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Ich sollte zum Arzt gehen, sagt mein Verstand und nahezu gleichzeitig rattert mein Gehirn. Ne, geht nicht…weil… .
Mir fallen etliche Ausreden ein. Keine Zeit, nicht so schlimm und geht sicher von allein wieder weg oder zuviel Aufwand.
Oder sind es eben keine Ausreden. Gerade die Einschätzung der Notwendigkeit fällt mir da sehr schwer. Oft warte ich zulange und hadere mit dieser Frage.
Solange, bis es sich von allein ein wenig gebessert hat und somit die Frage neu stellt.
Dabei sind die Schmerzen dennoch da, nur eben nicht mehr so schlimm, wie am ersten Tag.

Wenn ich dann doch mal hingehe, dann muss ich manchmal derart übertreiben, wenn ich eine richtige Behandlung will, was mir persönlich unglaublich schwerfällt.
Übertreiben liegt nicht in meiner Natur.
„Bei dir muss man aufpassen, das du nicht zu sehr untertreibst“ so die Aussagen von Menschen, die mich schon länger und recht gut kennen, und trifft es da eher.

Andererseits kann so schnell was übersehen werden. Betrachtet man nur meinen aktuellen Zustand meiner Zähne, nebst Zyste, die nach etlichen Monaten nun doch entfernt werden muss, nur weil ich damals die Frage, ob es denn schmerzt, nicht wahrheitsgemäß mit „Ja“ beantworten konnte.
Es schmerzte ja nicht zu diesem Zeitpunkt…zumindest nicht so, wie sie es beschrieb. Ich fühle lediglich einen immerwährenden Druck, der bis dato, trotz Wurzelbehandlung und Wurzelresektion unverändert blieb.
Inzwischen ist die Zyste angewachsen und breitet sich aus. Flüssigkeit drückt von unten auf den Nebenzahn, der sich dadurch erhöht anfühlt und daher auch das unangenehme Gefühl beim beissen, so das ich seit einiger Zeit viele feste Nahrungsmittel meide.
Etwas besser geworden ist es, weil ich nun zumindest auf der linken Seite beissen kann, nachdem ja dort alles gerichtet wurde.

Nichtsdestotrotz schmerzt mein Knie, aber gerade Orthopäden mag ich nicht.
Speziell bei meinem aktuellen ist es für mich eine Zumutung.
Es ist nicht nur das Wartezimmer, in dem man das Gefühl hat, das gesamte Krankenhaus sitzt direkt neben dir. Das krankenhauseigene Schwimmbad liegt auf derselben Etage und es riecht nach Hallenbad, geschwängert mit irgendwelchen Düften und dazu ist es schwülwarm.
Das Wartezimmer ist ein Durchgangszimmer und ich darf auswählen zwischen dem einzigen Doppelsitz, wo die Chance das nur einer neben mir sitzt oder nicht an der Ecke halb auf mich drauf, größer ist, oder ich reihe mich in die Reihe an der Wand ein. Da sind keine Stühle in dem Sinne, sondern eine endlose Sitzbank. Gepolstert natürlich, denn wir sind ja beim besten Orthopäden im ganzen Umkreis.
Sitze ich jedoch an den Rändern, kommt ständig jemand an mir vorbei. Die Tür oder der Gang direkt neben einem. Und jedesmal schwappt dieser geschwängerte Geruch mit rein.
Das Wartezimmer betritt man durch ein Treppenhaus, das drei Stockwerke des Krankenhauses miteinander verbindet und ich weiß einfach an diesem Ort nicht, warum der Mensch Türen erfunden hat. Zumindest scheinen im diesem Krankenhaus sämtlich Türen zum Treppenhaus offen zu stehen. Ich kann das ganze Haus hören und das hallt ungemein.
Nein, ich mag auch Orthopäden allgemein nicht. Was ich da teilweise im Allgemeinem schon erlebt habe.
Da wird offen über den Patienten vor mir gemotzt, oder teilweise derart missmutig die Krankengeschichte aufgenommen.
„Interessant“…wenn das der Arzt sagt, dann hat man gewonnen. Dann bemüht er sich tatsächlich mal, genauer zu untersuchen. Bei mir aber unerlässlich, da ich Schwierigkeiten habe, mein Problem korrekt und genauer zu beschreiben. Vermutlich sehe ich auch nicht leidend genug aus, aber in der Regel nehmen mich Orthopäden nicht für voll.
Ich „sie“ aber auch nicht, zumindest kann ich mir kaum erklären, was mich „Patient vor mir“ erstens angeht und zweitens, warum erzählt er mir das.

Außerdem setzt gerade eine orthopädische Untersuchung häufig anfassen voraus. Manchmal ein Röntgen, manchmal auch ein CT. Aber eben nicht immer. Ich weiß nicht, worauf ich mich da einstellen soll, was mich da erwartet.
Zudem verschreiben sie meistens Krankengymnastik, was noch mehr Berührungen von fremden Menschen nach sich zieht. Das kann schon abschrecken und nehme ich daher nur dann wahr, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Schwierig dabei auch die Tatsache, dass ich den Schmerz selten genau beschreiben kann und ein vages „es tut halt da weh oder es ist eben anders als sonst“ wird vom Arzt allgemein nur sehr genervt entgegen genommen.

Taucht man da mit einer Begleitung auf, dann wird meist nur mit ihr geredet, und wenn man sich doch mal dazu entschließt, mich direkt anzusprechen, dann in einer Art und Weise, dass man sich gleich als minderbemittelte, schwerhörige Frau fühlt.
Hören kann ich sehr gut und es ist auch nicht so, das ich dem Gespräch inhaltlich nicht folgen kann. Es ist nur ein Zuviel an Sensorik, und zeitgleich schwer für mich, mein Problem adäquat zu kommunizieren.

Ähnlich schwierig verhält es sich bei mir mit vielen Ärzten oder Krankheiten.
Die Frage, wie sehr übertreibe ich, um ernst genommen zu werden und wie glaubhaft bin ich dann irgendwann, wenn sich allzu oft doch nichts Ernsteres herausstellt. Ich habe nunmal Schwierigkeiten mit meiner Körperwahrnehmung. Sie ist anders und daher eben oft nicht verständlich oder für den Arzt mit mehr Arbeitsaufwand verbunden.

Momentan ist mein Knie etwas besser geworden, und so stelle ich mir wiederholt die Frage, muss ich jetzt zum Arzt oder lasse ich es bleiben. Ich vermute, ich frage mich das noch eine ganze Weile.

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