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Baldiger Termin oder wie wichtige Gespräche verlaufen können.

Er ist bald und ich stecke mitten in der Planung. Da wird genau die Route festgelegt. Parkmöglichkeiten gesucht und nach chronologischer Reihenfolge sortiert. Alternativ nach Bahnverbindungen gegoogelt, es könnte ja was schief gehen. Alles wird 3-4 mal gecheckt. Es muss ja wirklich alles passen.

Solche Gespräche sind schwer für mich. Man muss auf so vieles achten. Muss dem Verlauf folgen, alles richtig verstehen. Sich selbst einschätzen können und das in einem Sekundenbruchteil. Da ich das sehr schwer kann und es mir Schwierigkeiten bereitet mein Innerstes in Worte zu fassen, mache ich mir im Vorfeld viele Gedanken.

Der Gesprächsverlauf wird geplant. Verschiedene Verläufe, Varianten, sowie Frage- und Antwort-Möglichkeiten. Dazu werden verschiedene Aufschriebe angefertigt. Sollte ich verstummen, dann kann ich immer noch auf diese verweisen. Sie sind mein Sicherheitsanker. Außerdem kann ich mich schriftlich wesentlich besser ausdrücken und mein inneres beschreiben als verbal.

Manche sagen, ich übertreibe. Aber ich kann da nicht anders. Ich brauche diese Sicherheit.

Gerade bei wichtigen Gesprächen halte ich mich am Funktionieren. Das erfordert sehr viel Konzentration und Kraft, da ich ständig mitdenken muss. Wie war das gemeint, welche Situation könnte da passen. Man kann es sich so vorstellen, dass ich stetig während des Gesprächs auf einen Fundus aus Erfahrungen und Vorabüberlegungen greife.

Irgendwann  ist die Kraft nahezu aufgebraucht. Ich beginne dann Unsinn zu reden. Ich entwickle an der Stelle schon oft einen Tunnelblick und nehme vieles um mich herum nicht mehr wahr.

Ich versuche mir zu helfen indem ich dann Dinge aus meinem Gesprächsfundus nehme, die mit der tatsächlichen Tatsache nicht mehr viel zu tun haben und auch oft nicht wirklich in den Gesprächsverlauf oder in mein Leben passen.

Irgendwann verstumme ich und spätestens dann brauche ich Hilfe.

Nachtrag zum telefonieren:

Ähnliche Vorgehensweise wende ich auch an um Telefonate zu planen. Dennoch ist die Durchführung etwas schwieriger. Ich versuche mal zu erklären warum ich an sich nicht gern telefoniere. Ich habe so oft schlechte Erfahrungen beim telefonieren gemacht, dass ich da irgendwann eine Angst entwickelt habe.

Manchmal ist telefonieren möglich, vor allem wenn ich die Person gut kenne und sie mich. Wenn ich davon ausgehen kann, dass die Person ein Schweigen meinerseits nicht übel nimmt. Ich bin nicht fähig Smalltalk zu halten. Gibt man mir jedoch ein Thema in dem ich sicher bin, dann kann ich plappern ohne Ende. Auf die Gefahr hin, das die andere Person nicht mehr zu Wort kommt 😀

Auch ein Problem sind die Umgebungsgeräusche.
Ich höre ja alles. Beim telefonieren dann eben auch sämtliche Geräusche die bei der angerufenen Person herrschen. Zusätzlich meine. Es kommt dann häufig vor, dass ich die Person am Telefon gar nicht verstehe.
Manche sagen, man muss sich doch dann nur auf den Anrufer konzentrieren und alles andere ausblenden. Aber genau das kann ich nicht. Das kann AS nicht. In einem Gespräch face to face kann ich mir so behelfen, dass ich die Lippen begleitend lese. Aber wie soll das am Telefon gehen? Außerdem kostet es Kraft und lange aufrecht erhalten kann ich das nicht.
Es kommt auch stark darauf an ob ich mich auf das Gespräch vorbereiten konnte und mit wem ich telefoniere. Bei Fremden fällt es mir wesentlich schwerer. Bei wichtigen Anrufen ist mir im Vorfeld immer übel.
Außerdem ist es abhängig von der Tagesform. Es gibt Momente, da telefoniere ich sogar gerne. Vor allem mit manchen Personen. Aber es gibt auch Momente, da würde ich nicht mal an das Telefon gehen, wenn es nach mir ginge.
Der wichtigste Grund für mich und da kann ich nur von mir sprechen, wobei das schon viele Autisten berichtet hatten, ist das verstummen.
Wenn ein Gespräch nicht planmäßig verläuft komme ich aus dem Konzept und dann sage ich gar nichts mehr. Das kann in manchen Situationen sehr unpassend sein.
Es gibt nur wenige Menschen mit denen ich auch ohne bewussten Plan telefonieren kann. Weil ich ihre Reaktionen und Gesprächsverläufe besser einschätzen kann, da ich sie sehr gut kenne.

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