kunden bei uns und lobte unsere Arbeit. Ihr gegenüber erwähnte ich meine Schwierigkeiten mit der Kommunikation und über mein Gefühl, zu langsam zu sein.

Wie sooft lag ich da wohl mit meiner Einschätzung über mich selbst völlig daneben und logisch ist man langsamer, umso komplexer das wird. Auch das Problem der Kommunikation war sofort gelöst.
Sollte es wieder zu einem Hin und Her kommen, dürfen wir gern die Fälle an unsere Ansprechpartner weiterleiten. Es ist nicht an uns, sich mit den Anbietern zu streiten. Herje war ich erleichtert.

Denn dadurch, dass ich oft verunsichert bin, wann genau denn „zu genau“ ist und ich Diskussionen dazu nicht immer gewachsen bin, kam es bei meinen ehemaligen Arbeitgebern mehr als einmal dazu, dass ich anfing mich davor zu fürchten, Fehler zu finden.
Aktuell noch nicht, aber es hätte dazu kommen können. Denn meist waren es genau diese Kommunikationsschwierigkeiten, die mir das Arbeiten trotz sehr guter Fachkentnisse in der freien Wirtschaft unmöglich machten.
Und auch Auticon bestätigte am Freitag nochmal, dass alles in Ordnung ist. Im April soll ich meine Reha antreten und es ändert sich rein gar nichts daran, dass sie mich haben wollen.

 

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

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