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Ich möchte nicht nachdenken, möchte nicht reflektieren. Ich werde von Gefühlen überschwemmt, wenn ich es mache. Dennoch verlangt mein Verstand danach, will verarbeiten, was erlebt wurde. Mit Macht kommen Bilder hoch, aber nicht nur sie. Mit ihnen alle Empfindungen, Gerüche, Gedanken, Szenen. Auch Gesten, die ich als solche zwar wahrgenommen hatte, aber aufgrund der Fülle nicht interpretieren konnte oder vielmehr gar nicht bemerkt hatte. Aber sie sind gespeichert. Sie alle kommen hoch und überfluten mich.
Überschwemmen mich und ich ertrinke.

Ich bin schwer in Unruhe, kämpfe mit meinem Gefühlschaos.
Ich bin noch nicht soweit, denn mit den Bildern kamen auch andere Dinge hoch. Ich kann sie noch nicht ertragen. Noch nicht analysieren.
Ich muss mich bewegen, mich ablenken. Ich muss was tun, muss die Bilder weit wegschieben, mit all dem, was mit ihnen hochkommt.
Morgen, ja morgen wird es besser.

Die Verarbeitung so mancher Situationen oder Erlebnisse ist bei mir ein Prozess der ganz eigenen Regeln folgt. So denke ich auch in diesem Fall in Bildern und kleinen Filmchen, wobei Film da zuviel gesagt ist. Es sind oft nur einzelne Sequenzen. Ich nenne sie dennoch folgend einfach nur Filme, der Einfachheit halber.

Jedoch verhält es sich bei mir so, das mit diesen Bildern und Filmen eine Fülle an Informationen, aber auch Gefühlen hochkommt. Man fühlt sich wieder mittendrin, vermischt es vielleicht noch mit aktuellen Gefühlen und die Zuordnung, was nun was ist, wird immer schwerer.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob es negative, neutrale oder positive Erlebnisse waren. Zuviel ist Zuviel und will verarbeitet werden. Dem Zuviel ist es egal, aus welcher Richtung es kommt.

Je nach Erlebnis kann mich solch ein Verarbeiten oder auch ein Reflektieren schwer umwerfen und glatt außer Gefecht setzen.
Ich brauche sie jedoch, um Gespräche, Situationen oder Erlebtes verarbeiten und reflektieren zu können.

Meine Gedanken kreisen um die Erfahrungen, analysieren jede Kleinigkeit. Oft sehe ich dann manche Dinge anders oder bemerke Fehler, die ich beim Interpretieren in der Situation gemacht habe. Einfach, weil ich in der Situation gar nicht mehr in der Lage war, richtig nachdenken zu können.
Gerade nach den Diagnosegesprächen habe ich ellenlange E-Mails verfasst um all die Fehler zu berichtigen, die ich während des Gesprächs gemacht hatte.
Fragen, die ich nicht richtig verstanden hatte, Kommunikation oder Situationen, die ich falsch aufgefasst hatte.

Eine solche Verarbeitungsphase kann, je nachdem, 1-2 Tage dauern, wenn ich es zulassen kann.
Ich habe aber auch schon länger gebraucht, wie z.B. nach dem Urlaub. Da war zum einem wesentlich mehr zu verarbeiten und zum anderen war ich häufig durch die Kinder abgelenkt. Dadurch muss ich häufig wieder bei null anfangen, weil ich rausgerissen wurde. Für diesen Prozess brauche ich Ruhe und Zeit für mich. Ziehe mich da stark zurück.

Ja, ich kann den Prozess ein wenig steuern und schieben, wenn es auch sehr viel Kraft kostet. Einen Nachteil hat das Schieben allerdings.
Ich bin irgendwie nie ganz da. Halb in Gedanken versunken und doch nicht richtig. Nicht so ganz anwesend, würden andere vermutlich sagen.
Meine Gedanken versuchen dann immer wieder zurückzugehen. Die Bilder schießen mit Macht hoch, immer wieder und jedes Mal schiebe ich sie wie eine schwere Eisentür zur Seite.

Auf die Weise kann ich funktionieren, aber wirklich da bin ich nicht und mich auf anderes konzentrieren (und Konzentration brauche ich auch zur Kompensation) das geht da nicht.

Gerade dann bin ich auf meine Abläufe und Strukturen angewiesen. Gerade dann muss alles funktionieren wie es soll, denn ich habe keine Möglichkeit auszuweichen. Meine Gedanken sind woanders.

Genau das ist aber nach den Feiertagen passiert. An einem Ort, der nun mein zu Hause sein soll. Wo aber meine Abläufe und Strukturen nicht gefestigt sind. Alles noch anders und neu.
Und dann ändert sich auch noch ein wichtiges Detail in meinem Tagesablauf. Eigentlich von außen betrachtet eine Kleinigkeit, aber mir ungeheuer wichtig.
Das war zu viel.

Ich verfalle in Panik, Gedanken überschlagen sich. Schreiend renne ich umher und versuche der Lage Herr zu werden.
Und doch kann ich mich erst beruhigen, als der gewohnte Ablauf wiederhergestellt ist, und brauchte dann dennoch Stunden, um wieder runter zu kommen.

Eine kurze Nacht.

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