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gemeinsam stark Mir ist übel. Wie so oft, wenn es schnell gehen muss.
In der Email steht, ich soll telefonisch mit dem Hausmeister in Kontakt treten.
Manchmal geht es zu schnell. Dann kann es unter Umständen passieren, das ich mich tatsächlich erst erleichtern muss. Zu groß ist die Aufregung. Der Druck.

Im Schnellverfahren lege ich mir einen Text zurecht. Da ich weiß, das es sich um eine Terminabsprache handelt, ziehe ich meinen Kalender zur Rate. Lege ihn vor mich hin und in Gedanken genau fest, was ich wie antworten könnte, wenn die Person entsprechende Tage oder Tagesabschnitte vorschlägt.

Im Grunde geht es nur am Mittwoch Vormittag, überlege ich. Oder Sonntag, aber das schließe ich mal aus. Welcher Hausmeister würde schon eine Besichtigung an einem Sonntag anberaumen.
Nächste Woche wäre es da schon wesentlich günstiger. So viel zu bedenken. Immerhin ist da auch ein Stück zum Hinfahren. Ich muss auch einbeziehen, das ich rechtzeitig hier bin, wenn die Kinder aus der Schule und/oder aus dem Kindergarten kommen.
Wenn ich zum Telefonhörer greife, habe ich in Gedanken das Telefonat schon unzählige Male in den verschiedensten Varianten durchgeführt. Nur damit es doch anders kommt als geplant. In den seltensten Fällen funktioniert es genau so, wie ich es mir zurechtgelegt habe. Noch seltener, wenn ich so wenig Zeit zur Vorbereitung habe.

Der Hausmeister meldet sich am anderen Ende und ich spule meinen Text ab, und warte dann seine Terminvorschläge ab. Stattdessen kommt die erste Nachfrage.

Ich bin raus.

Das läuft nicht wie geplant. Wieso hat er mein Anliegen nicht genau verstanden? Ich präzisiere, um seine Frage zu beantworten, NOCH EINMAL. Als danach der Terminvorschlag kommt, kann ich gar nicht mehr schnell genug umswitschen. Ich bin noch in Gedanken bei seiner Nachfrage.
Demzufolge passiert genau das, was mir so häufig passiert, wenn ich versuche am Telefon Termine zu machen. Ich kann meine Planung nicht umsetzten. Reagiere mechanisch mit „ja“ auf seinen Terminvorschlag. Mittwoch Nachmittag. Ich lege auf. Mist. Voll versagt. Das hat massive Planänderungen zur Folge. Nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder.

Ich verstehe wirklich nicht, warum manche auf telefonischen Kontakt bestehen. Was ist aus dem Gedanken der Barrierefreiheit geworden. Sind wir doch inzwischen in der Lage, alles auch auf elektronischem Wege abhandeln zu können. Schon lange nicht mehr ist ein persönliches Gespräch unbedingt notwendig. Dennoch haben es nur wenige in die Tat umgesetzt und reagieren da mit absolutem Unverständnis.
Immer wieder steht da: „Telefonischer Kontakt bevorzugt“.
Ein Bevorzugen setzt aber kein Müssen voraus. Dennoch reagieren viele gar nicht erst auf Emails, oder wenn, dann wird einfach eine Telefonnummer hingeklatscht „setzten sie sich telefonisch in Verbindung“.
Wie machen das eigentlich stumme Menschen? Da geht es doch auch? Da sagt keiner was. Da wird es hingenommen, weil es ja nicht anders geht.
Aber ist es wirklich nur da so? Nur weil ich insgesamt reden kann, heißt es noch lange nicht, das es immer geht. Was im direkten Gespräch schon schwierig ist, macht es doch im Telefonat ungleich schwerer.
Aber ich kann ja reden, also setzt man voraus und erwartet, das ich das hinbekomme.

Es ist ungeheuer anstrengend. Ich telefoniere insgesamt nicht gern und tue mich da sehr schwer damit. Es ist auch nicht so, das ich es gar nicht kann oder nur Angst davor habe. Es ist vielmehr ein nicht können und das Wissen darum, das ich mich damit häufig in Schwierigkeiten bringe, macht es nicht gerade leichter.
Aber wie soll man das begreiflich machen. Ich kann einfach nicht flexibel und schnell genug reagieren. Gerade wenn es wichtig ist oder Terminabsprachen getroffen werden müssen, schaffe ich es nicht adäquat zu agieren. Es gibt dann meist zwei Möglichkeiten und reagiere dann rein mechanisch entweder mit einem generellen Nein oder wenn ich, wie in diesem speziellen Fall einen Termin haben will, generell mit Ja.
Warum ist das so?

Selbst bei mir bekannten Personen dauert es ne ganze Weile, bevor ich mit ihnen das erste Mal telefoniere. Das erste Telefonat ist das schwerste. Denn erst dann weiß ich, ob es überhaupt geht. Es gibt tatsächlich Menschen, da bereitet mir das telefonieren weit weniger Probleme als bei anderen. Auch wenn es dennoch anstrengend ist und ich irgendwann selbst da in Schweigen oder Stottern ausarte. Woran es genau liegt, kann ich nie genau benennen. Ich weiß nur, das ich es sehr bald weiß, ob die Person einer derer ist, mit denen es geht oder auch nicht.
So manche Person war schon recht beleidigt, wenn ich nach dem ersten Telefonat gesagt habe, mit dir geht es nicht. Manche wollten wissen, warum. Aber genau diese Frage kann ich nicht beantworten. Nicht wirklich.

Noch schwieriger wird es bei fremden Personen, oder wenn ich nicht weiß, wer mich am anderen Ende erwartet. Ich kann dann die Reaktionen anderer nicht einschätzen.
Läuft das Gespräch dann nicht genauso, wie ich es im Voraus geplant habe, dann kann ich nicht flexibel genug reagieren.
Das gestrige Telefonat ist da ein gutes Beispiel.

Was ich auch sehr oft mache, ist ein Telefonat ewig vor mir herzuschieben, bis es dann unabdingbar ist, es zu führen.
Beispielsweise wartet eine Person seit Anfang August auf meinen Anruf. Es ist ja nicht so, das ich das vergessen habe. Ich nehme es mir tatsächlich fast täglich vor. Denke darüber nach und lege das Gespräch in Gedanken fest. Umso weniger die Vorabplanung funktioniert, umso schwerer fällt es mir. Zuviel kann schief gehen und ein solches Telefonat kann mich schwer aus der Bahn werfen.Vor allem zur Zeit, weil ich eh schon stetig am Limit bin. Das will wohl überlegt sein.
Ich weiß, das es wichtig ist, aber ich bekomme es einfach nicht hin.

Umso unverständlicher ist es für mich, wenn das dann sogar Stellen sind, die um die Probleme von Autisten (übrigens hat nicht jeder Autist in dem Maße Probleme mit dem telefonieren, manche bekommen das erstaunlich gut hin) oder im speziellen von mir wissen. Ich weiß, sie wollen, das ich es lerne, übe.
An dieser Stelle gehen mir da echt die Argumente aus. Was ist, wenn es wirklich nicht geht. Wenn ich das nicht kann?
Ich schaffe so vieles, auch allein. Aber da stoße ich eindeutig an meine Grenzen.
Es wäre manchmal schön, wenn manche das zumindest akzeptieren könnten, auch wenn sie es nicht verstehen.

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