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Oh, es ist schon wieder soweit.
Mehrere Veranstaltungsaufforderungen poppen bei mir auf. Diesmal gänzlich überraschend für mich.
Das hatte ich bei all den Aufregungen der letzten Wochen/Monate beinahe verdrängt.

Weltautismustag

Der Tag steht für mich für Aufklärung. Für mehr Unbefangenheit. Denn nach wie vor bin ich der Meinung, das nur eine breite Aufklärung über Autismus und was Autismus wirklich ist, helfen kann, die Öffentlichkeit „bereit“ für den Autismus zu machen. (Das ließt sich jetzt schlimmer als beabsichtigt ;)… Erklärung kommt gleich)

„Die Welt ist noch nicht bereit für den Autismus“…ist der Satz eines Schulpsychologen, der sich inzwischen tief in mein Bewusstsein eingegraben hat.
Ich kämpfe noch dagegen an, diesem Satz die folgenschwere Bedeutung anzugedeihen. Noch will ich nicht, das er wahr ist.
Aber nachdem was ich in den letzten Monaten/Jahren so gelesen habe, fällt mir dieser Kampf immer schwerer.

Dabei müsste doch gerade jetzt, da das Bewusstsein für Autismus wächst, immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält, der richtige Zeitpunkt für die Aufklärungsarbeit sein.
Die allerdings geht weitestgehend unter.
So viele arbeiten daran. Da sind die Blogschreiber, wie Quergedachtes, Autzeit, Duales Sein, Realitätsfilter, Fotobus, butterblumenland, Mela und viele mehr.
Oder Artikel, wie die in den Leidmedien von bestOfCrumbs.
Immer mehr Bücher werden dazu geschrieben, auch in Form von Comics (Fuchskind). Da sind manch Autistenzentren, die Position für Autisten beziehen. Communities für und mit Autisten. Foren, die allesamt breite Aufklärungsarbeit leisten. Jeder dabei ist wichtig. Sie alle leisten jeder auf seine Art einen Beitrag.
Und doch.
Leider sind viele wesentlich mehr damit beschäftigt Artikel „auseinanderzunehmen“. Medienberichte richtigzustellen, Filme oder Dokus, die angeblich das Bild von Autismus zeichnen.
Sie sind damit beschäftigt, das Autismus sich nicht als „Modewort“ etabliert, das gerade gerne von diversen Politikern und Medien als Synonym für schlechte Eigenschaften verwendet wird.
Zum Beispiel das Thema Darmsanierung, die angeblich Autismus heilen soll. Da bringt Arte eine uralte Doku und sofort ist es wieder überall Hauptthema und wir sind nur noch damit beschäftigt eine Gegendarstellung nach der anderen zu schreiben.
Auch das ist wichtig, da man es so nicht stehen lassen kann. Aber der Flut der Berichterstattung in diese Richtung, sie nimmt uns den Atem, die Kraft um das zu leisten was wirklich wichtig wäre.

Es geht sogar noch einen Zacken schärfer.
Denn inzwischen kämpfen wir nicht nur gegen die alten Klischees an, vonwegen Autisten können nicht sprechen u.s.w., die sich hartnäckig auch dadurch hält, das die Berichterstattung sie immer wieder aufgreift und Autisten nach wie vor als vor sich hinsabbernde, inselbegabte Savants ala Rainman zeichnen.
Sie erfinden immer mehr Klischees oder schüren ein gewisses Bild im Kopf, gerade bei den Menschen, die sonst wenig Berührungspunkte zum Autismus haben und so auf die Informationen zurückgreifen, die Medien bieten. Die eben nicht ein Buch von Autisten kaufen würden oder nach einem Blog googeln würden.
Das geht inzwischen soweit, das manch Autist Angst davor hat, das so manche tragische Tragödie sofort mit Autismus in Verbindung gebracht wird.
Selbst wenn Medien dies zunächst gar nicht aufgreifen, und das ist dabei noch nichtmal von der Hand zu weisen. Denn mehr als einmal wurde sofort Autismus geschrien, wenn irgendwelche psychischen Erkrankungen im Hintergrund vermutet wurden. Da werden selbst die Journalisten und das Umfeld zu Diagnostikern, die eben aus den Medien aufgeschnappte Eigenschaften aufgreifen.
Da können wir uns noch so sehr die Finger wund schreiben und immer wieder aufzeigen, noch so viele Beispiele anbringen, das Autismus so nicht ist.
Das wird schon nicht mehr wahrgenommen. Oder dann heisst es, wir sind gar nicht autistisch.
Das, liebe Medien, Politiker und all jene, die so freizügig mit der Diagnose Autismus und dem Wort als Synonym umgehen, das hab ihr schon geschafft?
Das Bild ist schon verankert.

Wie weit ist es da noch bis zum Klischee?

Wie weit ist es da noch bis zu der Tatsache, das man sich als Autist gar nicht mehr outen kann ohne sich gleich als gemeingefährlich für die Öffentlichkeit hinzustellen?

Noch schlimmer wird es, wenn aus den „vermeintlich“ eigenen Reihen Berichterstattungen über fehlende Validität zu lesen ist. „Spezialisten“, die bestehende Diagnosen ihrer „wertgeschätzen“ Kollegen, die ebenfalls Spezialisten sind, anzweifeln, nur weil Autist es wagt, festgefahrene Ansichten von Außen mit dem tatsächlichen Inneren zu beleuchten. Dann ist man ganz schnell gar kein richtiger Autist und sollte doch einfach am liebsten die Klappe halten.

Krass wird es dann, wenn selbst Autisten sich auf deren Seite schlagen, wohl wissend, das sie damit sich selbst mehr als unglaubwürdig hinstellen? Und wofür das ganze? Damit man da oben mitmischen kann?

„Wir sprechen für Autisten“…

Verbände wie Autismus Deutschland, deren Symposium übrigens der Grund für die Aktion „Wir sind Autismus“ war, die vermeintlich für eine breite Basis sprechen, diese aber vollkommen außer Acht lässt. Nichtmal zu Wort kommen lässt. Ein Verein, der ABA als die Therapiemethode propagiert mit der Begründung, dass dies ja von der Basis gewünscht sei und Dose, Kamp-Becker und Co eine Plattform bietet.

Oder gar Autism Speaks, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das Autismusgen zu finden um es auszurotten? Meintet ihr die?

Oder was sollte dieser Kommentar, das wir nicht Autismus wären?
Wer soll denn Autismus sein, wenn nicht wir, die Autisten?

Womit wir bei dem Hauptgrund wären, warum ich bei diesen Veranstaltungen nicht mitmachen werde.
Die besagten Aufforderungen zur Teilnahme, die bei mir seit Tagen aufpoppen.

Neben der Tatsache, dass weder die großen Berichterstattungen, noch Politiker, Verbände wie Autismus Deutschland oder Autism Speaks noch überhaupt wahrnehmen „wollen“, was wir Autisten zu berichten haben, so stößt mir gerade die Tatsache auf, das gerade die Symbole als gemeinsames Emblem oder Aktionshintergrund für den Weltaustismustag hergenommen werden, die für einen Verein steht, der uns eigentlich gar nicht haben will.
Die blauen Luftballons, die Puzzleteile und die Schleife sind Symbole die für Autism Speaks stehen und ich kann mich einfach nicht dazu durchringen, daran teilzunehmen.

Jeder für sich kann ja entscheiden, wie man sich nach außen präsentieren möchte. Das will und werde ich nicht verurteilen, da ich bei so manchen weiß, was dahinter steht und einige benutzen ähnliche Symbole, die wenig mit dem zu tun haben, was Autism Speaks verkörpert.
Aber für eine große gemeinsame Aktion, oder auch ein Zusammenschluss vieler kleiner Aktionen, sollte man nicht Symbole hernehmen, die genau gegen das stehen, was wir sind.

Was ich die Tage richtig gut fand, sind Aktionen wie die sehr klare Stellungnahme von Autismus Mittelfranken oder auch aktuell der Artikel von Leidmedien.
Daher will ich diese hier auch extra verlinken.

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