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Gestern stieß ich auf einen neuen Beitrag von NT trifft Aspie , den ich recht interessant fand. Weniger die Seite des Autisten als die Seite des NT. Interessant deswegen, welch Gedanken und Interpretationen in eine gewöhnliche Aussage hineingelegt werden können.

So berichtete NT trifft Aspie von einer Email eines Autisten, der Bezug auf ein vergangenes Telefongespräch nahm und dabei exakt die Zeit wiedergab, in der dieses stattgefunden hatte.
Nun, ich würde jetzt vergleichbar nicht exakt die Zeit angeben, das weniger. Wobei ich das früher auch schon gemacht habe, aber inzwischen weiß, das dies zu Irritationen führt, aber ich hatte nie verstanden, warum? Wenn ich mir nun die Gedanken von NT trifft Aspie dazu durchlese, dann wird mir einiges klarer. Allerdings macht es auch ein wenig Angst, denn auffällig war auch, um so weiter er interpretierte umso negativer wurde das Ergebnis.

„…Nicht nur Aspies haben Probleme, die verbale und nonverbale Kommunikation von NTs zu interpretieren und zu beantworten. Wie man sieht, kriege ich das als NT auch ganz prima umgekehrt hin.“
Ich als Autist hätte nichtmal im entferntesten das hineininterpretiert, was du da rausgelesen hat aber danke für den Einblick in deine Gedankenwelt. Das erklärt so einiges.

Wie oft hatte ich solche Situationen und habe sie noch. Oft haben sie Irritationen auf beiden Seiten hervorgerufen. Für mich daher, weil ich die Reaktion anderer darauf nicht verstand.
So gebe ich immer möglichst genau und auch manchmal viele kleinen Details wieder, damit eben auch wirklich alles angesprochen ist.
Das genau das allerdings der Grund sein könnte, das andere wie wild zu interpretieren anfangen, auf den Gedanken wäre ich nie gekommen.
So lasse ich doch eigentlich kaum Platz für Interpretationen. Sage genau das aus, was ich sagen will und gebe alle (für mich) wichtigen Details an. Zumindest, wenn ich mal soweit bin, meine Gedanken zu verbalisieren und das kann auch eine Weile dauern, was auch erklärt, warum es mitunter eine Weile dauern kann, bis eine Antwort von mir kommt oder eben auch mal Tage, bis ich wieder an genau der Stelle anknüpfe, um meine Gedanken mitzuteilen.

Das ist dann auch so eine Schwierigkeit (zumindest verbal).
Manche Infos, gerade wenn sie gemeinsam erlebt oder meinerseits zu einem früheren Zeitpunkt bereits gesagt wurden, wiederhole ich nicht nochmals. So gehe ich ja davon aus, das mein Gegenüber das noch „auf dem Schirm“ hat und knüpfe eben genau da an. Ich komme nichtmal auf den Gedanken, das die Person eben an der Stelle nicht mehr folgen kann. Das passiert mir sehr häufig in laufenden Gesprächen. Vermutlich, weil ich da weniger die Zeit habe, um darüber nachzudenken, auf welchem Stand der andere sein könnte.
Sowas ist bei mir immer eine reine Denkleistung und erfasse ich nicht intuitiv, was häufig zu Irritationen und Missverständnissen führt.
Im Schreiben wäre das anders. Da beziehe ich solche Möglichkeiten ein.
Würden im Falle des oben genannten Beispiels wichtige Aussagen fehlen, dann könnte doch das Gegenüber auf das falsche Gespräch Bezug nehmen, daher die genaue Angabe. Man weiß ja nicht, ob die Person nicht mehrere Gespräche dieser Art geführt hat zu diesem Zeitpunkt und dies wäre durchaus im Bereich des Möglichen.
Allgemein gesehen könnte der andere auch auf die falsche Situation Bezug nehmen, manche Gedankengänge nicht nachvollziehen oder Dinge die wichtig sind und dazu gehören nicht bedenken.

Ich denke sehr komplex, das weiß ich und ich habe oft bemerkt, das andere meist schon nach den ersten Details „entnervt“ aussteigen.
„ich weiß, du willst jetzt alles bis auf das kleinste Detail ausführen, aber beschränke dich bitte nur auf das Wesentliche“ ist ein Satz, den ich öfters von meinem Ex zu hören bekam. Oder „komm mal auf den Punkt“, „was hat das jetzt damit zu tun,“ “ du schweifst ab“ ….

In Zeugnissen, allgemein in Beurteilungen oder auch im Diagnoseschreiben steht immer wieder der Hinweiß, das ich ausschweifend antworte und mein Gesagtes nicht immer zum Thema passt.
Auch, das ich immer wieder auf einen Sachverhalt zurückkomme, weil eben noch nicht alles dazu ausgeführt wurde, obwohl das Gespräch schon lange an anderer Stelle ist, habe ich schon öfters gehört.
Gerade weil ich dann nahtlos anknüpfe, oder Gedanken innerlich weiter geführt habe und dann nur mein Ergebnis mitteile, erweckt es scheinbar den Eindruck, das ich keinen Bezug auf die Gesprächspartner oder das was sie sagen nehme. Doch schon, nur eben weit später und oftmals ein paar Schritte weiter gedacht.

Ich wüsste nicht, wie ich das ändern sollte.
Es ist wichtig und nur weiter gedacht, andere Eventualitäten einbezogen, Szenarien die verschieden ausfallen können.
Vergleichbar mit Geschichte, wo vieles zusammenhängt. Handlungen Reaktionen hervorgerufen haben. Entscheidungen getroffen wurden, die eine Geschichte so oder so ausgehen lassen konnten. Im Nachhinein rückblickend betrachtet, mag da so manches klarer sein. Oft setzten sich Lehrer stundenlang mit den Sachverhalten auseinander.
Gerade in der Vergangenheit wurden Entscheidungen von wichtigen Personen getroffen, die wesentlich den Verlauf einer Geschichte beeinflusst haben. Das konnte im Falle Napoleon beispielsweise Sieg oder Niederlage bedeuten.
Hätte er manch Entscheidung anders getroffen, wer weiß wie die heutige Zeit wäre. Wie anders die Geschichte verlaufen wäre.
So gibt es immer viele Variablen, die im Endeffekt ein Ergebnis beeinflussen können.
Um das alles auszuschließen, gibt man möglichst viele Details weiter, damit eben nicht allzuviel Spielraum über bleibt.
Zumindest ist das einer der Gründe. Dazu kommt eben die Tatsache, das ich relevante Aussagen von nicht relevanten nur schwer unterscheiden kann. Oder eher mal in die Runde gefragt. Wie soll man denn entscheiden was relevant ist und was nicht? Was ist denn das Wesentliche? Wer bestimmt das?

Um auf das Beispiel von NT trifft Aspie zurückzukommen. So nimmt der Autist lediglich „genau“ auf das Gespräch am Donnerstag, den 7. August 2014 von 10:13 bis 10:17 Uhr Bezug.
Nicht mehr und nicht weniger.

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