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Nun ist der fünfte Tag angebrochen und damit auch mein letzter Bericht in der Reihe „Erprobungswoche bei Auticon“ und ich will hier unter anderem versuchen ein kleines Resümee zu ziehen. Sozusagen ein gedankliches Feedback der Woche.

Zunächst aber startete ich heute viel zu früh in den Tag, denn der sollte schon eine Stunde vor der Zeit je beendet sein. Ich konnte nicht mehr schlafen ;).
Dadurch waren meine Abläufe heute Morgen etwas nach vorn verschoben, was mich zeitlich in Bredouille brachte. Zuviel Zeit ist ebenso ein Problem, wie zuwenig. Zumindest ist es bei mir so.
Denn meist gehe ich strikt nach Ablauf. Der ist zwar zeitlich abgestimmt, immer mit ein wenig Puffer für Unvorhergesehenes, aber eher an die Abfolge gebunden.
Kennt ihr diesen Moment, diese Schrecksekunde, wenn ihr den Atem scharf einzieht, weil ihr bemerkt, das ihr zu spät seid?
Der war bei mir als ich um 7:15 auf die Uhr sah und blitzschnell klar war, den Zug hast du gleich verpasst, das schaffe du nie.
Nur um dann gerade noch vor dem panischen Aufspringen festzustellen, (was bei mir momentan eher als Zeitlupenaufspringen gewertet werden könnte) das ich doch erst um 8:07 los muss.
Puh.
Also wieder ganz entspannt warten, ab jetzt immer mit dem Blick auf die Uhr, geht es dann planmäßig los zum Zug. Die Fahrt war so unproblematisch, das ich sie gar nicht mehr erwähnen brauche und so springen wir doch gleich zu Auticon nach München.
Dort starten wir pünktlich um 10 Uhr in den Tag.
Da am heutigen Tage die Abschlussgespräche geplant waren, sollten wir uns nebenher unseren Aufgaben widmen.
Da allerdings hatten wir ein kleines Problem. Wir lösten es insofern, das wir beschlossen, diese Aufgabe im Team zu bearbeiten. So hatte jeder einen etwas anderen Ansatz und wir versuchten so auf eine eventuelle Lösung zu kommen, was uns aber nicht gelang, was wir gegen Mittag etwas zerknirscht zugaben. Bevor wir in die Mittagspause entlassen wurden, bekamen wir noch die Lösung und was soll ich sagen, wir hatten es eigentlich fast. Der letzte Gedankengang wäre es gewesen.
Nichtsdestotrotz erhielten wir großes Lob vom Jobcoach. Wir hatten im Team gearbeitet und das richtig gut. Darauf käme es ihm mehr an, als das wir die richtige Lösung hätten präsentieren können.

Die Mittagspause gestalteten wir diesmal recht einfach, indem wir uns schnell was zu essen holten und es uns dann gemeinsam im Innenhof gemütlich machten. Genau das werde ich irgendwie vermissen.
Wir waren schon eine recht harmonische Gruppe, die recht schnell zusammengewachsen ist. Aber wir haben unsere Daten ausgetauscht und ich hoffe, wir verlieren und nicht ganz aus den Augen.

Nach der Mittagspause kümmerten wir uns noch um die letzten Aufgaben. Mitunter sollten wir eine Aufgabenbeschreibung für die Fotosession erstellen. Während die anderen weitere Aufgaben lösten, schrieb ich drauf los und die anderen schauten immer mal wieder mit drauf. Sie ist wirklich gut geworden. So gut, das sie ohne große Änderungen so in den Aufgabenpool übernommen werden wird 😉 *ein wenig stolz bin*

Ganz zum Schluss, bevor wir dann aus der Erprobungswoche entlassen wurden, sollte es ein Feedback aller Teilnehmer der Erprobungswoche geben und genau das will ich hier aufgreifen, um hier nochmal mein ganz persönliches Resümee zu ziehen.

Es war eine aufregende Woche, in der sehr viel Neues auf mich einstürmte. Ich fahre sonst nie Zug und ich war das erste Mal ganz allein in der großen Stadt unterwegs. Es gab anfangs Schwierigkeiten, aber ich habe es gemeistert und mit jedem Tag wurde es besser.
Auch die neue Situation, die Leute. Es gab viel für mich zu verarbeiten. Aber wir sind zusammengewachsen, haben letztendlich ein Team gebildet, etwas, was normalerweise vielen Autisten schwer fällt. So heißt es zumindest.
Nicht alle Aufgaben habe ich geschafft, aber das war im Endeffekt wohl auch gar nicht die zwingende Vorgabe. Vorrangig ging es wirklich nur um ein besseres gegenseitiges Kennenlernen und das Abtasten, wie wir in manchen Situationen reagieren.
Schön wäre es noch gewesen, wenn ein richtiger Projekttag eingeflochten gewesen wäre. Weniger um aufzuzeigen, ob wir arbeiten können. Vielmehr wäre es für mich von Interesse gewesen, wie so ein richtiger Arbeitstag bei Auticon aussehen könnte. Das hatte mir gefehlt. Dann hättet ihr, wenn man jetzt eine Bewertung von 1-10 Punkte abgeben sollte, eine sehr verdiente 10 bekommen :).

Trotzdem war es für mich insgesamt eine gelungene Woche, die sehr lehrreich, anstrengend und interessant war, mit vielen neuen Eindrücken. Zugegeben, ich bin platt und ich habe noch viel zu verarbeiten. Aber die Erfahrung möchte ich nicht missen.

Ganz zum Schluss möchte ich noch ein kleines Fazit zu Auticon ziehen.
Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe, so über die Woche hinweg.
Im Endeffekt darf man nie vergessen, das Auticon ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen ist und natürlich nicht ganz uneigennützig so bemüht, uns einen optimalen Arbeitsplatz zu bieten.
Trotz allem erwartet ein Betrieb Ergebnisse und das wir möglichst solide unsere Arbeit machen können.
Aber im Gegensatz zu vielen anderen Firmen, haben sie den Wert der Fähigkeiten, die manchen Autisten einfach eigen sind, erkannt und gleichzeitig aber auch die Notwendigkeit, etwas dafür tun zu müssen. So ist es denke ich ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das es immer ganz reibungslos laufen wird, das wäre Utopie. Allerdings ist mir jetzt auch nichts Grobes aufgefallen diese Woche. Die ein oder andere Kleinigkeit, ja, aber eigentlich auch einfach nur menschlich.

Man sollte sich dazu vielleicht eines zu Herzen nehmen. Man kann nicht immer davon ausgehen, das Neurotypische einen zur Gänze verstehen müssen. Mir geht es da ja nicht wirklich anders. Ich kann so manchen NT und ihre Reaktionen oftmals genau sowenig verstehen.
Akzeptieren reicht und das Bemühen auf beiden Seiten und eben auch die Lernbereitschaft.

Schön wäre es, wenn auch andere Branchen „überhaupt“ so weit sehen würden.
Viele Autisten haben besondere Interessen in anderen Bereichen und ich denke, das sie eben nicht nur im IT-Bereich glänzen könnten.
Aber das ist vermutlich noch sehr weit hergeholte Zukunftsmusik und in diesem Sinne schließe ich hier die Reihe.

Bis dann.

Oh, achja, fast vergessen. Ihr wollt sicher wissen, was nun bei mir im Abschlussgespräch rauskam. Nun, Auticon kann sich eine berufliche Zusammenarbeit mit mir vorstellen und begibt sich jetzt auf die Suche nach einem passenden Projekt, was sich als nicht einfach darstellen dürfte. Erst wenn ein Projekt startet, bekomme ich den Arbeitsvertrag.

„Sollten Sie da draußen also gerade eine Softwaretesterin suchen, dann denken Sie an mich.

Ihr mädel“

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 3

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

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