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Tut es nicht und höre es doch immer wieder. In anderen Bereichen bin ich dafür überempfindlich.
Momentan steuere ich auf eine OP zu, da sich nur herausgestellt hatte, das dieses Druckgefühl und das komische ziehen (Richtung Ohr?) selbst nach einer Wurzelbehandlung mit gefolgter Wurzelresektion immer noch da ist. Also nochmals geröntgt. Da ist eine Zyste im Unterkiefer, die nun entfernt werden sollte.
Ich war vorab 1 Jahr mit einem gebrochenem Zahn herumgelaufen. Geschmerzt hatte es nicht.
Solche Sachen passieren mir häufig. Wenn ich mal zum Arzt gehe, dann meist, weil irgendwas anders ist als sonst. Aber so richtig schmerzhaft eigentlich nicht.
Meist verspüre ich nur ein Druckgefühl bei z.B. entzündlichen Prozessen.

Noch problematischer ist es, einen Arzt dazu zu bringen einen zu untersuchen, wenn man es erstens gar nicht genau sagen kann und zweitens nicht leidend genug aussieht.

Ich habe auch oft das Problem, das ich, wenn ich dann mal beim Arzt bin, den Schmerz sozusagen vergesse oder manchmal sogar weg ist. Wenn ich dann gefragt werde, ob es irgendwo wehtut, antworte ich meist wahrheitsgemäß „nein“.
Bin ich dann zu Hause und wieder in meiner gewohnten Umgebung, dann sind die Schmerzen oder Symptome wieder da.

Oder ich benenne meist nur akute Dinge und vergesse, was drumherum noch ansteht.
Ich gehe insgesamt nicht gern zum Arzt. Allein schon den Termin auszumachen ist mir meist zuviel. Die meisten Ärzte akzeptieren keine Emails. Dann ist es oft recht stressig in den Warteräumen. Oft versuche ich sie zu vermeiden. Bleibe im Gang stehen. Aber das mögen die Arzthelferinnen nicht.

Zum Zahnarzt gehe ich nicht gern. Die Behandlungszimmer stehen voll mit diesem Neonlicht. Manche flackern. Davon bekomme ich nach kurzer Zeit extreme Kopfschmerzen. Dann scheint mein Kopf im Takt des Lichts zu pulsieren.
Ich bin mir nichtmal sicher, ob der Zahnarzt dieses Flackern wahrnimmt.
Bei einer Nachuntersuchung bin ich deswegen fast zusammengebrochen und ich war dennoch unfähig den Raum zu verlassen. Es hieß ja, ich soll da auf den Arzt warten. Als er dann kam, sah er nur das ich zusammengekrümmt dasaß, unfähig die Augen zu öffnen. Er zog mich so schnell es ging aus dem Raum. Viel mehr habe ich gar nicht mehr mitbekommen.

Außerdem zeige ich selten meine Gefühle nach außen. Man sieht mir eben das Krank sein oder die Schmerzen nicht umbedingt an. Man sieht keinen Leidensdruck. Das höre ich oft.

„Es kann ja nicht so schlimm sein“.

Manchmal muss ich wissentlich übertreiben, damit man mir glaubt. Das Problem ist, das ich manchmal noch nichtmal genau benennen kann wo der Schmerz eigentlich herkommt.

Erst seit ich mich mit Autismus beschäftige, habe ich erfahren, das es vielen Autisten so geht und ich behelfe mir nun damit, das ich wenn ich einen Schmerz oder Symptome verspüre oder etwas entdecke was nicht so sein soll, auf einen Zettel schreibe.
Das löste anfangs Gelächter bei den Ärzten aus, aber inzwischen funktioniert das ganz gut.
Meine Hausärztin und mein Zahnarzt wissen mittlerweile von meiner Diagnose. Wir haben nun ausgemacht, das ich regelmäßig vorstellig werde, um mich mal durchchecken zu lassen. Auch wenn ich keine Symptomatiken oder Schmerzen aufweise. Einfach um sicher zu gehen, das nichts übersehen wird.

Anders ist es bei Bauch, Kopf oder Rückenschmerzen. Die fühle ich überdeutlich. Die würde ich zu gerne ausblenden.
Momentan sind meine Rückenschmerzen wieder sehr stark. Ich konnte gestern kaum Auto fahren. Aufstehen wird immer beschwerlicher.
Das endet vermutlich wieder irgendwann im Krankenhaus oder geht irgendwann einfach wieder weg. Wie so oft.
Der Orthopäde ist meist etwas ungehalten, wenn ich komme. Auf die Frage, wo es denn genau wehtut, kann ich nur antworten, der ganze Rücken. Daher gehe ich meist schon gar nicht mehr hin.
Ganz zu schweigen davon, dass ich die verordneten Massagen nicht so gerne mag.

Ich habe nie herausgefunden, woran es liegt, das ich manche Schmerzen spüre und manche nicht. Einerseits tut mir oft schon die Kleidung auf der Haut weh, gehe aber mit einer Angina erst zum Arzt, wenn ich schon begonnen habe Blut zu husten.

Mein Schmerz- und Körperempfinden ist anders.

Das betrifft nicht nur Schmerzen, sondern auch wie ich mich und meinen Körper sehe. Ich mag bis heute keine Fotos von mir ansehen. Für mich ist das eine fremde Frau. Das mag vielleicht daran liegen, das ich mich ganz anders sehe. Ich sehe nur gewisse Details, weniger das ganze im Spiegel. Da ich mich auf diese ja dann auch konzentriere. Wenn ich die Haare kämme, betrachte ich eben diese etc.
Fotos wiederum betrachte ich genauer.

Allerdings ist mir schon mal was auf einer Reha passiert, was im Nachhinein betrachtet sicher lustig war. In dem Moment hatte es mir einen gehörigen Schrecken eingejagt.
Die hatte auf der Reha einen großen bodentiefen Spiegel, den ich nicht gleich als solchen registriert hatte. Ich sah dort einen Menschen, der mir bedrohlich nah aufschloss und ich war ein Moment wie gelähmt, weil ich mich fragte, was diese Person eigentlich von mir will.
Ich lief schneller, und noch während ich am überlegen war, was diese Person denn von mir wollte, endete der Spiegel und verschwunden war die Person.
Nach anfänglicher Verwirrung erkannte ich erst da, dass diese fremde Person mein Spiegelbild gewesen ist.

Auch das ich Dinge oft umstoße, ständig meine Zehen anhaue oder an Türrahmen knalle, hat denke ich mit meinem Körperempfinden zu tun.

Genauso, dass ich leichte Berührungen als schmerzhaft empfinde, starken Druck dafür recht gerne mag. Manchmal kann das sogar beruhigend wirken.

Gestern bekam ich ein Buch ausgeliehen, wo eben auch dieses veränderte Körper- und Schmerzempfinden kurz thematisiert wurde. Dort stand auch die Empfehlung, es doch mal mit einer sensomotorischen Therapie zu versuchen.
Das erinnerte mich daran, dass genau diese Therapieform auch mal meinem Sohn empfohlen wurde und im Zuge dessen, das mir der Ergotherapeut erklären wollte, wie mein Sohn empfindet, dem Therapeuten das erste Mal bei mir aufgefallen war, das ich genauso wie mein Sohn empfinde, was leichte Berührungen betrifft.
Sie sind für mich sehr unangenehm, je nach Tagesform sogar schmerzhaft.
Da stellt sich mir die Frage, ob es auch für Erwachsene eine solche Therapie gibt und ob sie wirklich was nützt.

Am Montag soll ich in der Zahnarztpraxis anrufen. Ich soll ihnen sagen, ob ich noch Schmerzen habe. Wenn ja, dann wird operiert.
Das Problem ist, die Zyste sitzt genau entlang eines Nervenstranges und an dieser Stelle operieren sie wohl nicht so gern, da es zu Nervenschäden kommen kann.

Ich habe nach wie vor ein Drückgefühl und ein Ziehen. Das hat sich nicht geändert.
Aber Schmerzen habe ich nicht.
Wenn sie mich fragt, ob ich Schmerzen habe. Was sage ich dann?
Sage ich ja, dann wird operiert, obwohl es vielleicht nicht notwendig ist.
Wenn ich Nein sage, dann operieren sie nicht und eventuell ist das ein Fehler.
Vielleicht sage ich einfach, wie es ist. Es ist unverändert.

Denn eigentlich sollte es mir ja wehtun, tut es aber nicht.

P.S.: Eine Bekannte gab mir mal einen Link zu einem Flyer. Er erklärt im Groben, wie man Autisten in Situationen beim Arzt helfen kann. Den möchte ich euch nicht vorenthalten.

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