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Verpennt, ach du Schreck.

Dabei ist heute mein Arbeitstag. Im Schnellverfahren richte ich die Kinder für die Schule. Während dem Vesper machen lege ich mir einen groben Plan zurecht, wie und in welcher Reihenfolge ich die Kinder abliefere. Das ist gar nicht so unwichtig. Die kleen zuerst, weil wenn ich die Jungs erst zur Schule fahre, kann ich sie auch gleich zu Hause lassen. Dabei muss ich doch arbeiten. Das geht nicht.
Wenn die Jungs den Bus verpassen, heisst es für mich, das ich sie 40 km in die Schule fahren muss.
Mich stört massiv, dass ich es diesmal nicht schaffen werde, sie trotz allem vor Schulbeginn abzuliefern. Bei aller Eile nicht machbar. Zum Glück ist der Große schon so selbstständig, das er mir stellenweise auch helfen kann. Wenn auch nur unter Anweisung aber dennoch Gold wert in solch einer Situation.
Ich weiß, dass wir das heute mit einem overload seinerseits quittieren werden. Ich überlege, ob wir genug Kopfschmerztabletten da haben.
Der Mittlere wütet beim Anziehen. Er kommt mit dem Druck nicht zurecht.
Die Morgenroutine ist bei uns allen völlig hinüber. Unten angekommen läuft er plan- und ziellos im Kreis. Rotiert, vermutlich genauso wie seine Gedanken.
Das Schreien und Wüten hat er irgendwann aufgehört. Zu sehr in sich gekehrt. Selbst auf Anweisung reagiert er nicht mehr. Ich trage ihn nach draußen. Wir müssen los.

Schon wieder wird das Auto fahren zu einem Abenteuer und wiedermal bin ich froh, dass ich diese Strecke so gut kenne.

Es ist meine Hauptstrecke. Ich fahre sie am liebsten. Selbst wenn ich große Umwege in Kauf nehmen muss, wähle ich immer diese. Auf ihr fühle ich mich sicher. Eine andere Strecke hätte ich an diesem Morgen nicht fahren können. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Mein Kopf rast immer noch. Ich versuche mich zu konzentrieren.
Die leise Hoffnung, ich könnte es doch rechtzeitig schaffen, schon auf der Hälfte des Weges zerstört. Und da ist ja noch der Berufsverkehr, der vor uns liegt.

Die Kinder sind still im Auto, nicht wie sonst immer am plappern. Der große tict. Es tut mir so leid. Heute wird ein schwerer Tag. Für uns alle.

Mit etwa 30-minütiger Verspätung kommen die Jungs in der Schule an. Ich weiß, das ist anstrengend für sie. Verspätung mögen sie nicht.
Der Große zählt auf, wie oft er schon zu spät gekommen ist. 4 mal, ich weiß.

Dann bin ich allein. Ich fahre nach Hause.Die Gedanken bei der Arbeit. Ich muss das heute schaffen, es ist wichtig. Aber es geht nicht. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen und die Kopfschmerzen haben begonnen.
Ich finde nicht mehr in meinen Tag rein und gebe gegen mittags auf. Ergebe mich dem Umstand, heute nichts mehr schaffen zu können.
Ich kann noch nichtmal richtig reden, geschweige denn mich auf irgendwas konzentrieren.
Ich verschiebe auf morgen!

 

Unruhe

Die letzten Tage und Wochen waren anstrengend.
Ich vermute deswegen hatte mich diese Planänderung auch so massiv umgeworfen. Ich komme nicht wirklich zur Ruhe. Ständig kommt was Neues und dazu muss ich noch so vieles verarbeiten und nachdenken.

Da war der Urlaub mit all seinen Eindrücken. Dinge, über die ich nachdenken musste.
Der Schock mit dem Unfall meines Sohnes und dem darauf folgendem Krankenhausaufenthalt, der sämtlich Pläne für die Woche zunichte machte.

Dazu erreichte mich am Freitag eine Nachricht, die ich zu dem Moment gar nicht mehr in seiner Gänze aufnehmen und verarbeiten konnte. Da war auch das Fest, das organisiert und durchgeführt werden musste. Ich habe es hinbekommen. Aber nicht alles.
Mir bleibt nichts übrig als wichtige Dinge (vielleicht nur für mich wichtig, da ich Probleme damit habe Prioritäten zu setzen) nach hinten zu schieben. Weil ich sie einfach nicht schaffe, mir geht die Kraft aus.
Stolz bin ich dennoch auf mich.Zumindest was die letzte Woche betraf.

Am Wochenende begann die Unruhe, weil mir eine schwere Woche bevorstand, über sehr vieles nachdenken musste und dazu gab es am Samstag ein kleines Missverständnis, das ausreichte, um mich mal kurz aus der Fassung zu bringen. Solche Dinge sind anstrengend.
Missverständnisse sind etwas, mit denen ich manchmal schwer umgehen kann.
Ich weiß dann oft nicht, wie ich da wieder rauskomme. Ich habe mit den Jahren gelernt, dass es oft eben daran lag, das ich nicht richtig verstanden wurde, also suche ich den Fehler meist erstmal bei mir und fahre daher immer wieder den Film ab.
Damit will ich nicht sagen, dass ich denke, dass ich immer schuld bin. Aber die Erfahrung hat mich oft gelehrt, dass Missverständnisse daraus resultieren oder ich verstehe einen Hintergrund oder die Situation nicht.
Inzwischen konnte ich zumindest das ordnen. Schuld hatte da keiner. Es war einfach nur „blöd gelaufen“ wie man so schön sagt.

Was blieb, war die Unruhe und die Wut auf mich selber.
Wut, weil ich die Planung für die nächste Woche nicht hinbekomme. Es ist so viel zu tun und alles ist wichtig. Und doch bleiben mir so nicht genug Rückzugsmöglichkeiten. Es ist nicht zu schaffen, nicht bei meiner Problematik.

Also schiebe ich wieder. Wichtige Termine. Sie landen auf meiner To-Do Liste, die unaufhörlich länger wird.

Ich weiß, dass ich muss und ich mache immer weiter. So gut ich kann. Nur kostet es mich enorm an Kraft. Ich bin derzeit wirklich froh, dass ich Kontakte habe, die mir immer wieder zwischendurch helfen zu ordnen, neu zu strukturieren oder einfach mal mich aufmuntern.
Denn sonst, glaube ich, hätte ich vieles nicht so hinbekommen.

Ab Oktober will man die ambulante Betreuung für mich beantragen. Davor soll ich mich melden, wenn ich dringend Hilfe brauche oder ein Notfall eintritt.
Jetzt stelle ich mir schon das ganze Wochenende die Frage, wann ist es denn ein Notfall, wann ist es dringend?

Zumindest eine Frage hat sich geklärt.
Die ambulante Betreuerin hat sich bei mir gemeldet, noch bevor ich da eine Entscheidung treffen konnte. Sie kommt am Donnerstag.

Und jetzt erstmal arbeiten.

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