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AutiCareAuticare bietet nun seit neuestem eine Reihe an, in der sie autistische Blogger präsentieren wollen. Ich durfte den Anfang machen 😀

Es war eine tolle Erfahrung und es hat Spaß gemacht die Fragen zu beantworten.
Ich will mich auf diesem Wege dafür bedanken und euch das Interview natürlich auch nicht vorenthalten:

AutiCare: Was hat dich dazu bewogen, zu bloggen?

Mädel:
Ich fand damals die Idee der Bloggertage von Quergedachtes phänomenal und wollte unbedingt daran teilhaben. Ich fand mich nicht gut genug zum Schreiben und dachte immer, ich könne mich niemals mit den Bloggergrößen wie Quergedachtes, Sabine Kiefner oder Realitätsfilter messen. Wobei „sich messen“ nicht als Rivalität gemeint ist. Ich bewundere deren Schreibstil und ihre Einstellung zum Thema. Sie sind vom Schreiben her meine Idole, wenn man das so sehen will. Autzeit bestärkte mich damals darin einen Blog zu eröffnen und ich bin ihr da sehr dankbar dafür.

AutiCare: Was bedeutet dir dein Blog?

Mädel:
Für mich ist der Blog eine Art Ventil geworden. Mir fällt schreiben wesentlich leichter. Gerade, wenn es darum geht, mein Innerstes zu beschreiben. Außerdem hat sich mein Blog mit der Zeit zu einem Sprachrohr entwickelt für viele Autisten. Ich greife oft Fragen aus Foren oder Facebookgruppen auf und mache mir dann Gedanken darüber, wie man diese am besten beantworten kann.

AutiCare: Möchtest du mit deinem Blog etwas erreichen und wenn ja…was?

Mädel:
Das ich anders bin habe ich früh erkannt. Ich wusste aber nie warum. Ich hatte keine leichte Kindheit, sie war mit viel Mobbing und Ausgrenzung verbunden. Auch mein Elternhaus war diesbezüglich sehr schwierig.
Als mein Großer geboren wurde, erkannten wir sehr schnell das etwas anders verläuft, als es sollte und damals wurde mir oft gesagt, egal was er hat, du hast es auch.
Er ist im Kindergarten sowohl auch schulisch durch die Hölle gegangen. Eine Nachbarin sprach das erste Mal den Verdacht Autismus aus, als er 5 Jahre war. Ich hatte damals dies aber weit von uns gewiesen, weil ich das allgemeine Bild von Autismus im Kopf hatte, was Medien so gerne vermittelten. Da passte er einfach nicht rein.
Wir hätten uns, mir und ihm, viel erspart, wenn ich damals informierter gewesen wäre. Mit 10 bekam mein Sohn die Diagnose HFA (High Function Autism) und ich ein halbes Jahr später die Diagnose Asperger Syndrom.
Ich will daher mit meinem Blog aufklären, wie verschieden und facettenreich Autismus ist. Nicht nur für Autisten und deren Angehörigen. Manch Psychiater, Psychologe, Kinderarzt, Therapeut und vielen anderen Menschen, die mit Autisten arbeiten und über sie „urteilen“ würde es sicher gut tun mal die Sicht der Autisten zu lesen.

AutiCare: Welche Resonanz bekommst du auf deinen Blog?

Mädel:
Das ist verschieden. Es kommt auch auf die Themen an. Die meisten sind sehr positiv und es entstehen oft schöne Diskussionen darüber. Natürlich gibt es auch negative Resonanz. Z.B. als ich über ABA oder MMS geschrieben hatte.
Ich kann es manchmal nicht fassen, wie viele meinen Blog inzwischen lesen und freue mich darüber sehr.

AutiCare: Wissen deine Freunde und Familie von dem Blog?

Mädel:
Teilweise. Ich habe auch Therapeuten und Kinderpsychiater unter meinen Lesern, was mich sehr freut. Diese kenne ich teilweise auch persönlich.
Freunde habe ich nicht viele, aber die meisten davon wissen von meinem Blog. Zu meiner Familie habe ich kaum noch Kontakt.

AutiCare: Wie siehst du die Stellung der Autisten in der Gesellschaft?

Mädel:
Bei einem Gespräch in der Schule sagte mal der dortige Schulpsychologe einen Satz, dem ich leider immer mehr Wahres zusprechen muss, was eigentlich sehr traurig ist:
“Die Welt ist noch nicht bereit für den Autismus”

Das fängt ja schon damit an, dass mein Sohn in ein Sozialtraining soll, weil er so empfindlich reagiert auf das Mobbing seiner Mitschüler (die meinen das doch nicht böse). Das aber gerade die Kinder, die andere (vermeintlich schwächere) niedermachen in Schutz genommen werden, sagt sehr viel über ein Schulsystem und auch über die Gesellschaft aus in der wir leben.
Das autistische Kinder teilweise sogar als Störfaktor in einer Klasse gesehen werden, so das selbst der Schulpsychologe davon abrät bekannt werden zu lassen, dass sich da ein autistisches Kind in der Klasse befindet, mehr als bedenklich.
Viele Menschen scheinen Angst vor dem „anders sein“ zu haben und können diese nicht akzeptieren oder wollen es nicht. Immer wieder wird versucht Autisten zu ändern, anzupassen, teilweise mit sehr fragwürdigen Mitteln. Sie sollen „angepasst“ werden, besser noch „geheilt“. Autismus wird noch oft als Krankheit gesehen, die es zu heilen gilt.

AutiCare: Fühlst du dich von der Gesellschaft akzeptiert und besonders auch respektiert?

Mädel:
Von der Gesellschaft im Ganzen akzeptiert zu werden, ist ein Ideal. Mir würde es schon reichen, wenn mein Umfeld das tun würde. Viele verstehen mich nicht und da wird es dann mit der Akzeptanz und dem Respekt schwierig.

AutiCare: Was hältst du von der Politik und das was sie für Autisten tut?

Mädel:
Mein Problem ist, das ich zwar in gewissen Maße an Politik interessiert bin, aber ich habe einfach nicht die Zeit um diese zu verfolgen.
Klar bekomme ich das ein oder andere mit. Aber nicht genug, um mir da wirklich eine Meinung zu bilden.
Früher war ich sehr an Arbeitspolitik interessiert …Das hing wohl auch mit meinem Ehrenamt zusammen.

AutiCare: Ein Wort, ein Rat oder ähnliches an andere Autisten?

Mädel:
Lasst euch nicht zu sehr verbiegen. Ihr seid toll, so wie ihr seid. Natürlich muss man sich bis zu einem gewissen Grad anpassen. Aber nicht in allen Bereichen und vor allem nicht immer.
Aber auch einen Rat an die Nichtautisten:
Ein Traum wäre, wenn Nichtautisten sich auch mal die Mühe machen klarer zu kommunizieren. Sich zu verhalten, wie wir es brauchen, uns leben lassen, wie es uns gut tut, und ab und an sich die Mühe machen zumindest zu erahnen, wie wir denken … es ist schon anstrengend genug!

AutiCare: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Mädel:
Akzeptanz und ein „miteinander reden“ statt nur „über uns“
Ich war damals begeistert, wie viele Autisten auf einmal gemeinsam für eine Sache einstanden, nach der Berichterstattung über den Amoklauf in Newton. Auch wenn der Grund dafür nicht gerade schön war. Es hat sich über Jahre eine Community entwickelt und an diesem Tag vereinten sich viele Autisten oder outeten sich. Meldeten sich zu Wort.
Daher finde ich auch solche Projekte wie Auticare oder die Bloggertage so spannend. Ich denke es ist an der Zeit, das sich Autisten Gehör verschaffen.

Hier noch den Link zu dem Interview bei Auticare: http://www.auticare.de/aus-dem-alltag/12-aus-dem-alltag/184-interview-mit-der-bloggerin-von-innerwelt.html

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