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Momentan möchte ich mich verkriechen. Möchte das Chaos um mich herum nicht sehen. Versuche ständig die Ordnung herzustellen.
Ich habe das Bild im Kopf, von dem wie es sein soll, kann es aber nicht vervollständigen. Wie auch.
Stetig fühlt es sich an, als wäre ich nicht fertig.
Das zu ertragen ist für mich schwer, da ich es gewohnt bin, Ordnung herzustellen. Selbst wenn es spät geworden ist. Selbst wenn alles schläft.
Selbst wenn es bedeutet die Nacht zum Tage zu machen ohne Aussicht auf Schlaf. Selbst dann.

Kennt ihr den perfekten Moment. Dieser Moment, wenn für einen Bruchteil einer Sekunde alles richtig ist. Perfekt.
Wenn man eine Geburtstagsparty hatte und alles im Chaos versinkt. Die Bude sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte (RW). Der Moment, wenn man alles aufgeräumt und geputzt hat. Das Haus ist leer, die Familie nicht da. Es ist still und man kommt in das Zimmer, die Nachmittagssonne strahlt hinein und es ist perfekt. Nur für eine Sekunde, bevor einen der Alltag wieder einholt.
Ich liebe diesen Moment. Dann ist alles richtig. Die Unruhe schwindet und man ist vollkommen bei sich und zufrieden.

Aber nun nicht. Ich kann die Ordnung nicht herstellen. Wenn es denn nur das aufräumen wäre. Oder das putzen. Ich würde einfach weiter machen, bis ich fertig bin. Ich weiß ja, wie es geht. Zumindest hier.

Mir graut es vor den nächsten Wochen, wo das Chaos ein Dauerzustand ist. Ich versuche mich zu zwingen, die Nacht nicht zum Tage zu machen. Immer weiter, um ganz schnell fertig zu werden. Es würde nicht lange dauern, und ich würde zusammenklappen.

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Ich versuche nicht daran zu denken, das nun eine Zeit angebrochen ist, in der sich alles ändern wird. Die Ordnung, die ich nun so lange kannte, wird nie wieder hergestellt werden können. Ich muss neue Wege finden, neue Strukturen entwickeln und muss mich in eine neuen Umgebung integrieren.
Denn alles ist dann anders. Jeder Handgriff, jeder Griff in einen Schrank, der nicht mehr da ist, am falschen Platz steht. Jeder Weg, der einen an eine Stelle führt, nur um festzustellen, das man hier falsch ist. Zu erkennen, das man so wie gewohnt nicht mehr laufen kann, außer man könnte durch Wände gehen. Ein Essen, das Röstaromen aufweist, die so sicher nicht geplant waren, weil man das Salz nicht blind greifen kann.

Es fühlt sich jetzt schon falsch und nicht richtig an.

Aber nicht nur für mich. Auch für meine Kinder wird sich sehr viel ändern und ich muss ihnen die Sicherheit bieten, die sie brauchen. Zumindest soweit es in meiner Macht steht. Sie sind die letzten Tage ziemlich durch.
Denn auch meine Jungs sind autistisch und Veränderungen sind für sie schwer.
Sie verstehen zudem die Notwendigkeit nicht wirklich, sich von so manchen Dingen trennen zu müssen.
Erst vor ein paar Tagen reagierte mein Sohn fast panisch, weil ich seine kaputte Taschenlampe entsorgen musste. „Sie muss da stehen bleiben, weil sie da schon immer stand.“
Das sie gar nicht funktioniert ist irrelevant und eine neue will er auch nicht. „Sie soll einfach nur da stehen bleiben, damit ich sie ansehen kann.“
Das alles so bleiben wird wie bisher, ist ein Umstand den ich nicht halten kann und ich kann auch nicht versprechen, das bald wieder alles beim Alten sein wird. Immerhin müssen wir uns stark verkleinern, so auch in den Kinderzimmern.
Ich verstehe sie und ich weiß, das es schwer ist, aber sie halten sich wirklich tapfer.

Ich bin heilfroh, das die Wohnung entgegen meiner Befürchtungen so liegt, das sich zumindest die Einkaufsläden, Ärzte und die grundlegenden Dinge nicht ändern werden. Sonst wäre das Chaos das, was perfekt wäre. Zumindest der Große darf in der selben Linie fahren wie bisher.
Dennoch ändert sich unheimlich viel. Die Uhrzeiten, wenn die Kinder zum Schulbus müssen. Eine neue Bushaltestelle. Wo zum Teufel ist die Feuerwehr? Denn da soll sie sein. Die Abläufe hier waren perfekt eingespielt und nun weiß ich nichtmal wann ich am besten aus dem Haus muss.
Aber ich weiß auch, das es nicht für immer ist. Auch das werde ich meistern:

„den Umzug“

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