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das sind jene Tage, an denen ich spätestens zum späten Nachmittag hin im Bett liege. Eben dann, wenn die Betreuung der Kinder sichergestellt ist.
Insofern nicht irgendetwas wichtiges ansteht, aber das ist eigentlich meistens so. Zumindest insofern, das ich denke, das es überaus wichtig ist und bin ich zu diesem Zeitpunkt in diesem „Funktionieren-Film“ schaffe ich den Absprung aus eigener Kraft meistens nicht mehr.

Mehr als ein Funktionieren ist es dann auch nicht mehr und wirklich aufnahmefähig würde ich mich da auch nicht mehr nennen. Begleitet wird das ganze meist durch Kopfschmerzen und ich nenne es eine Art Nebel im Kopf. Nehme so meine Außenwelt und auch meine eigene Innerwelt nur noch schemenhaft wahr.
Laufe tatsächlich dann nur noch herum, ohne jeglichen Plan, völlig ziellos von einer Ecke zu anderen. Ähnlich einem aufgescheuchtem Huhn das vergessen hat, warum es eigentlich wegläuft. Eben rein instinktiv.
Ich weiß nur, ich muss irgendwie weiter machen. Nur habe ich nicht wirklich eine Ahnung davon, wie.
Meistens rette ich mich so halbwegs über den Tag, aber ein Optimum ist es nicht wirklich und daher sicher auch verständlich, warum ich solche Unternehmungen, die mich in solch einen Zustand bringen können, vermeide.
Vermeidungshaltung nennen das die Psychiater. Ich nenne das eine Schutzfunktion. Aber so sind eben die Ansichten verschieden, je nach Perspektive. Das stört mich nicht, solange niemand meint, ich müsse etwas gegen die Vermeidungshaltung tun, das wäre nicht gesund.
Da frage ich mich, ob dieser Zustand denn gesünder wäre, vor allem, wenn man Kinder hat.
Aber naja, ich schweife ab.

Es sind diese Tage, jene Tage, wo mir zum weinen zumute ist, ich es aber nicht kann. Meist kein gutes Zeichen, denn dann fängt die Überforderung schon an und ab da ist alles was noch dazukommt um ein vielfaches verstärkter.
Verstärkter insofern, als das ich unter normalen Umständen reagieren würde.
Leider ist das meist vorher nicht genau auszumachen. Bis zu einem gewissen Punkt scheine ich es zu packen um dann vermeintlich völlig aus dem Nichts zusammenzubrechen.
Schlimm wird es dann, wenn ich den Auslöser nicht abschalten kann.

Wie, wenn der eigentliche Auslöser eine Schulung ist, an der ich momentan teilnehmen (muss). So ist sie zwar nicht maßgeblich dafür verantwortlich, was an diesem Tag alles schief ging, aber doch vom Grundtenor her sehr wichtig.
Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon knapp 2 Wochen Schulung.
Statt irgendwann ein völliges Abschalten zuzulassen, habe ich mir immer nur ein Mindestmaß zugestanden. Gerade soviel, das ich weiter machen konnte. Einen ganzen Abend Pause oder auch ein Wochenende konnte ich mir einfach nicht leisten, wenn ich das Ziel dieser Schulung schaffen will.

Auch wenn es Momente gab, wo ich am liebsten sofort da raus gerannt wäre.
„Es ist erst halb 10 und ich kann nicht mehr *mich auf dem Klo versteckt*“, schrieb ich letzten Freitag auf Facebook.
Auch wenn ich nachmittags öfter ins Bett geschickt wurde, was zugegeben nötig war, auch wenn ich es in dem Moment nicht mehr erkannt hätte, dennoch habe ich mir irgendwie über die Tage retten können. Es war anstrengend und etliche Male brenzlig, aber ich bin hier eben auch nicht ganz allein. Ich kann mich dann, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, nachmittags kurz hinlegen um das schlimmste zu verhindern. Gerade soviel, das ich abends weiterlernen kann. Wieder aufnahmefähig bin. Ob ich das allerdings 3 Monate durchhalte, wird sich noch zeigen. Dass es in der Schulung sehr laut ist, das werde ich kaum ändern können. Aber vielleicht finde ich noch einen Weg, das ganze für mich erträglicher zu machen.

Denn es ist nicht gut, das ich so nicht voll und ganz für alle da sein kann. Ich habe auch noch andere Verpflichtungen und wenn ich die ganze Kraft (alle Löffel) schon am Vormittag verbrauche, dann brauche ich mich eigentlich über einen solchen Tag nicht wundern.

Einen Tag wie diesen, an dem man schon völlig ausgelaugt von einer Schulung kommt, die schon länger geht und mir alles abverlangt. Wo es nicht lange dauert, das jenes Getippe um mich herum bald wirkt, als würden die anderen versuchen durch ihre Tische hindurch die Tasten zu treffen. Wo der ganze Raum von Geschnatter erfüllt zu sein scheint und die Mädels vermeintlich in Parfüm gebadet haben. Und ich irgendwie versuche all diese Geräusche, neben dem von den Zügen, die direkt am Gebäude vorbeifahren, zu ignorieren und mich auf das zu konzentrieren, was vor mir liegt. Das Buch, der Lernstoff, weswegen ich eigentlich gekommen bin.

Dieser Moment, wenn man nach Hause kommt, in die vermeintliche Sicherheit, nicht mehr fähig irgendwelche Filter aufrechtzuerhalten, wohl wissend, das ich nur eine halbe Stunde Ruhe habe, bevor die Kinder nach Hause kommen.
Und dann klingelt es an der Tür. Gut, ich wusste ja, das jemand kommt, und ich habe sie wie bereits bei Mitbewohner angekündigt nicht hereingelassen. Das hätte ich einfach nicht verpackt. Auch wenn sie etwas irritiert deswegen gewesen sein mag, aber das war mir in dem Moment egal. Ihr wisst ja, Schutzfunktion, nicht Vermeidungshaltung…

Dieser Augenblick, wenn man denkt, puh das habe ich hinter mir und es wiederholt klingelt, diesmal unerwartet. Sofort kommt der Gedanke auf, das ich die Frau eventuell zu sehr irritiert habe und sie nochmals an der Tür steht um es zu klären…was zu klären?
War aber nur die Post, zum Glück und schnell abgehandelt.
Sich freuend auf seine nicht mehr ganz halben Stunde mit meinem SI und meinem Kaffee. Das brauche ich jetzt und mache erstmal meine Emails auf, was ich im Nachhinein betrachtet besser hätte lassen sollen. Aber so ist das mit meinen Abläufen. Sie müssen sein.

Emails, die normalerweise für mich nur ein Ärgernis bedeutet hätten. Unter normalen Umständen.
Sich dann darüber Gedanken machend, wie es denn sein kann, das mein Sohn heute nicht in der Schule war. Hat er geschwänzt? Nur um viel später zu erkennen, das ich das geschriebene nur „mal wieder“ missverstanden hatte.

Noch in Gedanken, meine Tochter vom Kindergarten abholend und mittlerweile wegen eines Blutabnahmetermins am Abend nüchtern, schleppe ich mich zum Haus zurück, wo mich die Nachricht erreicht, das ich doch „sofort“ in der Praxis zurückrufen soll. Sonst keine Begründung, kein Hinweis.
Mal ganz davon abgesehen, das ich Schwierigkeiten beim Telefonieren habe, vor allem an solchen Tagen, setzte dieses „Sofort“ auch sofort eine Batterie an Gedanken frei.
Ein sogenanntes Gedankenkarussell wie ich es nenne. Warum? Das ist ganz einfach. Weil dann meine Gedanken so sehr um mich herum kreisen, dieselben Fragen immer wieder an mir vorbeischießen und ich die Antworten dazu doch nicht zu fassen bekomme.
Mein sonst so analytischer Verstand sogar eher hinderlich ist, denn ich bekomme all die Gedanken dazu nicht geordnet und es sind sehr viele, die ich mir in solchen Momenten mache.
„Warum soll ich da anrufen“…“platzt der Termin“…“muss ich noch nüchtern bleiben“…“was ist, wenn ich später bei denen in der Praxis stehe und sie mich wieder unverrichteter Dinge nach Hause schicken“…“wann sollen wir dann diesen Termin machen“…“denke ich daran gleich einen Termin zu machen, damit ich nicht telefonieren muss“……..

Noch in Gedanken lege ich den Benachrichtungsschein weg, der mir sagt, das ich mein Paket in einem mir wildfremden Laden abholen kann.

Zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissend, das mein Notnagel, mich notfalls für eine Stunde hinlegen zu können, sobald Mitbewohner da ist, nicht funktionieren würde.

Denn an diesem Tag kamen noch weitere Faktoren hinzu…neben den Emails, plötzliche Telefonate … so ein „rufen sie mal schnell zurück“ hatte bei mir schon in der Vergangenheit dazu geführt, das ich mich erstmal ganz spontan übergeben hatte, denn damals bestand eben nicht die Möglichkeit, das Mitbewohner dann doch schnell da anrufen kann.

Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, das ich noch zu verpeilt sein würde, das ich mir beim Essen richten (zur Zeit gibt es mittags nur kaltes Vesper, da zeitlich nicht mehr drin ist) ein kleines Stück von meiner Daumenkuppe abschneiden würde. Ganz geschweige davon, das ich wegen der ganzen Aufregung erst um halb vier in der Lage sein würde, den Kindern das Essen servieren zu können.
„als du mir um halb 3 geschrieben hattest, das du dich geschnitten hast, dachte ich mir schon, das irgendwas gehörig schiefgelaufen sein muss.“

Ich wusste da auch noch nicht, das Mitbewohner krank (gegen Abend sogar mit hohem Fieber) nach Hause kommen würde. Sich dann selber irgendwo über den restlichen Tag retten könnte und man ihm sinnbildlich zuschauen konnte, wie er mehr und mehr in sich zusammensank.

Wie hätte ich mich da auch einfach hinlegen, oder mich später zum Lernen hinsetzen können. Sicher hätte er das trotz hohem Fieber auch gemacht, aber wie gesagt, das hätte ich zum einem mit meinem Gewissen nicht vereinbaren können…Prüfung hin oder her (die ja am nächsten Tag anstehen würde).
Aber vor allem hätte ihm ja auch nicht mehr die Kraft ausgereicht mich aus diesem verdammten „Funktionieren-Film“ herauszuholen und von selbst komme ich da nicht darauf.

Viel gelernt habe ich nicht mehr und das was ich gelernt hatte, hätte ich auch lassen können. Daher ging ich am nächsten Tag mit dem festen Glauben in die Schulung, das ich diese Prüfung sicher versemmeln werde.

Aber, und da bin ich ein wenig stolz darauf, ich habe sie trotz allem bestanden.

Ich hoffe nur, das mein nächster Tag vor der Prüfung in etwa 2 Wochen etwas ruhiger verlaufen würde.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, wie ein Sprichwort sagt und solche Tage braucht kein Mensch, wie ich häufig zu sagen pflege.

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