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Kein guter Tag. Ich habe Kopfschmerzen und meine Sinne sind wie im Nebel. Das ist schwer zu beschreiben. Es ist in solch einem Zustand schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.
Meist sind plötzliche Veränderungen oder hohe Stressmomente ein Auslöser.

Dabei fing der Tag eigentlich ganz gut an.

Ich habe tatsächlich mal gut geschlafen und keinen einzigen Gedanken (naja, das ist geflunkert, aber immerhin nahezu) an die unterbrochene Aufgabe verschwendet.
Zumindest wusste ich, dass mir rechnen liegt und dass ich logische Abläufe schnell erfasse und so war ich mir auch sicher, nahtlos wieder an der Aufgabe anknüpfen zu können.
Ich denke es liegt da an der Sicherheit, da diese Bereiche genau meine Stärken widerspiegeln.
Entgegen der Problematik, dass ich Abläufe manchmal wieder von vorn starten muss. Bilder erneut entstehen lassen muss, wenn sie mal zerfallen sind und ich sozusagen den Faden verliere, so ist das Rechnen seiner ganz eigenen Logik folgend, nicht auf solche gedanklichen Prozesse aufgebaut.
Bin ich tief genug in einem solchen Prozess drin, und verstehe grundsätzlich das System, fällt es mir leichter, auch mal zwischendrin zu beginnen.

Inzwischen fast ganz ohne Aufregung vor der Fahrt startet mein Tag wie immer mit der kurzen Autofahrt zum Park and Ride Platz, wo ich dann in den Zug nach München steige.
Heute sogar mit dem kurzen Impuls, das Navi weglassen zu können. Das ist ein sehr gutes Zeichen, denn das mache ich erst, wenn ich mir eines Weges sehr sicher bin und er zur Routine geworden ist.
Eingeschaltet habe ich es heute dann doch, zur Sicherheit. Aber ich denke, morgen werde ich es auslassen.
Ich brauche es für den Weg nicht mehr.
Entsprechend entspannt saß ich dann im Zug. Das Ticket hatte ich wie jeden Tag am Abend zuvor per Handyticket gebucht und gespeichert und da es immer funktioniert hatte, habe ich auch nicht weiter kontrolliert, ob es denn nun auch in der App verfügbar ist.

Bereits kurz nach Fahrtantritt stand die Zugbegleiterin neben mir und wollte mein Ticket sehen …

„Serverfehler“

stand da. Das Ticket wurde nicht geladen. Oh Schreck.

Der Kopf mittlerweile gefühlt auf Melonengrösse angeschwollen und geräuschmässig das Meer lauschend versuche ich immer wieder das Ticket zu laden. Dadurch, das ich mit dem Handy zusätzlich kein Netz habe, über die ganze Strecke, kann ich nichtmal die PDF in der Mail öffnen, die zumindest bestätigt hätte, das ich es gekauft habe.

„Können Sie mir nicht irgendwas zeigen“ tönt es genervt neben mir. Ich weise wiederholt auf die Anzeige: „Serverfehler“, steht da immer noch.
Sie fängt an meine Personalien zu erfragen. Ich reagiere kaum noch. Die Panik lähmt mich. Was ist, wenn sie mich jetzt rauszieht. Wieviel wird mich das kosten. Was sage ich Auticon? Komme ich zu spät?
Inzwischen sehe ich nur noch die Anzeige vor mir. Starte immer wieder das Laden des Tickets und versuche nebenher am Tablet vielleicht doch einen Funken Netz zu erwischen um wenigstens die PDF der Email laden zu können.
Nur noch schemenhaft nahm ich war, das die Zugbegleiterin immer noch auf mich einredete.
Irgendwann war sie weg, ich muss jetzt aussteigen und just in dem Moment hatte ich Netz, und die PDF wurde geladen.
Aber von der Dame war nichts mehr zu sehen.
Irgendwie kam ich dann noch in die U-Bahn, und ich kann nur froh sein, das die Wege inzwischen sicher genug waren. Ein oder zwei Tage vorher und ich hätte sonstwo landen können.
Aber geschafft.

Immer noch schwer zitternd stehe ich bei Auticon und bin froh um die halbe Stunde, bevor es losgeht.
Bis dahin hatte ich mich in soweit gefangen, dass man vermutlich nicht all zu viel bemerkt hat. Das Zittern war noch ganz leicht, die Kopfschmerzen sieht man mir eh selten an.
Zumindest hatte ich mich soweit unter Kontrolle, bis wir mit der Aufgabe beginnen sollten, denn das mit dem Schreiben gestaltete sich mit zitternden Händen sehr schwierig.
Das war dann auch der Zeitpunkt, als dem Jobcoach auffiel, das bei mir etwas nicht stimmt. Ich berichtete kurz vom Geschehenen und er bot mir zugleich die Möglichkeit an, die Aufgabe eventuell am Rückzugsort zu erledigen, was ich an der Stelle aber ablehnte. Ich hatte schon begonnen mich auf die Aufgabe zu fokussieren und meiner Erfahrung nach ist das auch meist der beste Weg, mich wieder runter zu bringen.
Tatsächlich schaffte ich es sogar die Aufgabe bis zur Gesprächsrunde fertigzustellen und siehe da, das Zittern hatte aufgehört.
Passte sogar vom Thema heute recht gut, da Stress und Stressbewältigung auf dem Plan stand.

Da ich den Rest des Tages lieber aufpassen sollte, dass ich mich nicht mehr allzusehr den Außenreizen aussetze, bleibe ich diesmal Mittags lieber im Hof und begleite die anderen nicht zum Essen holen. Nett fand ich, dass meine Mitkandidatin fragte, ob sie mir was mitbringen sollte.
Nicht eine Sekunde stellte irgendjemand in Frage wie es mir geht oder riet mir, mich zusammenzureißen. Keiner missverstand meine Ablehnung zur gemeinsamen Mittagspause oder drängte sich mir auf. Es machte ihnen auch nichts aus, dass ich anfangs recht still war und wunderten sich dann auch nicht, als ich gegen Ende der Pause wieder mit ihnen zu reden anfing.
Es ist wirklich angenehm unter Menschen, die einen verstehen und so konnte ich die Mittagszeit wirklich nutzen, um ein klein wenig die Energie wieder aufzutanken.

Für Nachmittags war diesmal ein Ausflug in den Schlosspark geplant und dort sollten wir Fotos schießen, die wir dann am nächsten Tag präsentieren sollen.
Ich fotografiere recht gern und momentan ist mir herumlaufen eh lieber als sitzen, da mein Bandscheibenvorfall gerade heute sehr schmerzt.
Dadurch, dass es mir nicht gut ging, prasselten leider die Außenreize stärker auf mich ein. Ich konnte streckenweise kaum verstehen, was die anderen sagten. Aber ein paar Bilder konnte ich machen und eins davon gefällt mit ganz besonders. Ich werde morgen fragen, ob ich es hier einstellen darf und es euch dann gegebenenfalls nachreichen.

Aber zunächst sollte es früher als sonst wieder zurückgehen Richtung Hauptbahnhof und meine Sorgen ob des Heimweges hatte der Jobcoach auch nicht vergessen. Da meine Mitkandidatin ebenfalls zum Hauptbahnhof musste, bot es sich dann allerdings an, das sie mich einfach mitnahm.
Ich habe dann zwar den früheren Zug knapp verpasst, aber ich bin heil daheim angekommen. Mit Kopfschmerzen und sehr angestrengt heute, aber um die Erfahrung reicher, in Zukunft lieber die PDF auszudrucken. Sicher ist sicher.

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in dieser Reihe:

Zu Gast bei Auticon

Erprobungswoche Auticon: Tag 1

Erprobungswoche Auticon: Tag 2

Erprobungswoche Auticon: Tag 4

Erprobungswoche Auticon: Tag 5

Ein Gespräch bei Auticon

Praktikum (erste Woche)

Praktikum (zweite Woche)

Praktikum (dritte Woche)

Praktikum (vierte Woche)

Praktikum (fünfte Woche)

Praktikum (sechste und siebte Woche)

Praktikum (achte Woche)

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