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English Version

„Mama, warum hast du die Spülmaschine nicht eingeschaltet? Jetzt ist noch alles schmutzig.“,

sagt mein Sohn und ich halte schwer an mich, nicht auszurasten. „kurze Pause“, rufe ich noch, bevor ich vom Abendbrottisch aufstehe, aus dem Zimmer stürze und die Tür krachend hinter mir zufällt.
Ich bin irgendwas zwischen wütend, geschockt und traurig. Irgendwo da, denke ich, kann man das Gefühl einordnen. Ich weiß es nicht genau.
Sowas hat mir noch gefehlt. Bei all den Selbstvorwürfen, das ich vieles hier noch nicht hinbekomme, wie ich es normal von mir kenne. Bei aller Anstrengung, die mich das immer noch kostet.
So unfähig ich mich auch fühle, so überfordert und bei all den Gedanken, die mir deswegen schon in letzter Zeit so durch den Kopf gegangen sind.

Autsch, das tat ganz schön weh.

Einerseits hat er ja irgendwo recht, habe es nicht hinbekommen, habe es schlichtweg vergessen. Irgendwo zwischen der Grundreinigung zweier Zimmer, 5 bis 7 Ladungen Wäsche und dem alltäglichen Wahnsinn, wenigstens ein gewisses Maß an Sauberkeit zu gewährleisten, während ich nebenher die Kinder beaufsichtige und dem Großen bei den Hausaufgaben unterstütze.
Ja, ich habe es vergessen.

Dennoch, das hat mich getroffen, weil ich mich heute wirklich angestrengt habe und es war nicht einfach.
Überanstrengt, wenn man meinem Kopf glauben mag, der sich momentan weniger als solcher anfühlt, sondern mehr als irgendwas zwischen Bohrhammer und Kreissäge.

Mein Großer hat eine Hausstaubmilbenallergie und schon viel zu lange habe ich sein Zimmer oben sträflich vernachlässigt. Eigentlich den ganzen Abschnitt da oben, denn normalerweise hängen bei mir bestimmte Tätigkeiten immer zusammen.
Damit ich da oben wischen kann, müssen normal erst alle Zimmer aufgeräumt und alles an Staub und Schmutz herunter gewischt sein.
In meinen Augen, rein von der Logik her, macht es sonst wenig Sinn, da sonst ja doch bloß der Schmutz von den nicht geputzten angrenzenden Räumen in den sauberen Raum getragen wird.
Erst dann kann ich die Böden fegen und dann wischen.
Auf diese Weise arbeite ich mich normalerweise von oben nach unten.
Denn sonst gerate ich in Panik, da auch von unten aus den Wohnräumen oder noch viel schlimmer, aus dem Keller, wiederum Schmutz nach oben getragen werden kann.

Genau das wird mir aber bei einem 6 Personenhaushalt mit 170qm Wohnfläche zum Verhängnis. Und genau da liegt glaube ich auch mein Hauptproblem.
Ich sehe nur noch den Berg an Arbeiten, dazu das Tagesgeschäft und erstarre wortwörtlich.
Stehe selbst nach über 6 Monaten still, bin immer noch nicht angekommen, renne planlos umher, weil ich keine Ahnung habe wo ich anfangen soll und das sogar schon beim Tagesgeschäft.
Wie oft stand ich innerlich zitternd und weinend vor der Küchentheke, um das Abendbrot zu richten. Völlig überfordert mit der Tatsache, das gerade der Trockner fertig geworden ist und ich jetzt eigentlich die Wäsche schnell zusammenlegen müsste. Vor allem aber die neue Wäsche jetzt starten sollte, damit sie nicht so spät fertig wird.
Wie oft stand ich dann noch um halb 12 unten und legte Wäsche zusammen. Todmüde und wissend, das ich morgens wieder um 5 raus muss.

Und das macht mich wütend. Wütend auf meine eigene Unfähigkeit, nicht einfach das Zimmer meines Sohnes zu putzen, wie es z.B. gerade mein Mitbewohner tut, weil sein Sohn auch allergisch auf Hausstaubmilben ist.
Wütend, weil ich soviel Tagesgeschäft habe, das ich andere wichtige Dinge liegen lassen muss, während andere das scheinbar spielend hinbekommen.
Wütend, vermeintlich auf andere, weil es ihnen soviel leichter fällt als mir, weil sie Prioritäten besser setzen können.
So wütend.

Und irgendwann erkennend, das ich doch einfach nur um Mithilfe bitten müsste. Einfach nur mal sagen müsste, das ich es nicht schaffe, oder „lass es uns gemeinsam machen“.
„Mach du heute das Abendbrot“, wäre so simpel und sicher besser, als alles und jeden anzukeifen, der mir in meinen Abläufen in die Quere kommt.
Vor allem erkennend darin, das es eben nicht machbar ist, alles auf einmal zu putzen und das man auch mal das Tagesgeschäft Tagesgeschäft sein lassen kann.

Dennoch ist erkennen nicht gleich umsetzen. Zu sehr sind meine gewohnten Abläufe immer noch verankert.
Aber zumindest habe ich das Problem jetzt erkannt.

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