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Es fängt an zu jucken und das halte ich mal für ein gutes Zeichen. Die letzten Tage waren ohne Schmerzmittel nicht auszuhalten und selbst mit tat es stetig weh. Ich verstehe jetzt auch die Krankschreibung für 4 Tage. Ich denke, es wird noch eine Weile dauern, bis es wieder ganz in Ordnung ist.
Durch die Schmerzen ergaben sich einige Probleme in den letzten Tagen und auch da hoffe ich, das es langsam besser wird. Mir fiel mitunter das Sprechen sehr schwer. Vom Essen mal ganz abgesehen.
Ich esse eh sehr eigen und wenn ich nicht das zu mir nehmen kann, was ich sonst gewohnt bin, dann neige ich sehr schnell dazu gar nichts zu essen.
Schlucken war auch schwierig, trinken daher ein Problem und das alles tat meinem allgemeinem Befinden nicht gerade gut.

Dazu kamen gewisse Ungewissheiten, wodurch ich auf Abruf stand über 2 Tage. Vermutlich wäre es mir leichter gefallen, wenn das ganze drumherum nicht gewesen wäre.
Sowas fällt mir dann schwer, wenn es auch eingerechnet ist. Gestern kam dann die Info, das ich mich nicht mehr auf Abruf halten muss und fiel danach erstmal in eine Art tatenloses Loch. Ich konnte und kann mich nicht wirklich aufraffen, irgendetwas zu tun. Wobei ja einiges zu machen wäre.
Vielleicht aber auch ganz gut. Ich hin gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe, und der OP-Tag hängt mir noch ein wenig nach.
Ich habe mir den Tag nochmal durch den Kopf gehen lassen, habe mir viele Situationen nochmal angeschaut und bin im Anschluss wirklich froh, nicht allein dort gewesen zu sein. Auch wenn ich sagen muss, das im Vorfeld vieles hätte abgefedert werden können.

Das Davor…

Eigentlich fing das Durcheinander schon am Vortag an. Meine Betreuerin hatte mir verschiedene Emails mit extrem vielen Informationen geschickt, darunter auch Planänderungen für den OP-Tag, und irgendwo ganz unten stand der Zeitpunkt, wann sie mich abholt und wann ich in der Praxis zu sein habe. Das ging komplett an mir vorbei. Solche Dinge sollte man lieber gleich am Anfang und vielleicht tabellarisch auflisten.
Man kann dann gern später näher darauf in Textform eingehen. Wenn sie allerdings irgendwo im Text aufgeführt sind, dann geht das schnell unter.
Hier hätte man vielleicht nochmal nachhaken sollen, ob ich das gelesen habe. Ich hatte auch nicht auf diese Info reagiert. Lediglich auf den ersten Teil der Nachricht.
Aber das sind Dinge, die weiß man dann beim nächsten Mal und einen Vorwurf mache ich ihr deswegen ganz sicher nicht.

Aber dafür sind solche Situationen auch wieder gut. wir können daraus lernen und beim nächsten Mal, was ich ja nicht hoffe, aber wenn, kann ich besser artikulieren, was ich brauche.
Beispielsweise ist mir die Ungewissheit über den genauen Ablauf sehr schlecht in Erinnerung.
Zum einen war ich mir auch im Unklaren darüber, wie die Betreuung über den Tag ablaufen wird. In welchem Zustand komme ich nach Hause. Wer von den Betreuern bleibt da und wie lange. Schaffe ich es, bis zum Abend wieder soweit fit zu sein, das ich die Kinder allein ins Bett bringen kann. Alles Dinge die Unruhe in mir auslösten.

…und währenddessen

Ich wusste durch das Übersehen der Information in der Email weder in etwa wann es losgeht, noch hatte ich einen groben Plan von dem, wie der Ablauf bei der OP sein wird. Ich wusste beispielsweise nicht, das vor der OP noch ein Gespräch mit dem Anästhesisten ansteht und das ich dort Rede und Antwort dazu stehen muss, warum ich diese OP unter Vollnarkose brauche. Vor allem aber wusste ich nicht, das dieser maßgeblich darüber entscheidet, ob ich die OP überhaupt in Vollnarkose bekomme und wenn, ob sie denn von der Krankenkasse übernommen wird. Immerhin hatte der Zahnarzt ja einer Vollnarkose beigepflichtet und die Krankenkasse würde, laut seiner Aussage, über die Kostenübernahme entscheiden.
Ich hatte Glück, das ich am Vorabend noch einen Antrag verfasst hatte, in der ich eine Kostenübernahme gegenüber der Krankenkasse begründete.
Noch mehr Glück, das meine Betreuerin dabei war. Ich war zum Zeitpunkt als ich in der Praxis war derart durch den Wind, ich hätte mich nicht mehr wehren können. Ich konnte ja kaum noch adäquat kommunizieren. Mehr als ein paar Stichworte bekam ich nicht heraus.
Immerhin kennt mich meine Betreuerin in dem Punkt schon recht gut und wusste auch von dem Antrag und von den Umstand, das ich immer mein iPad dabei habe. Da ich meist vom iPad aus sämtliche Texte verfasse, war es durchaus logisch, das ich den auch dabei hatte.
Sie hatte dann die Idee, dem Anästhesisten das zu zeigen.
Ich selber wäre da gar nicht auf die Idee gekommen. Immerhin war das ja für die Krankenkasse bestimmt und nicht für den Anästhesisten.
Bis zu dem Zeitpunkt, als der Arzt das Schreiben gelesen hatte, war er eher davon überzeugt, das ich für diese OP keine Vollnarkose benötige und wenn ich darauf bestehe, die Kosten alleine tragen müsse. Er meinte, das er da ganz allein die Entscheidungsgewalt dafür trage und die Krankenkasse sich eh nach seiner Empfehlung richten würde. Daher brächte ein solcher Antrag an diese rein gar nichts, seiner Erfahrung nach.
Nach dem Lesen entschied er sich für eine Notwendigkeit und somit übernahm auch die Krankenkasse vollständig die Kosten.

Nicht nur bei der Kommunikation hatte ich Schwierigkeiten. Ich stand in der Praxis desöfteren orientierungslos herum. Wie bestellt und nicht abgeholt, unwissend darüber, was als nächstes von mir erwartet wird. Immer wieder driftete ich ab. Ich war mit der kompletten Situation vollkommen überfordert.
Eigentlich war es schon daheim im Vorfeld in dem Moment rum, als ich von der Bank zu Hause ankam und feststellte, das ich nochmal los müsste, um den Schlüssel wegzubringen. Das ich überhaupt so viel geschafft habe, grenzt für mich an ein Wunder und ich glaube, es lag wirklich daran, das ich bis zu diesem Zeitpunkt meine Kinder um mich hatte. Erst als alle drei versorgt waren, brach ich endgültig ein.

Rückblickend betrachtet…

… waren die vielen Aufgaben, die ich noch erledigen sollte, in meinem Zustand an dem Morgen viel zu viel.
Es war nichtmal das nüchtern bleiben. Ganz ehrlich, ich esse morgens eigentlich selten und eigentlich trinke ich bis zum Mittag meist nur Kaffee. Den habe ich allerdings schmerzlich vermisst.
Es ging hier tatsächlich um meine gewohnten Abläufe, die allesamt vollkommen zerstört waren. Es war von dem Moment an anstrengend als ich aufgestanden war und führte recht schnell zum Einbruch.
In diesem Zustand noch das Geld von der Bank zu holen, die Kinder zu richten, war ein Kraftakt. Immer mit der Gedankenschleife im Rücken, das ich gar nicht soviel Zeit dafür habe, da ich nicht wusste, wann es losgeht.
Am schlimmsten war das Auto fahren in diesem Zustand. Gar nicht gut. Ich wusste teilweise wirklich nicht wie ich manchmal wohin kam. Fand mich teilweise auf Strecken wieder, die meiner Gewohnheit entsprachen, aber nicht dem, wo ich hinwollte. Da waren ganze Abschnitte komplett ausgeblendet.
Das passiert mir häufig, wenn ich in Gedanken bin. Es ist nicht so, das ich den Straßenverkehr dann nicht mehr im Blick habe, das kann man so nicht sagen. Dennoch scheint es dann automatisch abzulaufen ohne das ich bewußt mitbekomme, wo ich eigentlich hinfahre.
Schwer, das zu beschreiben. Normal bleibe ich lieber zu Hause, wenn ich merke, das ich so durcheinander bin. Besser wäre gewesen, schon da eine Begleitung an meiner Seite zu haben. Es war durch meinen Bruch der Routinen abzusehen.

Insgesamt habe ich den Tag gut überstanden, und überraschender Weise waren nach der Narkose sogar meine stetigen Rückenschmerzen für 2 Tage verschwunden. Welch Wohltat.
Leider kommen sie schon wieder und naja, oft merkt man erst dann, wenn es wiederkommt, wie belastend es eigentlich ist.
Beim nächsten Mal, wobei ich lieber auf weitere OPs verzichten würde, wird es besser, so hoffe ich. Zumindest ist die Zyste jetzt draussen und damit eine Sorge weniger, über die ich nachdenken muss.

PS:
Der OP-Tag
Die Beschreibung eines Zahnarztbesuchs
Die Zyste war schon lange Thema bei mir, und das auch schon vor Monaten

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