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Ich weiß nicht. Ich wollte euch eigentlich von diesem komischen Phänomen erzählen, das bei mir so häufig auftritt, wenn ich krank bin.

Die letzten Tage waren anstrengend und schwierig. Nicht nur das ich verpeilter war/bin als sonst, ich nenne es mal so, es ist da noch was anderes, was schwer für mich zu greifen ist. Wenn ich allein bin, fällt es logischerweise nicht so sehr auf, aber unter anderen schon.

Es ist, als wäre ich zu sehr mit mir drin beschäftigt, sodass ich kaum auf meine Außenwelt reagieren kann. Umso kranker ich bin, umso schwerer fällt es mir.
Es ist, als ob ich nichts hören würde, obwohl ich gut hören kann. Es ist, als ob ich nicht folgen könnte. In solch einer Phase könnte man mich begriffsstutzig nennen. Eben nicht ganz geistig anwesend. „Du bist körperlich anwesend, mehr aber auch nicht. Meistens muss man mehrfach wiederholen, bis du das Gesagte überhaupt wahrnimmst und selbst dann kommt es nicht wirklich an. „, sagt mein Mitbewohner und würde viel an Reaktion erklären. Bin ich wirklich so sehr entrückt, wenn ich krank bin?
Irgendwie bin ich dann sehr bei mir, und ich mag dieses Gefühl in mir drin nicht. Es fühlt sich anders an, mal tut was weh, mal macht es komische Geräusche. Mal fühlt es sich heiß oder kalt an. Die Atmung ist vielleicht plötzlich anders, der Mund auf einmal rissig und das heißgeliebte Heissgetränk tut auf einmal weh, wenn man es an die Lippen führen möchte. Meine Sinne sind gepannt, fast dauergereizt. Nur das diesmal nicht das zu viel an Außen schuld ist, sondern das zu viel an Innen. Zumindest zunächst.
Denn so gesehen ist es dann wenig verwunderlich, das bei einem Zuviel an „Innenreizen“ die Toleranz für Außenreize wesentlich geringer ist als normal. Dann ist alles viel schneller zu laut oder zu grell und tut dann zum Unwohlsein sein übriges. Für mich sind Berührungen in solchen Situationen weit schwerer zu ertragen als sonst und die Haut schmerzt schneller und mehr als gewöhnlich.
Genau dann, wenn eigentlich vermeintlich der Wille an Zuspruch und Trost nach dem Verständnis vieler am größten sein sollte, weil es einem nicht gut geht, genau dann ist es eigentlich am wenigsten erwünscht. Schlichtweg, weil dann jede Berührung weh tut, weil jedes herausreißen aus den Gedanken immens Kraft kostet. Kraft die ich dann eigentlich für Innen brauche.
Dann kommen noch die Situationen hinzu, wo ich mir tatsächlich eine feste Umarmung, einen gewissen Zuspruch wünsche, aber eben doch nicht ertragen kann. Das wiederum ist dann sehr frustrierend.
Die Folge ist meist ein drastischer Rückzug. Eben weil das Innen und das Außen einfach viel zu viel sind.

Ich will ja eigentlich nur meine Ruhe haben. Und viele verstehen nicht, das mein Innen, mein Körper gerade die Hauptrolle spielt.
Aber nicht nur mein Körper, wenn ich ehrlich bin, auch meine Gedanken scheinen eine Hauptrolle zu spielen. „Du monologisierst mehr als sonst und lässt dich kaum auf ein wechselseitiges Gespräch ein“
Dabei liegt es vermutlich einfach nur daran, das ich auch gedanklich dann sehr mit mir beschäftigt bin. Gerade wenn man Kinder hat, muss man versuchen, dennoch zu funktionieren. Da ist jeder Schritt, jeder Handgriff eine Anstrengung und geplant. Selbst Dinge, die normalerweise automatisiert ablaufen, wenn sie es denn täten. Bei mir speziell sind meine Abläufe noch lange nicht so gefestigt, das sie solch ein Durcheinander in mir überstehen könnten.
Es kommt mir eher so vor, als würde ich jeden Schritt planen müssen um dann dennoch völlig planlos zu sein.

Lange habe ich gedacht, es läge einfach an meinem damaligen Mann, das er sich einfach irgendwie anstellt und komisch reagiert, wenn ich krank bin. Ich habe so manch Reaktion und Vorwurf nicht verstanden.
Und jetzt sehe ich, das andere genauso irritiert und komisch reagieren. Ergo muss es doch an mir liegen.
Aber wo genau sind meine Verhaltensweisen anders?

Es fällt mir schwer über dieses Thema zu schreiben, da für eine genaue Differenzierung zu neuronormaltypischen oder nichtautistischen Personen, die Innensicht allein nicht ausreicht. Die Außensicht ist dabei mindestens genauso wichtig, gerade wenn es mein Ziel ist, so manch Eltern den „verpeilten und abgerückten“ Eindruck bei ihren autistischen Kindern zu erklären.
Für mich als Erwachsene mit genug „Krankheitserfahrung“ ist es inzwischen ein wohlbekannter Zustand. Ich weiß, das er vorüber geht, auch wenn es nicht angenehm ist und ich sicher wieder Wochen brauche, bis ich in meiner gewohnten Spur bin.
Für Kinder kann es durchaus beängstigend sein, weil sich das was man eigentlich am besten kennt, sein Innerstes, komplett auf dem Kopf steht.

Zu guter Letzt wollte ich euch eigentlich noch schreiben, das es mir jetzt besser geht. Das schlimmste überstanden ist und prompt fällt gestern eine Plombe raus.
Also geht man außerplanmäßig heute zum Zahnarzt um zu erfahren, das meine Zähne einer einzigen Baustelle gleichen und der eine, der sich nun der Plombe entledigt hat, wird der Füllung wohl bald folgen.
So kommen jetzt wieder die Sorgen hinzu und nachdem ich ja erst einen Zahnarztmarathon inklusive OP hinter mir habe, wird nun wohl der Auftakt zur neuen Saison geläutet.
Das ärgert mich insbesondere deswegen, weil ich letztes Jahr recht viel durchgemacht habe, was Zahnarzt betrifft und es eigentlich im August hieß, das nun alles in Ordnung ist.

Insgesamt passiert mir das in letzter Zeit recht häufig. Da hat man mal eine Situation, über die man schreiben möchte und bevor man überhaupt dazu kommt passiert unglaublich viel Neues und dann weiß man gar nicht mehr, was man nun eigentlich schreiben soll.

Das alles wollte ich eigentlich erzählen und habe es nun doch getan, obwohl schon etliche weitere Themen passiert sind.

In diesem Sinne hoffe ich auf ein gesundes Jahr 2015 für euch. Bei mir hat es wohl nicht ganz geklappt.

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