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Die Frage stellte sich letztens, ob Autisten die Weihnachtszeit mögen.
Hm, warum nicht.

Es kommt allerdings darauf an. So wie jeder individuell für sich Weihnachten so verbringen mag, wie er es möchte…insofern das geht, warum nicht.
Nicht jeder mag Weihnachten und ist dann nicht zwingend Autist.

Ich persönlich mag die Weihnachtszeit. Sie ist für mich eine besinnliche Zeit. Zeit ist kostbar und bei den vielen Terminen, die ich rund um die Woche so habe, die einzige Jahreszeit, wo mir zumindest eine 2 wöchige Pause garantiert ist. Das ist noch nichtmal in den Sommerferien so.
Selbst wenn ich Urlaub habe, so werden dennoch sämtliche Therapien, wie z.B. Ergo oder Physio, meist durchgängig weitergeführt. Oder es müssen Sachen für die Schule nachgearbeitet werden, damit die Kinder im neuen Schuljahr auf demselben Level starten können.
So richtig Pause ist nie. Außer zur Weihnachtszeit.
Da scheinen sich alle einig.
Das genieße ich. Besinne mich auf mich selber. Oder ich habe eben auch mal die Zeit, um mich auf meine Kinder zu besinnen.

Ich mag auch überall diese kleinen Lichter, insofern sie nicht zu grell sind oder blinken, und eben das es generell recht dunkel ist. Dieses indirekte Licht ist mir wesentlich lieber, als alle Lampen der Welt.
Ich mag auch Kerzen sehr gern.
Es hat was gemütliches, vertrautes.
Auch was faszinierendes. Ich kann nicht sagen warum, aber Flammen haben mich schon immer magisch angezogen. Dann könnte ich stundenlang davor hocken und den Flammen bei ihrem Schauspiel zuschauen.

Würde man mich zu dieser Jahreszeit besuchen, fände man ein Haus vollgestopft mit Sternen. Sie hängen an den Wänden oder am Fenster.
Es ist nicht zu leugnen, das ich Sterne mag.
Ich mag es, sie zu basteln. Das beruhigt mich. Ich mache sowas gerne.
Leider ist es oft auch so, das ich nicht mehr aufhören kann sie zu basteln, wenn ich einmal damit angefangen habe.
Aber naja.

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Insgesamt mag ich Weihnachten, auch wenn es viele Veränderungen mitbringt. Aber ich habe sie ja selbst herbeigeführt. Es wäre vielleicht was anderes, wenn andere für mich schmücken würden.
Das kann ich schlecht beurteilen.
Es versetzt mich allerdings in Stress, wenn ich nicht genauso schmücken kann, wie ich es gewohnt bin. Wenn beispielsweise ein Stern fehlt. Der muss dabei sein und naja, egal wie wenig Zeit ich habe, den muss ich nachbasteln.

Ich bringe auch so manch schöne Erinnerung mit Weihnachten in Verbindung. Am stärksten ist da der Weihnachtsbaum, mit seinen ganzen Kugeln und den kleinen Lichtern.
Dieser Anblick versetzt mich heute noch in eine gewisse Zufriedenheit.
Erst mit meinen Kindern allerdings habe ich gelernt, wie schön es auch sein kann, ihre Vorfreude auf Weihnachten mitzuerleben. Wie aufgeregt sie doch sind, wenn die Bescherung ansteht.
Wie grenzenlos glücklich. Es ist fast greifbar.
Erst da habe ich gelernt, auch dem Schenken etwas abzugewinnen. Wobei ich auch heute noch selber keine Geschenke möchte.

Weihnachten kann auch Stress bedeuten

Beschenkt zu werden bedeutet, das eventuell erwartet wird, das ich auch was schenke. Ich bin mir dessen nie sicher.
Und wie soll das eigentlich gehen, wenn man plötzlich etwas bekommt, ohne es zu wissen. Wie kommen die darauf, einem was zu schenken. Stellenweise wildfremden Menschen. Einfach so?

Mir wurde das mal so beigebracht. Schenkt man dir was, dann musst du dem anderen auch was schenken. Aber wie funktioniert das, wenn man gar nicht weiß, was der andere denn erwartet.
Von welchem Betrag reden wir da.
Muss es was persönliches sein? Was mag die Person überhaupt?
Ich mag diese unpersönlichen Nonsensgeschenke gar nicht. Gerade Erwachsene scheinen sich da lieber überraschen lassen zu wollen, statt sicher zu stellen, das es auch was nützliches sein könnte.

„Überrasche mich“

Äh, warum? Soll das ein Test darüber sein, wie gut ich die Person kenne? Oder warum dieses Spielchen.
Da sind mir Kinder wesentlich lieber. Die sagen wenigstens geradeheraus, was sie wollen.
Da habe ich dann nur noch das Problem mit dem einkaufen.

Zustände, wie zum Ausverkauf kurz vor Ladenschluss

Wo wir schon beim nächsten Stressfaktor wären.
Man könnte manchmal meinen, das zur Weihnachtszeit der Ausnahmezustand ausgebrochen ist.
Wenn Einkaufen unterm Jahr schon Stress für mich bedeutet, so ist es zur Weihnachtszeit der reinste Horror.
Das geht auch meines Erachtens völlig am Grundgedanken zu Weihnachten vorbei.
Da ist nichts mehr zu sehen von Besinnlichkeit und Ruhe.

Diese künstlich betriebene Hektik und diesen, zugegeben von gewissen Firmen begünstigte Kaufwahn, der sich über die Weihnachtszeit und teilweise sogar weit voraus einstellt, das regt mich häufig derartig auf, da man fast dazu genötigt wird.
Jeder der Kinder hat oder Kinder kennt, weiß sicher, was ich meine.
Selbst wenn sich manche dazu herablassen, mal an die Hilfsbedürftigen zu denken, die sich eben nicht all den Protz leisten können, selbst daraus wird ein riesen Spektakel gemacht.
Das bringt wohl Propaganda.
Jeder der schon mal in einem gemeinnützigen Verein war, kann das sicher bestätigen. Gerade zur Weihnachtszeit sitzen die Spendengelder besonders locker.
Nicht nur das es Werbewirksam ist, es lässt sich auch noch abschreiben.
Da steckt simple Firmenstrategie dahinter. Den Vereinen tut es zugegebener Maßen gut, aber die wenigsten interessiert es wirklich, was da in den Vereinen vor sich geht.

Nicht nur, das Schenken zu Weihnachten fast schon zum Volkssport geworden zu sein scheint, zumindest in der Disziplin, wer hat denn nun das beste Geschenk, so scheint es immer mehr nur noch darum zu gehen.
Da ist es wichtig, die beste Außenbeleuchtung zu haben, den schönsten Schmuck, den größten Baum, die meisten Geschenke, das beste Essen.
Da wird schon lange nicht mehr innerhalb der engsten Familie gemeinsam gegessen und Weihnachten gefeiert… nein, da muss man von einer zur nächsten eilen und sich teilweise gleich mehrfach ein Festessen schmecken lassen, wo doch sicher eins gereicht hätte.

Wo ist da nur Gedanke zu Weihnachten geblieben?

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine besinnliche Weihnachtszeit, wie ich sie jedes Jahr wünsche.
Sicher nicht aus dem christlichen Hintergrund heraus, da ich nicht religiös bin, aber für mich bedeutet Weihnachten eben eine Zeit der Besinnung auf die Dinge, die wichtig sind im Leben.

Für mich ist es meine Familie, vor allem meine Kinder und die Zeit, etwas zur Ruhe zu kommen.

Was ist es denn für euch?

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