Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

würde ich es nennen oder positiver Stress. Denn nicht nur negatives kann mich aus dem Gleichgewicht bringen. Nur mit dem Unterschied. Ich habe zwar die Nachwirkungen, aber ich nehme sie gern in Kauf. Freue mich darüber, dass ich es ohne größere Pannen überstanden habe und bin ein wenig stolz darauf.

Die Gesprächsrunde in Rosenheim

Ich wüsste zwar noch gern, wie es die Teilnehmer empfunden haben und ob sie die kleinen Unsicherheiten und meine Flucht am Ende bemerkt haben. Ich wüsste gern, wie sie es inhaltlich fanden und mich interessiert es in dem Zusammenhang auch, wie meine Außenwirkung dem entgegen steht, was ich meine auszusenden.

Tatsächlich war ich sehr nervös und da ich die Reaktionen an den Leuten nicht zuverlässig ablesen kann, auch sehr unsicher.
Ich fragte mich gleich zu Anfang, ob ich nun lieber aufstehen soll, oder einfach sitzen bleibe. Ich entschied mich sitzen zu bleiben, da ich so mein Modell besser vorführen kann. Mein Notnagel, den Text den ich aufgeschrieben hatte, habe ich nur ab und an gebraucht. Es gab mir aber die Sicherheit, denn ich neige dazu den Faden zu verlieren und im Notfall hätte ich den einfach nur vorgelesen.
Dann kam das Modell, welches eigentlich das Kernstück meines Vortrages darstellt, mit dem ich bildlich darstellen wollte, wieviel Kraft Autisten schon allein dafür verwenden, um Alltägliches zu meistern. Ich verwende zum einem hierfür die Löffeltherorie, die dann das Wieviel (Außenreize, Kompensation, Kraftverbrauch) darstellt.
Früher hatte ich nur die Löffeltheorie angewendet, und schon oft wollte ich sie auf Autisten umschreiben. Aber um es wirklich bildlich darzustellen, fehlte mir immer das Warum.
Dafür entstand dann mit der Zeit ein Modell, dass wie eine Treppe aufgebaut ist. Diese Treppe stellt einen Tag dar, inklusive aller Hürden. Mal große, mal kleine Stufen und Wippen, die einen ins Wanken bringen können. Sozusagen das Warum.
So lässt es sich bildlich ganz gut erklären, warum beispielsweise manches an einem Tag geht und am nächsten nicht. Wieso es nicht immer so gut ist, Autisten immer mehr Anpassung abzuverlangen. Warum die Rückzugsphasen, Stimmings aber auch Sicherheitsbereiche so wichtig sind.

Am Ende der Präsentation des Modells, fällt mir auf, dass ich das mit der Außenwirkung vergessen habe. Ach Schreck. Darauf baut sich doch mein weiterer Vortrag auf.
Ob das holpern meinerseits bemerkt wurde?

Jetzt greife ich doch vermehrt auf den Notfalltext zu. Aber er passt nicht mehr ganz, da nun der Bezug zum Modell fehlt.
Schneller als gedacht, vielleicht auch durch das vorlesen, war ich am Ende meines Vortrages. Ich habe vor Aufregung nicht mehr daran gedacht auf die Uhr zu schauen. Im Vorfeld war ich fest davon überzeugt, die Vorgabe einer halben Stunde nicht einhalten zu können. Mir wurde deswegen zwar zugesichert, dass es nicht schlimm sei und ich das so machen soll, wie es für mich am angenehmsten ist, hätte es aber dennoch gern gewusst.
Das Gefühl trügt bei solchen Dingen oft. Denn mir kam es so vor, als wäre ich tatsächlich im Rahmen gewesen.

So begann die Fragerunde

Jetzt würde es sich zeigen, ob ich mich richtig ausgedrückt hatte. Und tatsächlich. Immer wieder streiften diverse Fragen genau den Bereich meines Modells und manchmal reichte ein Hinweiß auf die Löffel oder die Treppe aus, um ein allgemeines Nicken auszulösen.
Ich war erleichtert. Ich hatte wirklich das Gefühl, sie hatten meine bildliche Darstellung verstanden. Das macht es einfacher die Dinge zu erklären, die so schwer greifbar sind, wenn man es so nicht kennt.
Die Fragerunde selber war sehr anstrengend für mich. Bei manchen Fragen hätte ich einfach gern mehr Zeit gehabt zum nachdenken und zu manchem würde ich selbst jetzt noch gerne was dazu sagen oder richtig stellen.
Ich denke, einige Fragen habe ich nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten können. Ob die Teilnehmer das auch so empfunden haben?
Andere wiederum waren ok. Und es gab tolle Denkanstöße, auch für mich.

Sehr interessant fand ich den Einwand eines Therapeuten. Zum einem, wie er eine bestimmte Situation eines Kindes auflösen würde. Ich hätte ja empfohlen, die Aufgabe aufzuteilen.
Er jedoch schlug eine unkonventionelle Methode vor, die tatsächlich sowohl für den Autisten gut zu meistern wäre, und den Lehrer zufrieden stellen dürfte. Diese Methode werde ich mir merken. Denn auch für meine Kinder sind solche stupiden Wiederholungen von immer denselben Buchstaben in Reihe sehr anstrengend. Allein schon, weil die Motorik nicht so sehr mitmacht, und zumindest ist das bei mir so, dass ich mich in solchen Fällen sehr auf das was meine Hand da macht konzentrieren muss, um die Defizite in der Motorik auszugleichen. Gerade bei Kindern lässt diese dann auch mit der fehlenden Motivation nach.
Ich verstehe aber auch die Lehrer an dieser Stelle, die eben auch die letzten Reihen noch sehen wollen. So war der Vorschlag, das Ganze nicht nebeneinander der Reihe nach abzuarbeiten, sondern einfach untereinander eine durchaus sehr gute Lösung. Auf diese Weise sind alle Reihen bedient, auch wenn zwischendurch die Kräfte nachlassen.

Auch mit dem anderen Einwand hatte er durchaus recht, nur brachte ich es in dem Moment nicht mit mir zusammen, da ich manchmal mein eigenes Empfinden brauche, um Situationen wirklich nachzuvollziehen. Das sollte mir erst gegen Ende gelingen, aber das kommt später ;).
Es ist das Gefühl, das ich sehr gut kenne und nachvollziehen kann.
Diese Wut auf mich selber, das Gefühl des Versagens, wenn man die Erwartung an sich selber „mal wieder“ nicht erfüllt hat. Und wenn es eben nur die eigene Vorgabe ist, den Abend durchzuhalten.
An dieser Stelle ist es wichtig, den Kindern (aber auch mir ;)) beizubringen, dass es ok ist, und das man dadurch auch nichts verpasst. Vielmehr nach einer Pause eher wieder am Geschehen teilnehmen kann, als sich völlig damit zu verausgaben, dabei aber nicht mit drin zu sein.
Ingesamt waren sehr viele interessante Fragen, bunt gemischt aus mehreren Bereichen. Mit etwas mehr Zeit, hätte ich vielleicht auch allen gerecht werden können.
Aber es wurde immer anstrengender für mich. Was teilweise vorher nur ein Rascheln war oder als Unruhe registriert wurde, wurde störend.
Ähnlich dem, dass mich das Licht des Stadions gegenüber immer mehr störte, auch wenn es von Anfang an da war.
Später meinte jemand, man hätte mir an diesem Punkt die Anstrengung schon angesehen. „Man sieht es an den Augen“… Ich war beeindruckt. Nicht viele sehen das.
Tatsächlich schaffe ich es noch auf dieses Licht hinzuweisen. Es passte gerade thematisch zu einer Frage. Höchstwahrscheinlich hätte ich es sonst nicht angesprochen und sofort wurden die Jalousie an dem Fenster runtergezogen.

Zum Ende hin war ich froh, auch wenn es viel Spaß gemacht hat, das es rum war. Ich packte gerade meine Sachen zusammen und wollte eine kleine Pause machen, als ich angesprochen wurde. Das Thema war wichtig und ich habe auch gern geantwortet, aber ich merkte, wie es jetzt schnell bergab ging. Ich drehte mich hilfesuchend um. Ich weiß nicht mehr, ob die Leiterin der SHG das gesehen hat, oder ob es nur als Fragestellung galt: „Pause“ sagte sie und in dem Moment fielen meine Filter. Ein Moment, den ich deutlich spüren kann. Overload.

Katrin brachte mich aus dem Raum und ich trat die Flucht an…Pause.
Und genau da war der Moment, als ich wütend auf mich selbst unten stand, dass ich den Zusammenhang zwischen dem was der Therapeut in der Fragerunde sagte und dem was ich fühlte, verstand.
Ihm das noch zu erklären, dazu hatte ich noch die Gelegenheit, als ich wieder hochkam um meine Sachen zu holen, bevor es nach Hause gehen sollte.

Eins möchte ich aber noch unbedingt erwähnen. Kurz vor meiner Abfahrt nach Hause ereignete sich etwas, dass ich extrem süß und schön als Reaktion empfand. So fragte mich eine Autistin, die ebenfalls an der Gesprächsrunde teilgenommen hatte, ob ich auch in Bildern denke. Sie war wohl gerade darüber im Gespräch mit den Eltern eines 17 jährigen Autisten.
Ich beantwortete die Frage mit „ja“ und sie hüpfte vor Freude ganz aufgeregt und rief immer wieder aus „genau wie ich“.
Als die Eltern genauer wissen wollten, wie das mit dem Bilder denken ist, erklärte ich Ihnen wie sich das bei mir darstellt und wieder hüpfte die Autistin im Hintergrund.
Ich glaube, das wird mir sehr lang in Erinnerung bleiben.
Es freut mich wirklich, jemandem solch eine Freude bereitet zu haben.

Zwar spüre ich selbst momentan noch die Nachwirkungen, aber ingesamt ist es, gerade auch durch solche Ereignisse, eine positive Anstrengung gewesen und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Advertisements