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Heute ist Welt-Autismus-Tag und seinem Namen entsprechend wünschte ich mir gemeinsam etwas zu bewirken. Eine Stimme zu erheben. Alle zusammen.
Immerhin leben wir alle in der selben Welt. Jeder individuell mit seinen Stärken und Schwächen und doch gemeinsam.
Eine Aktion nicht nur mit Autisten. Auch mit den Medien, den Fachärzten, Therapeuten, den Eltern und all denen, die mit Autisten arbeiten.
Wir alle zusammen sollten zum Ziel haben, Autismus öffentlich begreifbar zu machen, so gut es eben geht.
Soviel zur Ideologie.

Nun, es ist bekannt, das ich nicht gerade der Teamplayer bin, aber dennoch ist mir bewusst, das gerade Minderheiten, wie Autisten nunmal sind, gemeinsam mehr bewirken können, als allein.
Jeder für sich hat Stärken und diese kann man auch individuell für ein gemeinsames Ziel nutzen. Das ist meist ein langwieriger Prozess und die einzelnen Erfolge sehen von nahem betrachtet eher wie Minierfolge aus.
Betrachtet man allerdings einen längeren Zeitraum, so sieht man, was man schon erreicht hat. Wohin uns diese vielen kleinen Schritte gebracht haben und was sie insgesamt gesehen bewirkt haben.
Man sieht aber auch, was noch zu tun ist.

Immer noch tauchen fragwürdige Behandlungsmethoden auf. Wahnwitzige Therapieansätze. Theorien, die unlogischer nicht sein könnten. All das hat meiner Meinung nach ihren Ansatz in dem Bild, das Menschen von Autismus haben.
Am Beispiel von MMS oder auch ABA wird versucht aus dem Profit zu schlagen, wo es eigentlich keinen Profit gibt. Autismus ist nicht therapierbar oder heilbar. Aber es wird den Menschen vorgegaukelt, das es doch so wäre. Es gibt genug verzweifelte Eltern, unwissende, die nur all zu gern glauben möchten.

Sie wollen uns verändern und meinen, uns damit etwas gutes zu tun.
Das diese Anpassung oftmals das eigentliche Problem ist, die von uns „erwartet“ wird, das wird nicht gesehen.
Ich werde nie so sein wie ihr, für mich seid ihr anders und komisch. All das was ihr bei mir seht, das sehe ich bei euch. Ein seltsames Verhalten, eine verkehrte Welt. Und doch versuche ich mich euch anzupassen. Zurechtzufinden. Mehr noch. Ich biete euch sogar meine Zusammenarbeit an. Reiche euch meine Hand, leihe euch meine Gedanken.
Ich kann vielleicht nicht in Gänze wie ihr sein. Nicht alles verstehen. Aber ich akzeptiere, das es so ist und ich versuche Brücken zu schlagen.

Wenn ihr doch nur genauso versuchen würdet zu verstehen und zu akzeptieren. Uns nehmen würdet, wie wir sind. Wir bestehen nicht nur aus Defiziten, haben sogar Gefühle und Empathie. Aber eben anders als ihr das kennt.
Das es geht, sehe ich immer wieder. Gerade bei den Eltern von autistischen Kindern, oder bei so manch Therapeut oder Arzt, Lehrer oder in der Art, die einen persönlichen Bezug zu Autismus haben. Aber den haben nunmal nicht alle.

Eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit wäre da ein Mittel.
Leider ist das wahre Bild des Autisten nicht spektakulär genug, so scheint es mir, und Medien berichten leider oft nur die Extreme, hat aber mit der Wirklichkeit oft nichts zu tun.

Noch dazu benutzen Medien und Politiker nach wie vor Autismus als Begriff für negative Eigenschaften, die mit Autismus an sich nichts gemein haben. Nach wie vor wird häufig ein falsches Bild von uns gezeichnet.
Manche wurden tatsächlich schon zum Umdenken bewegt. Aber es sind nur wenige. Es ist noch viel zu tun.
Die Lösung sehe ich auch hier in der Aufklärung. Nur so kann Schritt für Schritt Autismus als das erkennbar gemacht werden, was es wirklich ist.
Denn oft ist es nur Unwissenheit, Unsicherheit und der Wunsch einer von der Gesellschaft definierten Normalität, die Angst vor Andersartigkeit, die manch Eltern als auch teilweise sogar selbst Autisten dazu bewegt, zu solchen Mitteln zu greifen.

Manchmal ist es auch einfach nur die fehlende Inneneinsicht, der fehlende Blick aus einer anderen Richtung. Gerade Ärzte diskutieren teilweise Dinge, die sie gar nicht wirklich überblicken können. Nicht, wenn sie nicht über genügend Erfahrung, und durch viele Gespräche mit Autisten, eine Ahnung entwickeln können. Sie bringen dann Dinge in den Zusammenhang, die nicht zusammen gehören oder lassen andere außer acht. So hat es zum Beispiel Jahre gebraucht, bis bei den Diagnostiker die Tatsache ankam, das Autisten sehr wohl emphatisch sind, aber eben nur anders. Nicht wie jahrelang vermutet gar nicht der Empathie fähig.
Vielleicht würden irgendwann auch die Politiker begreifen, welch Bild sie da mit der Verwendung Autismus als Schimpfwort von uns zeichnen.

Aber wie es nunmal so ist.
Die große gemeinsame Aktion, die ich mir erwünscht hatte, die ist ausgeblieben. Es gibt viele kleine und sie werden vermutlich nichtmal von den Medien bemerkt.
Stattdessen gab es in den letzten Tagen und Wochen viele Streitereien. Von Aggressivität (verbal) bis zur Resignation war alles dabei. Es gab viele Ansätze zum Welt-Autismus-Tag. Beispielsweise ist Protest nicht ganz meins und ich bin eher dafür unsere positiven Eigenschaften zu zeigen und aufzuklären. Aber es dauerte meist nicht lang, bis verbitterte Stimmen laut wurden, die darauf pochten, doch lieber der Aktion wieder klare Worte zu widmen und härter vorzugehen.
Schade eigentlich.

Auch die erhoffte Zusammenarbeit mit Therapeuten oder Fachleuten in diversen Onlineportalen sind in meinen Augen gescheitert. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Zu tief sitzen wohl die Wunden bei Autisten, die vermeintlich die NTs geschlagen haben.
Da werden teilweise Neurotypische verbal angegriffen, nur weil sie nicht Autisten sind. Ich habe in letzter Zeit oft den Eindruck, als würden manche mit Macht falsch verstanden werden. Als ob ein Fehlverhalten erwartet wird. Oft werden Aussagen vorausgesetzt, die da im Nachhinein nicht zu finden sind, oder es wird vorausgesetzt, das diese es gar nicht verstehen wollen.
Aber, auch Neurotypische können lernen. Aber nur, wenn wir uns auch die Mühe geben, zu erklären. Angriff ist nicht immer die beste Lösung.
Natürlich sind manche so, und ich verstehe die Reaktionen, aber nur mal so als Tip.
Auch die NTs sind individuell und auch da gilt es wie bei uns. Kennst du einen, dann kennst du genau einen und nicht alle müssen so sein, wie wir es mittlerweile erwarten.

Andererseits fühlen sich allerdings noch manch angehende Therapeuten zu erhaben, als das sie uns als gleichberechtigt ansehen würden, anstatt nur als Hilfsbedürftige, die doch froh sein müssten, wenn man sich überhaupt mal mit uns beschäftigt.
Das macht wenig Hoffnung für die Zukunft. Ich will damit nicht sagen, das alle so sind. Aber wenn manche schon bei ihrer Ausbildung derart mit uns als Autisten umgehen, wie soll das erst werden, wenn sie praktizieren?

Selbst manche Autisten untereinander sind derart mit Streitereien beschäftigt (auch persönlicher Natur), das sie das eigentliche Ziel aus den Augen verloren haben. Irgendwie ist da derzeit der Wurm drin, wie man sprichwörtlich so sagt. Vieles spielte sich im Hintergrund ab.
Auch ich war in diversen Streitereien verwickelt, die mich sehr verunsichert hatten und auch mit der Grund für meinen drastischen Rückzug waren.

Ich persönlich habe mich entschieden an keiner der Aktionen dieses Jahr zu beteiligen. Selbst wenn ich die ein oder andere ganz gut finde.

Nichts desto trotz wünsche ich natürlich allen einen erfolgreichen Welt-Autismus-Tag!
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