Mama, heute war ein schöner Tag!

Gastbeitrag von Anika Krause


Mama, heute war ein schöner Tag.

Ja, mein Schatz: Heute war ein schöner Tag.
Und ich bin sooooo stolz auf Dich.
So stolz, was Du heute alles geleistet hast.
Nachdem Du nun schon seit Wochen kurzbeschult wirst, nachdem es mit Deinem Schulbegleiter so schief gegangen ist, hatten wir gestern den Termin beim Gesundheitsamt.
Als ich die Ärztin bei der Terminvergabe darauf aufmerksam machte, dass die Uhrzeit 14.00 h für Dich einen enormen Stress bedeutet, meinte Sie, dass Sie das wüsste, aber ein anderer Termin derzeit nicht möglich wäre.
Wir haben wie immer versucht, Dir Dein Medikament so zu geben, dass Du es in die Bahn schaffst. Das war auch dann kein Problem.
Und dann, bei der Ärztin, hast Du ganz toll mitgemacht, die Fragen beantwortet, so gut Du konntest.
Du hast auf meine Bitte hin einfach den Kaugummi aus dem Mund genommen. Eine Situation, die in der Schule vor den Ferien schon wieder zu Problemen geführt hat.
Diese Verweigerungshaltung führt in der Schule immer wieder zu Problemen. Leider erkennt niemand, dass Du das meistens nicht mit Absicht machst, sondern weil Du einfach nicht anders kannst. Weil vielleicht vorher schon X Situationen waren, die Du alleine nicht bewältigen konntest. Weil Du vorher schon mit Dingen überfordert warst, ohne dass jemand gemerkt hat, wie es Dir geht und ohne, dass Du jemals gefragt wurdest, wie es Dir geht.
Der Klassenlehrer rief tatsächlich an und meinte, wir müssten auf Dich einwirken. Genau das wäre das Problem, dass Du Dich einfach weigerst etwas zu tun oder zu unterlassen. Er meinte, wir müssten auf Dich einwirken, dass Du das endlich erkennst, dass das nicht geht.
Sie haben es immer noch nicht verstanden. In drei Jahren haben Sie immer noch nicht verstanden, warum Du Dich bei manchen Sachen verweigerst.
Bei dem Gespräch beim Amtsarzt hast Du tatsächlich fast eine Stunde nebenan alleine in einem Zimmer gesessen und gelesen, während ich mich mit den Ärztinnen noch unterhalten habe. Du bist nicht rausgekommen, um zu fragen, wann wir endlich gehen. Du warst ganz ruhig. Auch das hast Du in den letzten Jahren gelernt, mein Schatz. Vor drei Jahren wäre ein solcher Termin eine Katastrophe gewesen.
Es war schon ziemlich spät, als wir endlich rauskamen. Die erste Hürde war das Treppenhaus.
Offen, über 4 Etagen und wir mussten zwei Etagen nach unten gehen. Du bist ganz ganz langsam die Treppen runter, hast meine Hand ganz fest gehalten, aber Du hast es geschafft.
Du kannst Dir nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als Du danach tatsächlich noch mit mir zum Einkaufen gehen wolltest. Und das um 16.00 h, mitten in Köln, mitten im größten Gedrängel. Ich habe Dir gesagt, dass nachher die Bahnen richtig voll sind, aber Du wolltest noch Deine Folienstifte und den Rucksack, den Du auf dem Hinweg gesehen hast. Und Du wolltest sogar noch eine neue Jacke haben, weil es für die Winterjacke jetzt viel zu warm war.
Also sind wir los.
Erstes Geschäft: Folienstifte und Rucksack gekauft. Du hast Dich diesmal tatsächlich nur auf diese Sachen konzentriert. Kurz noch geguckt, ob wir eine Jacke finden, aber da gab es nichts.
Auf Rückfrage, ob wir jetzt gehen sollen, meintest Du, dass Du doch noch eine Jacke brauchst und wir auch noch ein Eis essen wollten.
Also sind wir los.
Erstes Geschäft: Folienstifte und Rucksack gekauft. Du hast Dich diesmal tatsächlich nur auf diese Sachen konzentriert. Kurz noch geguckt, ob wir eine Jacke finden, aber da gab es nichts.
Auf Rückfrage, ob wir jetzt gehen sollen, meintest Du, dass Du doch noch eine Jacke brauchst und wir auch noch ein Eis essen wollten.
O.k. also weiter. Wir sind dann noch Eis essen gegangen, haben in allen möglichen Geschäften nach einer Jacke für Dich geguckt, waren noch in einem Outdoorgeschäft, wo Du das große Bassin zum Ausprobieren der Kajacks bewundert hast.
Und sind dann doch noch in einem Bekleidungsladen gelandet. Du hast den Laden leergekauft. Hast Modenschau gemacht. Du hast genau geguckt, dass die Sachen auch zusammen passen und warst einfach super stolz auf die Kombinationen. Und dann hast Du auch noch an Deinen Bruder gedacht und für ihn dasselbe Hemd ausgesucht. Gut, beim Kassieren warst Du etwas ungeduldig, weil die Kassiererin nicht zuerst die Teile abgerechnet und von der Diebstahlsicherung befreit hat, die du direkt anziehen wolltest.
Es war der schönste Einkauf, den wir jemals hatten.
Dann sind wir nochmal die ganze Einkaufsstraße runtergelaufen, haben bei McDonald gegessen.
Mitten im größten Berufsverkehr sind wir dann mit der Bahn zurück und noch mit dem Fahrrad nach Hause gefahren.
Zu Hause angekommen, hast Du Papa dann ganz stolz Deine ganzen Einkäufe gezeigt.
Ich dachte nur, o.k. nun ist es bestimmt mit der Ruhe vorbei. Aber selbst der Rest des Abends verlief ruhig und ohne Probleme.
Ja, mein Schatz,
Heute war ein schöner Tag und ich weiß, wir werden noch viele solche schönen Tage haben. Weil wir jeden Tag immer mehr lernen:
Voneinander,
miteinander und
übereinander.
Ich liebe Dich.

© by Anika Krause

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s