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Die Tage hatten wir uns über meine 2 Söhne unterhalten, die durchweg dieses, ich nenne es mal Spiel, betreiben. Sie knuffen sich gegenseitig, kitzeln, drücken und ringen so ein wenig miteinander. Zunächst rein aus Spaß und bis zu einem gewissen Punkt ist das auch für beide Seiten lustig. Nur dauert es meist nicht lange, bis einer der beiden genug hat und dann geht das Geschrei los.

Sie sehen beide die Grenzen nicht. Beide können den Zeitpunkt nicht abschätzen, an dem das „Spiel“ ernst wird. Wenn das Lachen so langsam zu Unmut übergeht. Selbst Geschrei wird noch als zugehörig“ zum Spiel angesehen.
Dazu kommt das Problem, das Außenstehende dazwischen geraten oder auch einbezogen werden. Gerade die Kleen, die ähnliche Probleme im Erkennen der Grenzen hat, sieht nur das gelacht wird und übernimmt das Verhalten eins zu eins, versteht dabei aber den Unterschied zwischen knuffen und richtig zuhauen nicht. Das kann ganz schön weh tun.
Wir also im Gespräch, wie wir das ganze in Zukunft am besten handhaben, wobei auch natürlich die Option im Raum stand, dieses „Spiel“ ganz zu untersagen.
Denn wie soll man eine Grenze setzen, wenn sie diese gar nicht erkennen. Schon gar nicht, wenn sie inmitten der Situation stecken.
So nach dem Motto, ganz oder gar nicht.
Das brachte mich allerdings zum Grübeln.

Ich hatte ja schon oft geschrieben, dass gerade mein Großer und ich uns sehr ähnlich sind. Vieles, was er macht, wie er reagiert oder in welchen Bahnen er denkt, ich glaube sogar, wie er lernt, haben wir gemeinsam.
Gerade dieses knuffen und kitzeln, kam und kommt mir extrem bekannt vor.
Genauso wie das Nicht-Erkennen von dem Zeitpunkt, an dem aus dem Spiel ein Ernst wird. Maßgeblich liegt es daran, das ich die feinen Nuancen, der Zeitpunkt der den Umschwung andeutet, nicht erfassen kann. Meist erst reagiere, wenn jemand schon sehr deutlich seinen Unmut zum Ausdruck bringt. Meist selbst da noch unsicher bin, ob es nun nur Spaß war oder nicht. Oft genug habe ich dann eine „Niederlage“ einstecken müssen, weil ich davon ausging, das es ernst gemeint war oder andersherum habe ich durch das falsche Einschätzen, dem anderen wirklich weh getan.

Ich erinnere mich an viele dieser Situationen. Die meisten meiner Beziehungen haben so angefangen, selbst meine Ehe. Ich war nicht anders in der Lage, körperlich Kontakt aufzunehmen. Das hat mehrere Gründe, aber ich denke 2 davon sind maßgeblich.

1. Ich bin taktil sehr empfindlich und
2. bin ich in sozialen Umgangsformen recht unsicher,

gerade dann, wenn ich die Person kaum kenne, oder in für mich unsicheren Situationen, wenn ich nicht weiß, wie ich mich sonst einem Freund oder einer Freundin nähern soll.
In jungen Jahren habe ich „diese Art“ oft angewendet. Damals wusste ich nur sehr wenig davon, wie man auf andere zugeht. Wie man Freundschaften, Beziehungen anbandelt. Ich war mir oft sehr unsicher. Irgendwie habe ich mir das, wenn auch nicht mehr so extrem, bis heute erhalten.

Warum auf diese Art?

Das herumblödeln erlaubt mir mit anderen in Kontakt zu treten, wenn ich das möchte. Es gibt mir eine gewisse Sicherheit. Wenn mir beispielsweise eine Berührung von der Person zu unangenehm ist, fällt ein Zurückschrecken nicht so auf. Außerdem packen die meisten bei dieser Art des Kontakts fester zu. Dass sie mich liebevoll umarmen und dabei streicheln, ist da die geringere Gefahr. Auf diese Weise ist mir ein vertraut werden mit der Person eher möglich. Es gibt Personen, von denen ich Berührungen ertragen kann, genauso wie es welche gibt, wo es gar nicht geht. Gerade Personen, die generell einen festen Griff haben, kommen mir da eher entgegen.
Sowas kann man beim spielerischen kämpfen super austesten.
Als junges Mädchen ist das weniger aufgefallen. Bis auf, dass meine Mutter dieses Verhalten von mir immer als extrem kindisch und wenig Damenhaft befunden hatte. Erfahrungsgemäß hatten die meisten (ob nun Junge oder Mädchen) weniger Probleme damit.
Selbst in den 20ern wurde es irgendwo noch als „wild“ angesehen.
In den 30ern fing es dann an, das es andere abschreckte.
Ich erinnere mich an eine Frau, mit der ich mich wirklich gut verstand. Sie hatte eine sehr direkte Art, mit der ich gut zurechtkam. Eher robust. Mehr so wie ich eben. Eines Tages blödelten wir ein wenig und ganz nach meiner Art, fing ich an sie zu knuffen.
Das war das Ende unserer Freundschaft. Lange habe ich mich gefragt woran es lag. Sie hatte damals nichts dazu gesagt, nicht direkt zumindest, nur das es ihr sehr weh getan hätte. Und naja „Spinnst du?“ fiel dabei auch.
Ab dem Zeitpunkt ging sie mir deutlich aus dem Weg.
Ich denke, ich habe ihr wehgetan und sie fand wohl dieses Verhalten auch nicht angebracht. Woher sollte sie auch wissen, das es meine Art der „Umarmung“ ist. Meine Art jemandem näher zu kommen. Ich konnte es damals auch nicht so benennen. Für mich war und ist es immer die normalste Sache der Welt.

Man muss dazu zur besseren Differenzierung eines bei mir wissen:
Immer lege ich die Regeln und das Wann fest. Auch bei meinen Kindern.

Ansonsten wirke ich immer sehr distanziert und eher sehr unsicher. Oft schrecke ich vor jeder Berührung zurück, außer durch meine Familie und selbst meinen Kindern gegenüber nähere ich mich von jeher eher über das herumblödeln als über das kuscheln.
Oft ist es auch tagesformabhängig und eine Zurückweisung meinerseits wirkt meist sehr schroff und von jetzt auf nachher.
Vielleicht liegt es daran, das sowenig ich bei anderen diese Nuancen erfassen kann, wann es umschwingt. So wenig ich sehen kann, wann es genug ist, wann die Grenzen überschritten. So wenig kann ich es wahrscheinlich aussenden.
Nur wenige lasse ich überhaupt so nah an mich heran. Noch seltener ist das Bedürfnis meinerseits, gerade bei Personen außerhalb meines engsten Kreises, mit jemanden körperlich in Kontakt zu treten.

Aber wenn, dann ist es irgendwo meine Art

Meine Art Kontakt aufzunehmen.
Unsicherheiten zu überspielen. Es ist meine Art jemandem zu zeigen, das ich ihn mag. So sehr, das ich einen Körperkontakt möchte. Oftmals die einzige Möglichkeit auf ein wenig Nähe und im Grunde will ich, und ich denke eben auch mein Sohn, damit nur sagen:

„Eigentlich will ich nur kuscheln“

Und vielleicht versteht man so, das ich einen anderen Weg finden muss.
Einen anderen, als ganz oder gar nicht.

Hättet ihr da Ideen?

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