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wenn er das alles im Grunde auch alleine kann?

Mein Sohn war jahrelang ohne Schulbegleitung (SB). „Wäre“ nicht nötig und wurde von der Lehrerin massiv abgelehnt. Weil er ja „so schön ruhig“ war. Dadurch war er schwerem Mobbing ausgesetzt. Und ich rede hier nicht von leichten Jungenscherzen. Die Lehrer haben weggesehen. Mein Sohn hatte dadurch kindliche Depressionen.
Er überkompensiert, zog sich irgendwann nur in sich zurück. Dadurch war er fast ständig abwesend.
„Nur körperlich anwesend“ nannten das die Lehrer und „schade, zu ruhig, dabei hat er Potenzial“.
Durch das ständige wegdriften wurden seine Wissenslücken immer größer. Alle Kraft hat er in die Kompensation gelegt, um dazu zu gehören.
Seine Lösung, um nicht mehr ausgegrenzt und gemobbt zu werden. Er hat soviel Kraft dafür verbraucht, dass er schulisch immer mehr abstürzte.
Irgendwann reichte auch dafür die Kraft nicht mehr aus und er wurde immer ruhiger „sitzt nur seine Zeit im Klassenzimmer ab und sabbert vor sich hin“. Irgendwann hieß es, er wäre nicht so leistungsorientiert wie andere.

End von Lied. Er hätte mehr schaffen können, aber jetzt können wir schon froh sein, wenn er den Hauptschulabschluss schafft. Und das alles nur deswegen, weil er nicht so auffällig war, wie andere. Weil er so überkompensiert und oft erst zu Hause zusammenbricht. Sodass er auch schon öfter daheim die ganze Nacht geschrien hat oder tagelang nicht zur Schule konnte. Das sieht dann natürlich keiner. Aber zu uns heißt es dann, wir übermuttern.

„Aber dann brauchen viel mehr Kinder einen Schulbegleiter, wenn man nach solchen Kriterien geht“
Nicht immer wird ein Schulbegleiter benötigt, das stimmt und muss auch individuell gesehen werden, weil jeder Autist einzigartig ist. Aber wenn doch, dann wird es von mehreren Seiten geprüft und leichtfertig wird diese Entscheidung nie getroffen.
Autisten haben von Natur aus ein wesentlich höheren Stresslevel, sind häufiger Mobbing ausgesetzt, haben Kommunikationsprobleme und auch welche in der sozialen Interaktion, und das ist mit anderen Kindern nicht zu vergleichen.
Auch wenn einige Autisten vieles kompensieren, so reicht doch bei manchen dafür die Kraft auf Dauer nicht aus, sodass irgendwas auf der Strecke bleibt. Ist das der Fall, dann sollte auch hier eingegriffen werden.

Hat ein autistisches Kind nur dann Recht auf sein Recht, wenn es Gefahr für die anderen bedeutet? Oder wie soll ich das verstehen?
Per se ist ein autistisches Kind nie eine Gefahr für andere, höchstens für sich selber und wenn es doch mal so sein sollte, dann ist da etwas viel zu weit gegangen….

Ich verstehe so manche Aussagen nicht. Nein, falsch, sie enttäuschen mich sogar, zutiefst. Auch wenn in diesem Falle nichtmal mein Sohn gemeint war.
Ich kann aber die Mutter sehr gut verstehen, die sagt, dass ihr Kind sehr wohl auch mal allein in den Unterricht kann und das auch schafft, wenn die Schulbegleitung mal krank ist. Das Kind ist dann auch keine Gefahr für andere, oder hält Lehrer davon ab, die anderen Kinder zu beschulen, wie es dann manche wieder meinten.
Autisten schaffen verdammt viel.
Aber eben nicht auf Dauer.

Mein Sohn hat jetzt eine SB, eine kleinere Schule und kleinere Klasse.
Er kann viel allein, man könnte meinen, er braucht niemanden. Aber das hält er nicht lange durch, weil er eben weit über seine Grenzen geht.
Erst dadurch, und auch erst nach einer Weile, ist er dann der sabbernde Autist in der Ecke, der nicht mehr ansprechbar ist und nichts allein schafft, wie es einige wohl erwarten.
Muss es erst soweit kommen, damit er Recht auf sein Recht bekommt? Wirklich? Und wo bleibt da sein Recht auf Bildung?

„und muss das hier so öffentlich sein?“

Ja, ich poche auf das Recht auf Bildung, auf gleiches Recht für alle, auf seelische Unversehrtheit etc.

Ja, ich brülle das hinaus, wenn es sein muss und noch viel lauter, wie man hier sieht.
Auch wenn es für meinen vielleicht zu spät ist.

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