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Ich denke schon die ganze Woche über das Thema Ablehnung, Ausgrenzung und Freundschaft nach. Mein Sohn interessiert das Thema momentan sehr und ich versuche herauszufinden, wie ich ihm das erklären kann. Er hat es erst jüngst beim Sozialtraining thematisiert und ich bin tatsächlich selbst gespannt, was er zu diesem Thema lernen wird.

Ablehnung ist so ein Thema beim mir. Ich kenne es nicht anders. Ich habe es oft nicht als solche empfunden. Nicht wenn ich von vielen gemobbt wurde. Das allerdings wurde ich viel, häufig und recht schwer. Da verschwanden Arbeitsutensilien oder Kleidung, da wurden Arbeitsmaterialien zerstört. Ich wurde verprügelt und ausgegrenzt. Am schlimmsten ist mir die Ausbildung in Erinnerung. Die haben meine Arbeiten zerstört, Bilder aus meiner Privattasche geklaut und veröffentlicht und meine Prüfung sabotiert.
Bei alle dem war mir ein Mobbing an sich nicht bewusst. Ich hatte nur Sorge, dass meine Arbeit nicht richtig bewertet werden kann.
Das, was mich wirklich gestört hat, war die Ablehnung von Menschen, die ich mochte oder die mich interessierten.
Ich hatte nicht viele Freunde und diejenigen welche fanden mich alle nett und mochten mich. Aber einmal direkt was gesagt und sie waren weg. Die, die mit meiner direkten Art klarkamen, denen fehlte immer irgendwas. Ich weiß bis heute nicht was.
Das zieht sich so bis heute durch. Ich schaffe es selten eine Freundschaft anzubandeln und wenn, dann schaffe ich es noch seltener sie zu halten. Ich wohne hier jetzt fast 6 Jahre. Bis heute habe ich keinerlei engen Kontakt zu Nachbarn. Ich habe hier nie Anschluss gefunden, obwohl die Rahmenbedingungen sehr gut waren. Alles nahezu zeitgleich gebaut, junge Familien mit Kindern in etwa demselben Alter.
Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Keine Ahnung. Um mich herum bilden sich Freundschaften. Sie feiern Nachbarschaftspartys und wir werden nicht eingeladen. Ich bin hier als nett aber komisch tituliert.

Die Menschen, die ich momentan zu meinen Freunden zählen kann, sind allesamt Menschen, die mich so nehmen wie ich bin.
Ich kann nicht sagen, wie es zu diesen Freundschaften kam oder warum sie stellenweise gehalten haben. Was denn nun genau anders gelaufen sein soll zu meinen unzähligen Versuchen im Vorfeld. Sie waren auf einmal da.
Nur eben, dass sie alle in etwa das Gleiche sagen. Sie mögen mich und ich bin halt so, wie ich bin.
Seit meinem AS Verdacht und auch jetzt noch nach der Diagnose rede ich viel mit ihnen. Über mich, über sie und über unsere Freundschaft. Da mich das Thema aktuell auch sehr beschäftigt. Sie sagen manchmal ich melde mich sehr selten. Manchmal monatelang nicht. Dann wieder häufig eine Zeit lang. Meistens melde ich mich nur dann bei ihnen, wenn ich auch was zu erzählen habe oder eben mit ihnen über ein Thema reden möchte. Wenn es da nichts gibt, sehe ich da auch keinen Sinn darin mich zu melden. Das heißt allerdings nicht, das ich sie dadurch weniger mag oder schätze. Es gibt einfach nichts zu erzählen. Das ist alles. Einmal antwortete mir meine Freundin darauf, das sie aber auch mal was zu erzählen hat und dann gern mit mir reden möchte. Da war ich ehrlich überrascht. Denn so hatte ich das nie betrachtet. Ich fragte sie dann, warum sie sich dann nicht einfach bei mir meldet. Denn ich kann ja nicht wissen, dass sie mich mal braucht.

Insgesamt benötige ich wenig Kontakt.
Ich bin gern allein. Nur nicht gern einsam.
Zu wissen, dass die andere Person greifbar ist, wenn ich sie brauche, das reicht mir meist schon. Scheinbar ist aber diese Haltung zu wenig für manche, um eine Freundschaft als gepflegt anzusehen.
Für mich sind soziale Interaktionen immer mit Stress und Anstrengung verbunden. Daher habe ich nicht viele Freunde und auch nicht häufig Kontakt.

Allein die Kontaktaufnahme gestaltet sich schon oft als unüberwindbare Hürde. So kann ich nicht anhand der Gesichtszüge und Körpersprache deuten, ob denn nun ein Kontakt erwünscht ist oder nicht. Small Talk ist mir fremd. So erschließt sich mir ein Gespräch über das Wetter nicht wirklich als sinnvoll, wenn man doch an derselben Stelle steht. Genauso verunsichert mich die häufig gestellte Einstiegsfrage „Wie geht es dir“. Ich habe zwar mit den Jahren gelernt, dass nicht immer ein detaillierter Bericht meines Zustandes gefragt ist, aber manchmal fragen Menschen aus tatsächlichem Interesse. Wie soll ich das nun unterscheiden. Also versuche ich meist dieser Frage aus dem Weg zu gehen oder platze gleich mit einem Thema heraus in dem ich mich sicher fühle.
Die meisten Kontakte entstanden aus einem gemeinsamen Interesse heraus, oder weil ich angesprochen wurde.
Die zweite Hürde ist dann der Schritt von der Kontaktaufnahme zum tatsächlichen Treffen. Ich kann mit der Angabe „Lass uns doch mal einen Kaffee zusammen trinken“ nicht viel anfangen. Im Gegenteil. Ein „ich komme mal vorbei“ stürzt mich in eine Unruhe, die sich dahin gehend auswirkt, dass ich von da an jeden Tag einen Besuch dieser Person einplane und demnach auch jedes Mal verstört bin, wenn es nicht dazu kommt.
Eine meiner heutigen Freundinnen hat mir 2 Jahre lang „mal einen Kaffee“ oder ein „komm mal vorbei“ angeboten. Eines Tages packte sie mich einfach und zog mich einfach mit zu sich nach Hause. Vermutlich war sie das warten leid. Das war damals der Beginn einer Freundschaft, die bis heute hält.
Ist eine Kontaktaufnahme geschafft und es hat sich tatsächlich eine Freundschaft daraus entwickelt, dann gibt es oft Missverständnisse, die zum „aus“ einer gerade erst begonnen Freundschaft führen können.
Ein unerwarteter Besuch z.B.
Außerdem bin ich recht unflexibel. Die meisten kommen spontan mit einem Vorschlag sich zu treffen oder besuchen auch oft nur mal so spontan. Beispielsweise bin ich spätestens nach dem 10ten Absagen, doch mal kurz ins Freibad zu kommen, den Rest des Sommers nicht mehr gefragt worden. Das ist für mich nichts und stürzt mich in eine Unruhe. Es muss für mich planbar sein und ich muss auch Zeit genug haben, um mich darauf vorbereiten zu können.

Immer wieder habe ich mich gefragt, woran es liegen könnte, dass oft Freundschaften einfach gehen, aus meinem Leben verschwinden.

Muss ich spontan sein, um Freunde haben zu können?
Oder denken sie, weil ich so oft den „spontanen Aktivitäten“ absage, dass ich kein Interesse an ihnen habe.
Oder weil ich mich eben wenig von mir aus melde?
Oder ist es die Distanziertheit, die mir viele vorwerfen. Sie wissen nicht, woran sie bei mir sind. Ich erzähle nicht sehr viel von mir und meinem Innenleben. Sie können mich nicht ganz greifen.
Ist es meine sachliche Art?
Manchmal auch meine Unsicherheit?

Ist es vielleicht auch meine Art mich oft abrupt zurückzuziehen?
Ich erinnere mich an eine Situation bei einer Freundin. Wir waren zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Normalerweise sagt sie immer im Vorfeld, das ich auch da bleiben soll und wir trinken gemütlich Kaffee. Nur eben nicht dieses eine Mal. Ich ging schon schwer verunsichert hin. Ich wusste nicht, soll ich nun so wie immer bleiben oder soll ich meinen Sohn nur einfach abgeben und wieder gehen. Als ich dort war, bat sie mich wie üblich herein. Bot mir auch einen Kaffee an. Aber ständig hatte ich die Frage im Hinterkopf. Soll ich jetzt gehen? Oder bleiben? Wann ist der Zeitpunkt um die Party zu verlassen? Es mündete darin, dass ich irgendwann meinen Sohn schnappte und die Party vorzeitig verließ. Ohne ein Wort der Erklärung.

Oder ist es manchmal auch meine Art mich mitten in einem Gespräch auszuklinken, ganz still zu werden und nichts mehr zu sagen?
Heute weiß ich das diese Situationen wegen einem Overload entstehen. Aber lange wusste ich das nicht.

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, das es Menschen gibt die mich so nehmen, wie ich bin. Denn ich wüsste wirklich nicht, was ich denn nun ändern müsste. Ich wüsste nicht mal, ob ich das könnte.
Ich bin nunmal manchmal ein wenig anders und reagiere nicht immer so wie erwartet. Ich bin sehr direkt und manche sagen, ein guter Ratgeber durch meine sachliche und objektive Betrachtungsweise. Aber vielleicht ist es gerade das, was doch manche an mir schätzen und manchmal auch genau das, was manche an mir abstößt und zur Ablehnung führt.

Was den Rest betrifft.
Mit der Zeit habe ich gelernt mich so zu akzeptieren, wie ich bin.
Ein Einzelwesen, das zwar manchmal gern Kontakt hätte, aber soll wohl nicht so sein.

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