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Ein komisches Gefühl. Mein Kopf scheint noch dort zu sein, verarbeitet die fremde Umgebung und die Eindrücke, den Geruch und das Ungewohnte. Die schönen sowohl als auch die anstrengenden Momente.
Mich beschäftigt das derzeit sehr.

Der Urlaub war schön, stellenweise anstrengend und etwas verregnet. Aber an sich lief es ganz gut. Besser als ich es dachte. Selbst das Auto packen hatte ganz gut geklappt, auch wenn ich erst dachte, das passt da alles gar nicht rein. Beim zweiten Versuch ging es dann. War fast wie puzzeln und so machten wir uns auf dem Weg. Leider gerieten wir in einen Stau und so war bei 1,5-stündiger Verspätung selbst der Puffer von einer Stunde aufgebraucht. Dafür kamen wir dann sogar noch in recht guter Verfassung an.

Die ersten Tage war ich etwas planlos. Erst mal eine Routine entwickeln, soweit möglich. Ich musste vor allem erstmal herausfinden, wie ich am sinnvollsten die Küche geputzt bekomme. Das ist eine meiner stärksten Routinen zu Hause und gar nicht so leicht auf andere Küchen zu übertragen. Immerhin war die ganz anders aufgebaut, wesentlich kleiner und nicht alles da, was ich so gewohnt bin. Auch das Kochen darauf war gewöhnungsbedürftig und die Spülmaschine habe ich nach dem ersten Reinschauen sofort wieder zugemacht. Ich habe dann lieber per Hand abgewaschen. Irgendwie war alles anders, roch und fühlte sich eigenartig an, irgendwie fremd und doch konnten wir die Tage insgesamt genießen.

Ich wäre niemals allein gefahren, nicht ohne Sicherheitsperson und so war ich wirklich froh, dass noch jemand dabei war. Anbetracht mancher Situationen, die so entstanden sind, war es auch wirklich besser so.
Lustig war z.B. die Situation nach einem Besuch im Indoorspielplatz. Ich verstehe ja immer noch nicht, wie die Kinder sich bei sowas in das Getümmel stürzen können, wenn doch andernorts jeder Piep zu laut sein kann.
Die Folgen danach beim Einkaufen waren abzusehen. Vier Kinder, davon 3 völlig durch und jeder auf seiner Weise.
Da saß der eine irgendwann mitten im Laden und hatte abgeschaltet, der Zweite lief ziel- und planlos umher und der Dritte brüllte und wütete praktisch einmal den kompletten Einkauf hindurch.
Ich selber hatte auch den ein oder anderen Moment, auch einen shutdown. Interessant war es mal zu hören, wie es von außen wirkt. Denn ich kenne da nur die Innensicht. Aber beschreiben könnte ich die Außensicht nicht.

Anscheinend fällt es doch recht stark auf, wenn ich in den overload gehe oder abschalte. So auch bei einem Treffen mit jemandem aus dem Forum.
Gerade bei Menschen, die ich nur vom Schreiben her kenne, mich da aber gut mit ihnen verstehe, ist es immer mal wieder interessant, den Menschen dahinter kennenzulernen. Also real, der hinter dem Nick steht.
Allein wäre ich nie zu einem Treffen gefahren und weit auch nicht. So hat sich das aber im Urlaub zufällig ergeben und ich war im Vorfeld recht aufgeregt.
Nicht so glücklich war der Umstand, dass es kurz vor Abfahrt zu einer Planänderung kam. Ich warte ja schon immer bis an die Maximalgrenze, bevor ich meinen Kindern von solchen Treffen erzähle.
Zu groß ist die Gefahr, dass etwas schief geht und dann ist der Ablauf kaputt und das macht unter Umständen das Ganze während dem Treffen, aber spätestens danach, sehr schwierig zu händeln.
Auch wenn es dann für die Kinder recht anstrengend ist, da es nicht rechtzeitig vorgeplant war, so ist es doch das kleinere Übel. Eine Planänderung wäre schlimmer, zumindest in seinen Auswirkungen.
Auch mir war dieses Treffen schnell zu viel. Zum einen wegen der Änderung kurz vor Abfahrt, mit der ich schlecht umgehen konnte. Außerdem meine ich tatsächlich Milch, wenn ich sage, ich trinke Kaffee nur mit Milch. Sahne ist keine Milch und den Zucker brauche ich dann nicht wirklich. Nur sage ich in solchen Momenten nichts. Ich habe mich lediglich vom Kaffee ein wenig distanziert. Zum Glück hatte das dann meine Urlaubsbegleitung für mich übernommen. Lustig war das schon, im Nachhinein gesehen. Für sich selber hätte die Person auch nicht gefragt :D.
Zusätzlich war die Geräuschkulisse recht schwierig und das unaufhörliche plappern, was es mir sehr schwer machte, dem Gespräch wirklich zu folgen.
Es war dennoch schön, sie mal kennenzulernen 😉

Insgesamt war es für mich im Urlaub manchmal recht schwer, da vieles nicht planbar war. Nicht in dem Maße, wie ich es gewöhnt bin. Aber wäre es so gelaufen, wie ich es normal mache und brauche, dann wären wir vermutlich nicht einmal aus dem Haus gegangen. Dann muss es aber jemanden von außen geben, der das kann.

Flexibel sein, das kann ich nur, wenn ich viele Pläne mache, die ich dann bei Bedarf switchen kann. Das ist allerdings schwer in einer Umgebung, in der ich mich nicht auskenne und dazu noch alles so fremd ist. Ich bin dann zu sehr damit beschäftigt einen, sagen wir, Grund reinzubekommen, das mir einfach nicht die Ruhe bleibt, um mich an die Planung zu setzen.
Alleine wäre ich bei so was hilflos gewesen.
Das sind die Momente, wo meine Vermeidungsstrategien greifen. Ich hätte vermutlich die ganze Zeit die Anlage nicht verlassen, wahrscheinlich wäre ich gar nicht erst in den Urlaub gefahren.

Ich war noch nicht oft im Urlaub und nie allein und auch dieses Mal hat sich bestätigt, das alleine Fahren ein nogo ist. Aber ich bin froh um meine Kontakte. So ist es vielleicht doch das ein oder andere Mal möglich. Denn die Kinder hatten zwar eine anstrengende aber schöne Zeit und sie werden noch lange daran zehren.

Nun sind wir zu Hause, aber angekommen bin ich noch lange nicht.
Alles ist irgendwie anstrengend und zäh. So richtig hoch komme ich nicht. Ich brauche sehr viele Pausen.
Dabei hätte ich so viel zu tun. Ich bin derzeit froh, das Notwendigste zu schaffen. Zumindest die Wäsche ist durch und alle Schulmaterialien da.
Ab Montag hat uns der Alltag wieder.
Es war eine aufregende, schöne Zeit und es gab auch das ein oder andere Highlight, aber es ist auch Zeit daheim anzukommen.

Photobucket Pictures, Images and PhotosHighlight war für mich die Zugfahrt in einer Schmalspurbahn mit einer alten Dampflok.

UPDATE

Meine Urlaubsbegleitung war so nett und hat mal eine Aussenansicht geschrieben, was ich sehr interessant fand und euch nicht vorenthalten möchte. Danke dafür!

Ich versuche einfach mal eine Aussenansicht unserer Mädel im Urlaub zu geben. Wie die Innensicht ist, hat sie selbst bereits sehr bildlich beschrieben.

Aber fangen wir vorn an.

Die Ankunft

Der erste Teil der Urlaubsrunde war, trotz deutlich weiterer Anfahrt eher da. Im Nachhinein betrachtet war das auch gut so. Somit hatten wir die Chance unser Gepäck und die Vorräte schon im Domizil zu verstauen bevor der “ Rest“ ankam.

Was dann aus dem 2. Auto ausgeräumt wurde war reichlich und hätte uns vor gewaltige Probleme gestellt. Probleme im Sinne von „wohin und was zuerst“. Hier hat uns also der Zufall, mit dem Namen Stau, in gewisser Hinsicht einen großen Gefallen getan.

Was die innere Ankunft betrifft, so kann ich es nur so beschreiben:
Sie wirkte froh endlich da zu sein, angespannt, konzentriert, etwas zurückhaltend, aber im Großen und Ganzen nicht überfordert.
Wer nicht sehr aufmerksam hinschaut, würde es wohl reserviert nennen.

Kochen oder der Kampf mit der Küche

Wie sie ja bereits selber gut beschrieben hat, war der Platz in der Küche sehr überschaubar. Der Geschirrspüler hatte auch meine Gunst nach 2 gescheiterten Versuchen verspielt, also war Handbetrieb angesagt. War auch gut so.
Küche putzen ist eine Art des Abschaltens, die uns beiden sehr entgegen kommt. Also hatte die hartnäckige Weigerung des Reinigungsgerätes doch seinen Sinn.

Was die Zubereitung der Mahlzeiten anging, war das eher mein Part. Das war so nicht unbedingt vereinbart oder gewollt, sondern ergab sich einfach so. Ich koche gern und somit war das auch keine Belastung für mich.
Eine Entlastung für Mädel war es dafür allemal. Zum Kochen braucht man einen Plan. Dieser erfordert klare Rahmenbedingungen und ein gewisses Wohlfühlpotential. Beides war nur begrenzt vorzufinden und somit war die ungeplante Rollenverteilung eine gute Sache.

Lediglich die Geschmacksnerven der Kinder waren zum Umdenken gezwungen. Ich koche eben doch anders als Mama. Verhungert ist keiner, also ist auch das als positiv zu werten. Oder geht da mein Optimismus mit mir durch?

Ausflüge und Treffen

Die Planungen dafür waren recht einfach: Wetter beachten und einen Tag festlegen, Belastbarkeit aller anwesenden Autisten, Verdachts- und Nichtautisten einschätzen und los gehts. Wichtig ist es nur gewesen, den nächsten Tag frei zu halten. Irgendwann muss man diese Eindrücke auch verarbeiten. Da sind neue Wege, Menschen, Gerüche, Autokennzeichen, Berge, Züge, Fahrpläne, Streckennetze und Grenzen. Alles wichtige Sachen die eingeordnet werden müssen.

Die Geschichte mit dem Indoorspielplatz sah aus meiner Perspektive so aus:

Die Lärmbelastung in diesen Anlagen ist enorm. Die Kinder sind abgelenkt, weil sie ein Teil dieser Krachmaschinerie sind und wirklich Spaß haben können.
Anders die Erwachsenen, die bekommen die komplette Bandbreite der Geräuschemissionen auf die Sinnesorgane geknallt! Das ist gerade für Autisten der Horror schlechthin und hatte auch die absehbaren Folgen. Overload!
Also Pause anordnen und die Stellung halten.
Die Auszeit kam keine Minute zu früh und so konnte sich die Bloggerin etwas erholen.

Wie die Kinder danach drauf waren, steht sehr schön in ihrem Text beschrieben. Man waren die durch…….

Das beschriebene Treffen, hatte ich vor vielen Monaten schon in groben Zügen ausgemacht. Das wurde also präzisiert und mit kurzfristigen Änderungen auch abgehalten.
Wie und was steht im Blog. Die Aussensicht nicht.
Bergab ging es bei der Verfasserin des Blogs mit der Planänderung, verhalten, aber der Knick war schon drin.
Nächstes Problem: Parkplatzsuche. Hier kam uns allerdings der Zufall zu Hilfe, wurde also recht schnell abgearbeitet. Allerdings nur äußerlich. Die innere Unruhe war spürbar.
Das Treffen selber war anstrengend. Es hat soweit geklappt, nur das unsere Mädel zusehends weggedriftet ist.
War eine Lehrveranstaltung sozusagen. Ganz weg war sie nicht, aber deutlich sichtbar, daß sie dem Gespräch nicht mehr komplett folgen konnte.
Zu schnell, zu laut und zu wechselnd.
Gesamtverfassung: akzeptabel.

Shut down

Einer der interessantesten Momente dieser Urlaubstage, war es einen shut down von außen zu erleben.
Die Anstrengungen der Urlaubstage und nicht zuletzt gehört auch die ungewohnte Küche, fehlende Routinen und nicht durchführbare Rituale dazu, haben ihren Preis eingefordert.

Es sah aus, als würde sie Gedankenversunken da sitzen, bald sieht man jedoch was es wirklich ist:
Da ist eine Mauer ringsrum gebaut! Völlige Ruhe, völlige Stille im Bewegungsapparat. Kein Laut, nicht die kleinste Bewegung, die Zigarette und das Feuerzeug in der Hand. Zum Anzünden ist sie nicht mehr gekommen. Fast wie im Märchenfilm wenn jemand versteinert wird. Das war aber kein Film, sondern absolut real. Ansprechbar ist sie, aber die Reaktion ist wie in Zeitlupe.
Faszinierend und anfangs ein wenig beunruhigend zugleich.

Also umschalten im Kopf und weiter gemacht.
Mädel hat diese tiefe Pause dringend gebraucht, ihr Körper brauchte das und ich werte es als Kompliment es erleben zu dürfen und die Sicherheit gegeben zu haben, daß sie es in dem Moment zulassen konnte. Danke dafür.

Zusammenfassung

Es war eine tolle Zeit, nicht zuletzt weil da 4 diagnostizierte Autisten aufeinander trafen die teilweise unterschiedlicher nicht sein können. Sie sind sich in sehr vielen Punkten, Handlungen, Wahrnehmungen und Sichtweisen ähnlich, aber dennoch unglaublich individuell.

Es ist keine Zauberei diese Charaktere zu erkennen und mit den kleinen Besonderheiten auszukommen. Man muss lediglich die Augen und Ohren offen halten, um die Minisignale zu erkennen.
Ja, Minisignale und die zeigen deutlich was gerade Sache ist. Ob Pause oder nicht, ob leiser oder dunkler.
Versucht es mal, ich würde es jederzeit wieder tun, weil es einfach deutliche, klare und verdammt ehrliche Menschen sind. Nur eben mit ganz kleinen Besonderheiten die ich nicht unbedingt als Defizite bezeichnen möchte.

Danke für die Erfahrung und den schönen Urlaub

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