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Es riecht so anders. Ich stehe auf und schnuppere.
Irgendwie ist es nicht meins. Es ist nicht der Geruch, den ich kenne. Jede Wohnung, jedes Haus hat seinen ganz eigenen und unverwechselbaren Geruch. Wenn ich woanders hingehe, dann stelle ich mich darauf ein. Ich weiß, das es anders riecht und kann es zuordnen. Ich bin es gewöhnt, in einer Umgebung aufzuwachen, die immer gleich riecht.
Ich übernachte selten woanders.

Normalerweise könnte man jetzt sagen, das ich ja auch hier weiß, das es eine andere Wohnung ist. Das es hier anders riecht. Aber es ist eben nicht das Gewohnte. Das Wissen morgens mit dem bestimmten Geruch aufzuwachen. Ohne darüber nachzudenken, was ich da rieche und warum. Ich kenne den Geruch bis ins kleinste Detail. Er ist das erste, das ich morgens wahrnehme, wenn ich aufwache und das letzte, das mich in den Schlaf begleitet. Ich nehme ihn mittlerweile zwar bewusst wahr, aber ich denke nicht darüber nach. Er ist immer da.
Aber nun nicht mehr. Es riecht anders und ich weiß nicht warum.

Viel zu lange halte ich mich mit der Tatsache auf, den Geruch einzuordnen. Dabei haben wir es heute eilig.
Aber erst muss ich den Geruch analysieren. Es riecht nach Gemäuer, so ganz anders als vorher. Irgendwie leicht feucht aber nicht moderig. Ich fange an mit meiner gewohnten Umgebung zu vergleichen.
Es ist kalt, kälter als früher. Ich erinnere mich nicht je morgens so gefroren zu haben. Ob ich vielleicht doch nachts die Heizung anlassen sollte? Mache ich normalerweise nicht so gerne.

Dann sind da noch die Geräusche. Ich habe jetzt Nachbarn. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Ich frage mich, was sie gerade tun, damit sie solche Geräusche fabrizieren. Aber es sind nicht nur die Nachbarn.
Ich kann die Heizanlage hören. Den Wind, der durch einen stillgelegten Schacht fegt. Es hört sich stetig an, als würde es draussen sehr stark regnen. Ein Platzregen. Es rauscht, aber es regnet nicht.
Der neue Kühlschrank. Er klingt auch anders. Ich nehme ihn sehr laut wahr. Ich kenne das Geräusch nicht. Es ist neu und ich muss mich daran gewöhnen. Ich höre die Autos, die vorbeifahren. Draussen kratzt jemand die Scheiben seines Autos.

Ah, sie scheinen mit dem Frühstück fertig zu sein. Zumindest nach dem Stühle rücken über mir zu urteilen.

Irgendwie beneide ich sie. Meine Morgenroutine ist nicht mehr vorhanden. Ich eiere. Laufe Wege mehrfach und weiß irgendwie nicht wo ich mit mir hin soll. Irgendwie steht immer irgendetwas im Weg.
Ich versuche einen Plan zu erstellen. Einen Ablauf.
Ich sollte mich anziehen. Sofort erscheinen die Bilder von meinem Schlafzimmer und dem begehbaren Schrank.
Nur.
Ich habe gar kein Schlafzimmer mehr. Ich bin verwirrt. Stehe da und überlege, was ich nun tun soll.
Ah ja, anziehen.
Ich hab es ja eilig.

Ich rutsche in den Overload.

Nach nichtmal einer halben Stunde Tag. Weil es sich anders anfühlt, anhört und anders riecht.
Ich bin eingezogen, aber noch nicht ganz angekommen.
Ich nehme die Witterung auf. Ich werde mich schon daran gewöhnen.

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