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Heute ist einer der Tage, an denen ich ordnen muss. So viele Gedanken. Die letzten Tage waren zu viel und ich hatte keine Zeit dazu.
Immer wieder werde ich mit meinem Inneren konfrontiert, was auch Kraft kostet dies zu beschreiben. Gleichzeitig ist da mein alltägliches Leben, wo sich vieles ändert und ich neu ordnen muss.
Da ergab sich diese Woche auch viel Neues und der Zeitrahmen wurde zudem verändert, also muss ich neu planen. Aber in dem alltäglichen Chaos diese Woche hatte ich keine Zeit dazu. Da waren die Kinder, meine Arbeit, die Termine und eben auch andere, die erst mal wichtiger waren.
Ich hatte diese Woche Overloads und Erschöpfungszustände und keine Zeit diese zu verarbeiten. Es folgte immer gleich das Nächste.
Ich muss ja funktionieren.

Gestern hatte dann eigentlich eine Kleinigkeit, die ich normal ganz gut kompensieren kann, ausgereicht um mich völlig aus der Fassung zu bringen.
Ich war auf einer Schulveranstaltung und stand in einer Halle. Es war nicht still aber auch nicht unerträglich. Plötzlich schwoll alles an. Viele Menschen betraten den Raum und es wurde unerträglich laut. Es schien wie eine einzige Mauer aus undefinierbaren Stimmengewirr das auf mich zu strömte und ich hatte nur noch einen Gedanken … Flucht.
Aber das ging nicht, ich musste bleiben, der Termin war wichtig.
Ich hielt mir die Ohren zu und versuchte es aushalten.
Gleich wird es stiller, wenn sie alle in die Klassen gehen und die Gespräche beginnen … nicht mehr lang. Das sage ich mir immer wieder.

Nach 10 min war es so weit, dass alles in die Klassen strömte und ich war so froh um die Stille. Vom Gespräch selber habe ich gar nicht so viel mitbekommen. Hoffentlich war es nichts Wichtiges. Heute kann ich meinen Sohn verstehen, warum er manchmal im Unterricht nicht mehr viel mitbekommt. Ist diese Halle immer so laut?
Nach dem Elterngespräch stand eine Führung auf dem Plan: Einen Rundgang machen durch die Ausstellung.
Noch mal durch diese Halle? Definitives nein.

Meinem Sohn schien es auch zu viel zu sein. Die Kinder wurden ja nach dem Gespräch hochgeholt und das Erste was er fragte war, ob wir jetzt gehen können.
Bevor sie um Rundgang aufrufen konnten, verschwanden wir.

Zu Hause angekommen versuchte ich erst mal der Situation Herr zu werden. Wegen der Kopfschmerzen legte ich mich hin. Aber das brachte nicht den erwünschten Effekt.
Ich konnte es nicht mehr aufhalten.
Die Haut begann wehzutun. Ich musste die Haare hochbinden, weil sie unangenehm im Nacken waren. Die Kleidung schmerzte, ich musste mich schnell umziehen. Möglichst locker. In meinem Zimmer fing ich an mein Bein zu wippen, ich hatte Druck … aber ich wollte dem Impuls mir einen Gegendruck zu verschaffen nicht nachgeben. Mein ganzer Körper tat weh. Versuchte mich selber zu drücken, umschlang mich mit meinen Armen. Aber auch das funktionierte nicht wirklich.
Vielleicht fing ich deshalb mit den Vokalen Tics an. Das habe ich nur in Fällen, wenn es wirklich schlimm ist, und ist mir im Nachhinein immer sehr peinlich, weil ich da stetig komische Geräusche von mir gebe. Es kostet Kraft sie umzuleiten, aber wenn ich allein bin, ist das nicht nötig. Daher habe ich es gestern laufen lassen. Alles ist besser als mich selbst zu verletzten.
Ich war in einem Zustand von schwerer Unruhe und ich konnte mich erst sehr spät abends so weit beruhigen, dass ich schlafen gehen konnte.
Danach kommt meist der Tag der Erschöpfung. Das sind die Tage, an denen ich ordne und meist schaffe ich es an dem Tag nicht, irgendwas Sinnvolles zu tun. Wenn es möglich wäre, dann würde ich den ganzen Tag im Bett bleiben.
Aber leider geht das nicht immer so, wie ich will.

Ich komme heute einfach nicht zur Ruhe. Ich muss ordnen, aber kann nicht. Zuviel schwirrt in meinem Kopf. Ich brauche Ruhe und kann diese für mich selber nicht schaffen. Immer wieder dieser Gedanke, ich will nach Hause. Ist das nicht ein seltsamer Satz, den ich da denke? Ich kenne ihn schon seit meiner Kindheit.
Dabei war und bin ich doch zu Hause. Aber warum denke ich in solchen Momenten oft, dass ich nach Hause will und wo ist denn mein zu Hause, wenn nicht hier? Darauf habe ich nie eine Antwort gefunden und doch ist dieser Gedanke so präsent.

Ist es, weil ich nicht zu der Ruhe komme, die ich brauche? Weil ich mich hier unwohl fühle? Ist mein zu Hause da, wo ich mich jetzt wohl und sicher fühlen würde? Ist mein zu Hause meine Innerwelt oder ein Ort in der Außenwelt? Aber welcher?
Ich bin heute so verwirrt.
An solchen Tagen reicht mein Raum nicht aus. Es kann jederzeit jemand rein kommen. Meine Familie achtet nicht immer meinen Wunsch nach Ruhe. Ist es vielleicht das, was mich nicht zur Ruhe kommen lässt? Oder der Umstand, dass ich sie immer noch hören kann?
Als Kind bin ich oft nach draußen geflüchtet. In den Wald oder in meine Gänge. Am Hochhaus entlang und manchen Mauer entstanden durch das Gestrüpp manchmal Gänge und kleine Nischen. Die anderen haben sich da nie rein getraut, es war denen zu unheimlich. Aber für mich war es ein Segen. Ich habe mich als Kind viel und oft dort aufgehalten.
Ich kann mich nur wirklich erholen, wenn keiner mich stört. Aber das geht nur an solchen Tagen, wenn alle meine Kinder aus dem Haus sind (Schule, Kindi), wenn ich nicht arbeiten muss, keine Termine anstehen und mein Mann aus dem Haus ist.
Solche Tage werden aber immer seltener und reichen bei Weitem nicht mehr aus. Nicht bei dem Stress, unter dem ich momentan stehe.

Ich glaube nicht, das ich es heute schaffe mich zu ordnen und ab morgen stehen schon wieder mein Alltag und Termine an.
Ich versuche es mit schreiben.

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